Speyer
Scheibe eingeschlagen: So gehen die Grünen mit den Vandalismus-Fällen um
Die Spuren waren noch deutlich sichtbar: Den Sprung an der Scheibe ihres Büros haben die Speyerer Grünen behelfsmäßig abgeklebt, in den Tagen danach sollte sie ausgetauscht werden – erneut. Bereits im Februar hatte es einen ähnlichen Vorfall gegeben. Damals sicherte die Polizei die Steine, die für die Tat mutmaßlich benutzt worden waren. Laut den Beamten haben sich zu beiden Taten bisher keine Zeugen gemeldet, auch sonstige Hinweise fehlten. Ein Zusammenhang zwischen beiden Taten sei grundsätzlich möglich, jedoch nicht belegt.
Anschläge dieser Art hatte es in den vergangenen Jahren auf das Büro in der Armbruststraße schon mehrere gegeben. Einem 77-Jährigen konnte laut Frankenthaler Staatsanwaltschaft 2023 ein Fall nachgewiesen werden: Er hatte mit einem Geschoss aus einer Zwille die Schaufensterscheibe des Büros beschädigt. Das Verfahren gegen den Mann sei nach Zahlung einer Geldauflage und Schadenswiedergutmachung eingestellt worden. „Weitere ähnliche Taten in diesem Zeitraum konnten dem Beschuldigten nicht nachgewiesen und schließlich auch nicht aufgeklärt werden“, heißt es von der Staatsanwaltschaft auf Anfrage. Wer für die jüngsten Taten im Februar und vergangene Woche verantwortlich ist, ist nicht bekannt.
Woher kommt dieser mutmaßliche Hass auf die Partei? Sie beobachte eine sehr große Politikverdrossenheit in der Gesellschaft, sagt Grünen-Vorstandssprecherin Ingrid Elgert. „Warum sind wir so aggressiv geworden?“, fragt sie. Schon im Bundestagswahlkampf sei ein Bruch in der Zivilgesellschaft deutlich geworden. „Das war schon zum Teil aufgeheizt.“ Unterstützung bekomme der Speyerer Kreisverband aus der Landes- und Bundespolitik: „Wir sind sehr eng vernetzt.“
Jammern wollen die Grünen nicht: Es bringe nichts, den Kopf in den Sand zu stecken, sagt Elgert. Die Partei verurteile Gewalt und setze auf Dialog, betont die Vorstandssprecherin. „Wir sind bereit, mit den Leuten zu reden.“ Das sei doch gerade die Pfälzer Art: „Gemeinsam eine Schorle trinken und fragen, wo der Schuh drückt.“ Die Vereinfachung, wonach „die da oben“ alles falsch machten, führten nicht weiter. „Es geht darum, wie wir einen gemeinsamen Dialog hinbekommen.“ Sie finde es großartig, wie viele Menschen sich neben ihrem Beruf noch im sozialen, sportlichen und politischen Ehrenamt für die Gemeinschaft engagieren. „Das ist ein großer Beitrag zum Miteinander in der Gesellschaft.“ Die Parteien der Mitte müssten noch mehr auf die Menschen zugehen – das sei schließlich deren Job. Die Grünen hatten zuletzt über die Gründung einer Arbeitsgemeinschaft in Speyer-Nord berichtet.