Speyer
Schausteller: Abschied von öffentlichen Plätzen
Dass Speyerer Schausteller im Sommer im Domgarten ihre Stände öffnen durften, war eine Besonderheit im Corona-Jahr. Mit dem sogenannten Weihnachtsdorf unter besonderen Hygieneauflagen, das ihnen die Stadt ermöglichen wollte, wurde es nichts. Aber sechs Betriebe durften sich seit November mit ihren Angeboten im Stadtgebiet verteilen. Seit Dienstag ist auch das wieder vorbei – mit dem harten Lockdown wurde das Aus zumindest für die Stände im öffentlichen Raum angeordnet.
Freddy Zinnecker, der mit drei Ständen am Königsplatz das größte Angebot stellte, ließ gleich nach der Schließung um 19 Uhr den Kran für den Abbau anrücken. „Wir hätten gerne weitergemacht“, sagt er auf Anfrage. Er akzeptiere aber die Entscheidung. Ein Problem sei, dass er beim Einkauf teilweise schon auf die geplante Öffnung bis 6. Januar eingestellt gewesen sei. Die Produkte – vor allem Bratwürste und Schaumküsse – könne er nun nicht mehr verkaufen. Er stifte sie der „Tafel“.
Schlimmes Jahr
Wirtschaftlich sei das Jahr 2020 für ihn ohnehin schlimm verlaufen, so Zinnecker: „Meine letzten regulären Einnahmen datieren vom 6. Januar 2020.“ Über das Jahr sei er nur durch Auflösung einer vor zwölf Jahren abgeschlossenen Lebensversicherung und einen Kredit gekommen, berichtet der 35-Jährige. 2021 müsse deutlich besser werden: „Es ist fünf vor zwölf.“ Normalerweise sei er bei der Speyerer Frühjahrsmesse immer groß vertreten, aber deren Termin komme in der Pandemie wohl zu früh, so Zinnecker. „Ich bin Realist und hoffe eher auf einen richtigen Saisonstart im Sommer.“
Für die Wochen auf dem Königsplatz ist seine Bilanz positiv: „Das Angebot ist gut angenommen worden, die Kunden waren sehr dankbar.“ Die mit sechs Mitarbeitern erzielten Umsätze seien „kein Vergleich zum Weihnachtsmarkt“.
Ausweichen auf Privatflächen
„Der Straßenverkauf wäre zwar erlaubt, aber die Corona-Inzidenzen in Speyer sind so hoch, dass wir uns entschlossen haben, die Regelungen restriktiver auszulegen“, erklärt Lisa Eschenbach, Sprecherin der Stadtverwaltung, das Aus. Auf Privatflächen könnten die Stände aber nicht verboten werden, sodass von Stadt-Seite nur die Standorte Königsplatz, Festplatz und Flaggenmast betroffen sind. Beim Flaggenmast war der Crêpes-Stand von Alexander Lemke, dem Vorsitzenden des Schaustellerverbands. Er habe Verständnis für die Entscheidung, betont er. „Es ist sensationell, was die Stadt dieses Jahr für uns getan hat.“ Er wolle aber weiterverkaufen, solange es geht, weil er nach der ausgefallenen Saison auf Einnahmen angewiesen sei. Er hofft auf ein Ja der Stadt, mit Hygienekonzept ein Stück weiter auf den Privatparkplatz des „Alten Hammers“ ziehen zu dürfen.
RHEINPFALZ-Kommentar von Patrick Seiler
Kompromiss gefunden
Der Mittwoch bot ein Lockdown-Bild in Speyer, das sich von dem im Frühjahr etwas unterscheidet.
Abholstellen allenthalben, auch bei Geschäften, die keine Lebensmittel verkaufen, einiges los in der Stadt: Diese Sondersituation ist zum großen Teil der Beschaffung von Weihnachtsgeschenken geschuldet. Auch die Schausteller bleiben im Stadtbild präsent. Es handelt sich jeweils um Kompromisse, weil die Firmen längst jeden Cent benötigen. Die andere Seite ist der Infektionsschutz, der hoffentlich nicht zu sehr leidet.
