Speyer
Schach: Als Flörchinger das Genie besiegte
Dem aus Slatoust im Ural stammenden Sowjetrussen unterlief dabei die Sensation, dass ihn ein Amateur besiegte. Das gelang dem heute 70-jährigen Peter Flörchinger aus Mechtersheim, ehemals Grundschullehrer in Dudenhofen, als dem Genie ein „Fehler unterlaufen ist. Das habe ich umgehend genutzt“.
Karpow war von 1975 bis 1985 Weltmeister. Der damalige Schachclub Speyer organisierte das Gastspiel des fünfmaligen Champions als Beitrag zur 2000-Jahr-Feier der Stadt. Sie, die Sparkasse, der Verein sowie Privatleute kamen für das 10.000-Mark-Honorar auf.
Überraschende Zusage
Der 39-jährige Karpow befand sich auf dem Weg zu dem in Lyon angesetzten Revancheduell mit dem amtierenden Weltchampion Garri Kasparow. Den Geniestreich ermöglichte der Speyerer Schach-Experte Georg Tochtermann.
Er fragte beim Russen, Doktor der Wirtschaftswissenschaft, Volksdeputierter der UdSSR und Held der Sowjetunion, bei einem Turnier in Schweiz an, „und erstaunlicherweise hat er ja gesagt“. Den Auftritt Karpows unterstützte auch die Deutsch-Sowjetische Gesellschaft.
Die RHEINPFALZ damals über das Schach-Ereignis: „Womöglich taten dem Meister die Füße weh oder er hatte Durst oder er wollte nach fünf Stunden Simultanspiel endlich ins Bett: Wie dem auch sei – der Vergleich mit zwei Damen und 28 Herren, hauptsächlich aus Speyer, endete 24:5:1.“
Die Remis-Könige
Der Berichterstatter schloss seine Ausführungen so: „Auch den Schreiber dieser Zeilen hat das Genie gestreift. Beim Rausgehen. Am Ärmel.“
Außer dem siegenden Flörchinger jeweils mit Unentschieden ebenfalls Achtungserfolge feierten Andrea Felber (Dannstadt/Schifferstadt), die Speyerer Dominik Gerner, Hellmuth Scheidt und Wilhelm Flügel sowie Dan Fulea (Frankenthal).
Nur live
Flörchinger sitzt seit 1970 an den Schachbrettern. Er sagt: „Ich halte drei Rekorde und war ein Jahrzehnt bei Mannschaftskämpfen ungeschlagen. In Rheinland-Pfalz habe ich außer in der Oberliga in allen sieben Klassen gespielt und an allen acht Brettern gekämpft. Das bedeutet, dass ich mich von der niedrigsten auf die höchste Position gespielt habe.“
Der Gewinn des Seniorenpreises bei einem Turnier 2019 in Buchen/Odenwald bedeutete den bislang letzten Schachtriumph des Mechtersheimers. Im Internet Figuren zu bewegen, wie es der Deutsche Schachbund anbietet, lehnt er ab.