Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel Schüler aus Speyer ist „Deutschlands bester Hacker“

So sieht ein Sieger aus: Leon im September neben Veranstalter Marco di Filippo.
So sieht ein Sieger aus: Leon im September neben Veranstalter Marco di Filippo.

Der Hacker-Angriff auf die Verwaltung des Rhein-Pfalz-Kreises hat vor Augen geführt, welche Gefahren Sicherheitslücken im IT-Bereich mit sich bringen. Mögliche Experten, die solche Lücken aufspüren könnten, bringen sich schon früh dafür nötige Fähigkeiten selbst bei. Einer davon kommt aus Speyer und hat nun als 16-Jähriger einen bundesweiten Wettbewerb gewonnen.

Eine männliche Person mit Hoodie, die Kapuze tief ins Gesicht gezogen, das Bild in Rot und Schwarz getaucht: So präsentiert sich das offizielle Logo der Veranstaltung „Deutschlands bester Hacker“. Ein bisschen Klischee schwingt mit bei der Veranstaltung, die Anfang September von einem 16-jährigen Schüler aus Speyer gewonnen wurde. Es ist der erste Hacker-Wettbewerb dieser Art, den Leon Theuer gewinnen kann. Der Sieg katapultiert ihn raus aus der Anonymität des vorderpfälzischen Schüler-Daseins auf dem Friedrich-Magnus-Schwerd-Gymnasium und hin zu einen Platz in der RTL-Sendung Stern TV, die das Ereignis in München mit einem Kamera-Team begleitet hatte.

Für Leon war das eine völlig neue Erfahrung. Der Ablauf der Live-Sendung habe kurzfristig geändert werden und er ohne Vorgespräch vor das Publikum treten müssen. Angekündigt wurde er von Moderator Steffen Hallaschka als Deutschlands bester Hacker und als der 16-Jährige, dem es gelungen ist, sich im Rahmen des Wettbewerbs erfolgreich in das System eines fiktiven Atomkraftwerks gehackt zu haben.

Vier Stunden Zeit für den Hack ins AKW

Dabei verwende Leon selbst das Wort „Hacker“ ungern, weil es negativ behaftet sei. Die Bezeichnung „IT-Sicherheitsspezialist“ gefalle ihm da wesentlich besser. Er sieht sich, trotz seines Siegs bei dem so lautenden Wettbewerb, auch nicht als Besten seines Fachs in Deutschland. „Ich habe im Sommer an einer Qualifikationsphase teilgenommen“, berichtet er davon, wie es zur Teilnahme kam. Bewerber hatten drei Monate Zeit, online Aufgaben zu lösen, in denen es etwa darum ging, in fiktiven Szenarien an bestimmte Daten zu kommen. Viele davon sind Leon „sehr leicht“ gefallen, ein paar Schwierige seien aber auch dabei gewesen. Der 16-Jährige landet unter den 25 Besten, die zum Finale nach München dürfen.

Den Austragungsort, die Motorworld München, kennt er schon von einem früheren Wettbewerb des Veranstalters. Organisiert werden die Turniere von einer Bamberger Firma namens whitelisthackers GmbH sowie vom Nürnberger Unternehmen MR Datentechnik. Vier Stunden wird Leon Zeit bekommen, die Aufgabe zu erfüllen: Die Teilnehmer müssen in dieser Zeit Stück für Stück Zugriff bis zu einem Steuerungsrechner eines fiktiven AKWs erlangen.

Nur vier Teilnehmer lösen die Aufgabe

Leon wird im Laufe des Wettbewerbs einen digitalen Schlüssel finden, mit dem er sich einen ersten Zugriff auf das System verschaffen kann. Später schafft er es bis zur Mitarbeiterverwaltung. „Es gab Momente, da wollte ich schon aufhören“, beschreibt der Schüler die hohe Schwierigkeit bei dem Finale. Vorteil für ihn: Jeder Teilnehmer durfte seinen eigenen Laptop und deshalb auch seine teils selbst programmierten Anwendungen für die Lösung verwenden. Die Programme sind sein Werkzeug, um in das System zu gelangen. Erst kurz vor Ablauf der Zeit wird Leon die Aufgabe lösen können und ist damit einer von nur vier Teilnehmern, denen das gelingt.

Das Geschick vor dem Rechner allein hat ihm aber nicht zum Sieg verholfen, denn er sei zeitgleich mit zwei Konkurrenten fertig gewesen. „Wir mussten dann vor einer Jury unser Vorgehen erklären und Empfehlungen geben, wie das System besser gesichert werden kann“, erzählt Theuer. Bei der Entscheidung und der anschließenden Siegerehrung sei er aufgeregt gewesen. „Ich war sehr überrascht über die Entscheidung“, erzählt der Speyerer Schüler und ergänzt auf Nachfrage: „Meine Familie war begeistert, die sind sehr stolz.“

Las Vegas, Mekka der Hacker

Im Informatik-Unterricht seiner Schule spiele IT-Sicherheit eine untergeordnete Rolle, da gehe es hauptsächlich um das Erstellen von eigenen Programmen. Das Wissen hat sich Leon in seiner Freizeit aufgebaut: „Ich habe sehr früh alles Mögliche mit Computern gemacht“, erklärt er die Wurzeln seines Interessengebiets. Ihm habe es gefallen, auszuprobieren, wie etwas im Digitalen sicherer gemacht werden kann. „Mir hat das Spaß gemacht, ich habe online geübt und mich durch die Teilnahme an Wettbewerben verbessert“, beschreibt Leon seinen Weg. Die Übungen findet er online, erstellt von Gleichgesinnten, die sich über das Lösen von Aufgaben digital messen und so verbessern.

Freuen kann sich Leon über seinen Sieg zurecht: Sein Gewinn ist eine Reise nach Las Vegas zu den dort stattfindenden internationalen Hacker-Konferenzen „Black Hat“ und „DefCon“ – sobald er volljährig ist. Ein durchaus sinnvoller Preis für den ersten Platz, nicht wenige Hobby-Hacker sind an einem Arbeitsplatz in der IT-Branche interessiert. „Das ist ein sehr interessantes Berufsfeld, denn die Technik schreitet jeden Tag voran“, bestätigt Leon sein berufliches Interesse. Es gebe daher niemanden, der wirklich über alles Bescheid wissen könne.

Negativbeispiel Rhein-Pfalz-Kreis

Dass dieses Themenfeld für Arbeitgeber immer wichtiger wird, dürfte nicht zuletzt durch den Cyber-Angriff auf die Verwaltung des Rhein-Pfalz-Kreises Ende Oktober deutlich geworden sein. Noch immer hat sich die Verwaltung davon nicht vollständig erholt. „IT und vor allem IT-Sicherheit werden von vielen noch deutlich unterschätzt“, kommentiert Leon den Vorfall. „Die Systeme sind meist unzureichend geschützt und es gibt häufig keinen oder keinen ausreichenden Plan, wie man mit einem Angriff umgeht. Deshalb ist auch in diesem Bereich eine Nachwuchsförderung sehr wichtig“, sagt der 16-Jährige. Bevor es für ihn ins Berufsleben geht, steht aber erst mal das Abitur an. Danach plant Leon ein Informatik-Studium.

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