Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel Salierbrücke: Rätsel um rote Flecken

Fingerzeig: Projektleiter Ralph Eckerle weist auf einen der letzten Sanierungsschritte auf der Salierbrücke hin, die Montage der
Fingerzeig: Projektleiter Ralph Eckerle weist auf einen der letzten Sanierungsschritte auf der Salierbrücke hin, die Montage der Schutzplanken zwischen der B-39-Fahrbahn und dem Fuß-/Radweg.

Auf zahlreiche Klippen drohte die Sanierung der Salierbrücke aufzulaufen. Einige Kollisionen hat es gegeben, die zu Verzögerungen führten. Doch Projektleiter Ralph Eckerle ist sich in diesen Tagen sicher, dass weder Corona, noch das Hochwasser des Rheins den geplanten Sanierungsabschluss Ende des Jahres gefährden.

Ursprünglich sollte die mit einer Sperrung für den motorisierten Individualverkehr verbundene Generalüberholung der 1956 eingeweihten Rheinquerung im März dieses Jahres fertig sein. Doch Schadstofffunde an den Brückenkappen und mehrere Abweichungen der Konstruktion von den Bauplänen machten bereits im Frühjahr 2019 Umplanungen nötig. Es drohte sogar die Verlängerung der Bauzeit, die im Januar 2019 begann, bis ins Frühjahr 2022. Im vergangenen Sommer folgte die Teilentwarnung: Wegen größerer Fortschritte als gedacht soll das Projekt bis Ende 2021 abgeschlossen sein.

Bei einem Ortstermin Ende Juli versichert Ralph Eckerle, Leiter des Sanierungsvorhabens beim Regierungspräsidium Karlsruhe: „Wir werden bis Jahresende fertig.“ Der Kostenrahmen von 28,7 Millionen Euro solle ebenfalls eingehalten werden, fügt er hinzu. Wobei aufgrund der Umplanungen und der Bauzeitverlängerung die Investitionssumme von elf über zwischenzeitlich 16,7 auf besagte 28,7 Millionen Euro gestiegen ist.

Corona-Fälle bei Arbeitern

Der Bauingenieur bei der Karlsruher Behörde lobt den Generalunternehmer BWS Rhein-Neckar aus Heidelberg für dessen Hygieneschutzmaßnahmen im Hinblick auf das Coronavirus. „Es gibt zum Beispiel zeitlich versetzte Arbeitspausen“, teilt Eckerle mit. Thorsten Lutz, der neben Volker Staudacker die Bauaufsicht fürs Regierungspräsidium inne hat, informiert darüber, dass es sehr wenige und nur vereinzelte Corona-Fälle unter den Arbeitern gegeben habe. Der Sanierungsablauf sei davon in keiner Weise beeinflusst worden.

Die beiden Hochwasserereignisse des Rheins Ende Januar und Anfang Februar sowie Mitte Juli machten nach Auskunft von Eckerle einige Änderungen bei den Arbeiten nötig. Unter der Vorlandbrücke auf badischer Seite gelagerte Baumaterialien mussten weggeräumt werden, weil der dortige Auwaldbereich vom Rhein überflutet wurde. „Außerdem erfolgt der Rückbau der Hängegerüste nicht, wie geplant, per Hubsteiger vom Boden aus. Dafür nutzen wir einen Kranwagen mit Gondel, der auf der Brücke steht“, sagt der Projektleiter. Unterm Strich habe es durch diese Änderungen jedoch keinen wesentlichen Zeitverluste gegeben, betont er.

Flugrost auf Strombrücke

Die Arbeiten an der Brückenunterseite seien inzwischen auch auf der Nordhälfte weitgehend abgeschlossen. Dort müsse etwa in einigen Wochen noch ein 30 Zentimeter im Durchmesser großes Rohr befestigt werden, das das Niederschlagswasser von der Brückenoberseite aufnimmt und in ein Versickerungsbecken leitet. Auf der Südseite ist dieses Rohr bereits montiert. Das Becken soll im Herbst dort gebaut werden, wo derzeit noch der provisorische Pendlerparkplatz liegt.

„Bisher lief das Niederschlagswasser von der Brücke einfach in den Rhein. Doch das ist nicht mehr erlaubt. Wenn es etwa einen Unfall mit einem Tanklaster gibt und Tausende Liter Benzin auslaufen, werden die Schadstoffe künftig in dem Versickerungsbecken gefasst“, informiert Eckerle über die aktuellen Umweltschutzvorschriften.

Auf Südseite festgesetzt

Auf der Brückenoberseite hätten die häufigen und kräftigen Niederschläge im Juni und Juli immer wieder die Verschiebung von Arbeiten wie die Entfernung des Flugrosts auf der Strombrücke und den Auftrag von Rostschutzgrundierung sowie des Endanstrichs nötig gemacht, räumt Eckerle ein. Doch die geringen Verzögerungen würden ebenso wie die Arbeitsunterbrechungen, die Frostperioden im Dezember, Januar und Februar mit sich brachten, durch den bei der Bauzeitplanung vorgesehenen Puffer abgefedert, betont er.

Kritische Beobachter können übrigens auf der sanierten Südseite über dem Fluss rostbraune Flecken auf der Brückenkappe, auf der der Fuß-/Radweg verläuft, entdecken. „Nein, hier rostet kein Stahl. Vielmehr hat sich hier wahrscheinlich der Flugrost, den wir auf der Nordseite abgeschliffen haben, festgesetzt“, teilt Thorsten Lutz mit.

Einwurf von Christian Berger: „Sanierung plus“

Fast drei Jahre Bauzeit für die Sanierung der Salierbrücke mögen sehr lang erscheinen. Zumal anfangs 26 Monate reichen sollten und die Rheinquerung auch noch für Motorfahrzeuge gesperrt ist. Doch ist das Projekt auch mehr als eine Wiederherstellung des früheren Zustands. Die Brücke wurde außerdem erheblich verstärkt. Sie wird Verkehrsteilnehmern dank höherer Schutzplanken mehr Sicherheit bieten. Ein Entwässerungssystem ins Hinterland wird den Rhein vor Verunreinigungen bewahren.tbg

Sauber: Rohr zur Entwässerung der Brücke ins Hinterland. Bisher lief alles in den Rhein.
Sauber: Rohr zur Entwässerung der Brücke ins Hinterland. Bisher lief alles in den Rhein.
Rätselhaft: Die rostbraunen Flecken sind wohl an anderer Stelle abgeschliffener Flugrost.
Rätselhaft: Die rostbraunen Flecken sind wohl an anderer Stelle abgeschliffener Flugrost.
x