Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel Saison 2026 fällt aus: Droht das dauerhafte Aus für die Rheinhäuser Fähre?

Die Neptun ist keine Autofähre: Schiff bleibt 2026 am Anker.
Die Neptun ist keine Autofähre: Schiff bleibt 2026 am Anker.

Die Rheinhäuser Fähre zwischen Speyer und der badischen Rheinseite ist vor mehr als 700 Jahren entstanden. Jetzt ist ihre Zukunft gefährdet. Die Saison 2026 fällt ganz aus.

30 Jahre nach Wiederbelebung der traditionsreichen Fährverbindung durch die Stadtwerke-Tochter Verkehrsbetriebe Speyer (VBS) und die Gemeinde Oberhausen-Rheinhausen muss die Fährsaison 2026 ausfallen. Das teilte VBS-Geschäftsführer Mathias Reinhart mit. Fährmann Sebastian Sztander, der die Strecke mit seinem Schiff „Neptun“ seit 2023 bediente, habe im November 2025 seine vorzeitige Kündigung eingereicht. Die VBS hätten die Nachfolge im Dezember ausgeschrieben. Parallel seien potenzielle Interessierte direkt angesprochen worden – bislang ohne Erfolg.

Kurz vor dem geplanten Betriebsbeginn am 27. März sei kein Szenario mehr denkbar, in dem die Saison 2026 noch gerettet werden könnte. „Wir halten weiterhin nach einer Lösung Ausschau“, so Reinhart mit Bezug auf die Zeit danach. Die Fähre sei „ein fester Bestandteil des regionalen Freizeitangebots“. Die VBS hätten den Ankauf des Fährschiffs geprüft, aufgrund des technischen Zustands und absehbarer Folgekosten jedoch verworfen. Aktuell stünden weder Fähre noch Personal bereit.

Passagiere werden weniger

Die Rheinhäuser Fähre verkehrte zuletzt in der siebenmonatigen Saison jeweils freitags bis sonntags und zog vor allem Fußgänger und Radfahrer als Freizeitpassagiere an. Im Jahr 2025 wurden laut SWS rund 9500 Fahrgäste gezählt, 2024 waren es etwa 11.500, in den Jahren 2022 und 2023 jeweils rund 15.000. Die jährliche Vergütung lag bei rund 60.000 Euro und wurde anteilig von den VBS sowie der badischen Gemeinde Oberhausen-Rheinhausen getragen.

Der als Nachfolger des langjährigen Kapitäns Ernst Hessenauer seit 2023 für das Schiff zuständige und eigentlich noch mit einem Vertrag bis Ende 2026 ausgestattete Fährführer Sztander will sich auf Anfrage nicht näher zu den Gründen für seinen Abschied äußern, deutet nur „schlechte Erfahrungen“ und ökonomische Gründe an. Das Kapitel Rheinhäuser Fähre sei für ihn abgeschlossen, er habe schon eine neue Arbeit. Sein Schiff werde er ab nächster Woche auf dem offenen Markt anbieten, nachdem er bis zuletzt abgewartet habe, ob er es noch für die Fährstrecke verkaufen kann.

Für den Ankauf hat lange der Fährverein Rheinhausen-Speyer geworben, wie dessen Vorsitzender Dieter Gutting auf Anfrage berichtet. Er habe viele Klinken geputzt, sagt der Steuerberater aus Oberhausen-Rheinhausen. Zeitweise habe es so ausgesehen, dass der Schiffskauf zustande käme und zwei Kapitäne – darunter Ex-Fährmann Hessenauer – zu Fahrten auf Honorarbasis bereit wären. Dann seien diese jedoch abgesprungen und der Zustand der „Neptun“ offenbar geworden.

Es gibt Investitionsbedarf

Es habe ohnehin vom Wasser- und Schiffahrtsamt eingeforderten Nachbesserungsbedarf gegeben, dessen Kosten wohl bei gut 10.000 Euro gelegen hätten, sagt Gutting. Experten zufolge wären mittelfristig deutlich teurere Erneuerungen des Motors und am Boden des Schiffs dazugekommen. Dazu hätte auf beiden Seiten des Rheins in automatische Festmacheinrichtungen investiert werden müssen, was auch angesichts des deutlichen Rückgangs der Passagierzahlen in den Vorjahren kaum zu finanzieren gewesen wäre. Gutting erinnert sich auch eine Saison mit mehr als 20.000 Passagieren. Insgesamt seien die behördlichen Vorgaben gestiegen.

Der Plan sei dann „wie ein Kartenhaus zusammengefallen“, so der seit vielen Jahren an der Spitze des Fährvereins stehende Gutting. Er hoffe auf das „kleine Wunder“, dass sich doch noch ein Fährführer findet. Ansonsten fehlten auch ihm derzeit die Ideen, wie die im Jahr 1296 erstmals erwähnte Fährverbindung gerettet werden könnte.

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