Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel Fährmann und Fährhund stehen jetzt am Ruder der „Neptun“

Der Neue: Sebastian Sztander steuert die „Neptun“ künftig über den Rhein.
Der Neue: Sebastian Sztander steuert die »Neptun« künftig über den Rhein.

Der Fährbetrieb in Speyer startet in die neue Saison. Bis in den November pendelt die „Neptun“ zwischen der Domstadt und Rheinhausen. An Bord sind ein neuer Kapitän und dessen treuer Begleiter.

Montagmorgen, 8 Uhr, Stille an der Anlegestelle der Rheinhäuser Fähre. Nur ein paar Vögel jubilieren. Weil für die erwartete Anlieferung des neuen U-Bootes ein Loch in die Vegetation geschlagen ist, kann sich die „Neptun“ mit ihrer Schokoladenseite auf dem Wasser präsentieren. Ein Mann werkelt auf dem Schiff. Am Freitag, 31. März, startet die Saison 2023.

Beim Betreten des Metallstegs fällt auf, dass der frisch abgestrahlt und vom Schmutz des Winters befreit ist. Am Eingang zum Boot wartet ein kräftiger, aber freundlich blickender Berner Sennenhund. Von drinnen kommt ein sportlicher Mann mit langem Bart und Wollmütze nach vorne. „Guten Tag. Sebastian Sztander, der neue Fährmann“, sagt er. „Und das ist Nord, vier Jahre alt“, weist er auf seinen vierpfotigen Begleiter, der sich jetzt zufrieden zu seinen Füßen legt. Sofort ist klar: die beiden gibt es nur im Doppelpack. Ab sofort steuern Fährmann und -hund das 17 Meter lange und 3,40 breite Schiff über den Rhein.

Schon als Kind vom Wasser fasziniert

Den vor 47 Jahren im südlichen Polen geborenen Mann zog es nach eigenen Angaben schon als Kind aufs Wasser und darauf immer weiter nach Westen. Sein Vater brachte ihm das Segeln bei. Nach Schule und Ausbildung heuerte der Schiffsführer und Inhaber mehrerer Schiffsführerpatente auf größeren Pötten an. Segelschiffe und Motorschiffe gefallen ihm. „Auf dem Meer ist es langweilig. Bei der Binnenschifffahrt verlierst du nie den Kontakt zum Menschen am Ufer“, begründet er seine Liebe zu seinem Beruf. Der Vater von zwei Söhnen erklärt auch noch, warum ihm das Wasser begeistert: „In der kommunistischen Zeit in Polen warst du überall eingegrenzt. Nur auf dem Wasser war Freiheit.“

Zunächst konnte er sich ein Schiff mieten, dann kaufen. Zuletzt gehörte ihm das 105 Meter lange Motorschiff (MS) Quattro. Es ist das längste Frachtschiff, das auf dem Neckar manövrieren kann. 2022 verkaufte er es. Er war es leid, immer 350 Tage im Jahr unterwegs zu sein und ständig mit Personalmangel bei der Besatzung zu kämpfen. Sebastian Sztander will mehr daheim in Neckargemünd sein, wo seine Frau ein Geschäft betreibt. Dass sein Vorgänger auf der „Neptun“, Ernst Hessenauer, 2022 in Rente gehen wollte, kam ihm zupass. Beide kennen sich seit 14 Jahren. „Die Binnenschiffer-Community ist wie ein großes Dorf“, sagt der neue Fährmann.

Kontakte genutzt

Im vorigen Jahr fuhr er ein paar Mal auf der „Neptun“ mit. Im Dezember 2022 unterzeichnete er den Vertrag mit den Stadtwerken, in deren Auftrag er jetzt unterwegs ist als Kapitän des Schiffes mit dem 90 PS starken Ford-Dieselmotor. Im Wesentlichen will er das Geschäft so fortführen wie bisher. Gefahren wird von Freitag (11 bis 20 Uhr) bis Sonntag, an den Feiertagen (jeweils 10 bis 20 Uhr) in Rheinland-Pfalz und in Baden-Württemberg sowie an Brückentagen – im 30 Minuten-Takt. Parallel möchte er checken, wie groß das Interesse ist, was noch gehen könnte. 18.000 bis 20.000 Karten wurden bisher pro siebenmonatiger Saison verkauft. Getränke bietet er weiter an. Für den kommenden Winter plant er bereits eine Ertüchtigung des Schiffes. Neuer Motor soll, neue Services könnten ergänzend kommen. „Das muss alles gut koordiniert sein. Von der Stange kann man da nichts kaufen“, betont er. Behörden müssen gefragt sein, Genehmigungen vorliegen.

Wenn die Fähre nicht fährt, hilft Sztander als Lotse oder Schiffsführer auf anderen Kähnen aus. Unter anderem transportiert er mit der 86 Meter langen und zehn Meter breiten „Eiltank 16“ Grundwasser von der Deponie Flotzgrün zur BASF. „Der Unterschied zu früher: Ich mache das freiwillig, nur noch, wenn ich Zeit und Lust dazu habe“, betont er.

Kampf gegen den Rost

Um gut vorbereitet in die Saison starten, ist noch einiges zu tun. „Der größte Feind ist der Rost. Gegen den musst Du immer kämpfen“, sagt der Kapitän und zeigt auf seinen Kabinenbereich mit dem großen Lenkrad. Diese Metallfläche hat er gerade saniert und mit grauer rutschhemmender und abriebfester Spezialfarbe gestrichen. Bis er das erste Mal ablegt, sollen weitere Bereiche frische Farbe erhalten. Am Ufer räumt er noch weiter auf. Neben ein paar Biertischgarnituren und einem Bereich zum Anstellen von Fahrrädern für wartende Passagiere muss er noch Platz schaffen für sein Zuhause während der Dienst-Tage auf der Fähre. Büro und Schlafstatt für ihn und „Nord“ wird dann nämlich ein geräumiger Camper.

Wer ab Ende März an Bord der „Neptun“ geht, sieht neben den Veränderungen auch noch Vertrautes: Die alte Schiffsglocke bleibt. „Sie ist sowas wie der gute Geist eines Schiffes. Erst wenn es außer Dienst geht, geht sie mit“, erläutert Sztander. Dann kümmert er sich wieder um sein Schiff. „Nord“ weicht ihm nicht von der Seite.

Info

Fahrzeiten: freitags, 11 bis 20 Uhr, samstags, sonntags und an Feiertagen, 10 bis 20 Uhr (ab 1. Oktober jeweils bis 19 Uhr). Die Fährsaison läuft bis 5. November. Fahrpreis: Erwachsene: zwei Euro; Kinder zwischen sechs und 14 Jahren: ein Euro; Kinder bis sechs Jahre sind frei. Weitere Informationen im Internet oder bei Sebastian Sztander unter Telefon 0173 2547034.

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