VG Rheinauen RHEINPFALZ Plus Artikel Sabotage an Hochsitzen in den Rheinauen: Jäger melden gefährliche Manipulationen

Sucht bei der Jagd Ruhe: Herbert Lutz. Die meiste Zeit verbringt der Jäger auf dem Hochsitz mit Warten und Beobachten.
Sucht bei der Jagd Ruhe: Herbert Lutz. Die meiste Zeit verbringt der Jäger auf dem Hochsitz mit Warten und Beobachten.

Pfosten durchtrennt, Sprossen entfernt: Bei Altrip sind Hochsitze manipuliert worden. In Waldsee gibt es einen ähnlichen Fall. Jäger warnen vor Lebensgefahr.

Herbert Lutz traute vor ein paar Wochen seinen Augen nicht, als er mit seinem jungen Hund zwischen Altrip und dem Campinggebiet „Auf der Au“ an Hochsitzen vorbeikam. Der 72-jährige Mediziner aus Ludwigshafen ist Jäger und teilt sich das Revier mit drei weiteren Personen auf, darunter Jagdpächter und Hotelbesitzer Frank Darstein. Lutz entdeckte an drei Hochsitzen massive Beschädigungen: Pfosten und Streben waren durchsägt, Sprossen an einer Leiter fehlten, an einem Hochsitz war ein Keil in den Pfosten gesägt. Kurz gesagt: Die Standfestigkeit der acht Meter hohen Jagdeinrichtungen war nicht mehr gegeben. „Die Beschädigungen waren mutwillig“, sagt Lutz. Er informierte Jagdpächter Darstein und erstattete Anzeige bei der Polizei in Schifferstadt, die wegen Sachbeschädigung ermittelt.

Die beiden Jäger glauben an eine gezielte Aktion: Darstein schildert, dass der Landwirt, an dessen Felder die Hochsitze angrenzen, tags zuvor Samen ausgesät habe. Die Jäger sind regelmäßig auf ihren Hochsitzen, um Wildschäden in der Landwirtschaft zu vermeiden. „Ich wollte ansitzen, es war sehr windig und ich war müde. Ich dachte, dass ich lieber nach Hause gehe“, erinnert sich Darstein. Einen Tag später entdeckte sein Jagdpartner Lutz die Beschädigungen an den Hochsitzen. „Die Leute sind sich nicht im Klaren, dass so etwas tödlich ausgehen kann“, macht Darstein deutlich. Er und Lutz gehen noch weiter und erinnern daran, dass sich gerade jetzt im Frühling wieder und im Sommer mehr Menschen im angrenzenden Campinggebiet aufhalten, Kinder und Jugendliche durch die Wälder ziehen und vielleicht auch mal auf einen der Hochsitze klettern. Wenn dieser so manipuliert wurde, könnte das auch für sie tödlich enden, sagen die Jäger.

Mutwillig beschädigt: Aus einem Pfosten wurde ein Keil herausgesägt.
Mutwillig beschädigt: Aus einem Pfosten wurde ein Keil herausgesägt.

Polizei: Ähnlicher Fall in Waldsee

Die Polizei in Schifferstadt bestätigt auf Anfrage die Anzeigen und berichtet von einem ähnlichen Vorfall auf Waldseer Gemarkung im Februar. In allen Fällen sei wegen Sachbeschädigung ermittelt worden. Es seien allerdings keine Hinweise eingegangen. Die Ermittlungen seien abgeschlossen, sagt der Polizeisprecher.

Darstein und Lutz gehen davon aus, dass der oder die Täter die Jagd als solches sabotieren wollten. Sie sehen sich ins falsche Licht gerückt. Ein Drittel des getöteten Wilds werde beim Jagen, zwei Drittel werde auf der Straße erlegt, sagt Lutz und will damit verdeutlichen, dass mehr Wildtiere beim Zusammenstoß mit Fahrzeugen sterben als durch das Gewehr eines Jägers. Außerdem herrsche in der dicht besiedelten Metropolregion Rhein-Neckar hoher Freizeitdruck, das Wild finde nur noch wenige Rückzugsorte, Hundebesitzer mit freilaufenden Tieren, die Wild nachjagten, seien ebenso ein Problem. Die Jagd diene dagegen der Landwirtschaft, sagen die beiden Jäger.

Geflickt, aber man sieht die Spuren noch: Pfosten und Querverstrebungen wurden durchgesägt.
Geflickt, aber man sieht die Spuren noch: Pfosten und Querverstrebungen wurden durchgesägt.

Jagd soll Landwirten helfen

Der Altriper Landwirt Jörg-Dieter Landes, der die Felder an den Hochsitzen bewirtschaftet, bestätigt das. Wildschweine könnten innerhalb kurzer Zeit eine ganze Ernte zerstören. „Da reden wir von einem Schaden von mehreren Tausend Euro“, sagt der Landwirt, der seinen Beruf seit mehr als 20 Jahren ausübt und die Jäger als Partner ansieht. Großes Problem seien Wildschweine, deren Anzahl in den vergangenen Jahren stark angestiegen sei. Wenn die Tiere Schäden in der Landwirtschaft anrichten, muss der Jagdpächter eine finanzielle Entschädigung zahlen. Ziel sei daher, dass die Tiere weiterziehen. „Es geht beim Jagen nicht um das Schießen, sondern darum, dass das Wild keine Schäden anrichtet“, sagt Landes. Er verurteilt den Sabotageakt an den Hochsitzen. Das habe mit Naturschutz nichts zu tun, sondern gefährde Menschenleben.

Frank Darstein und Herbert Lutz haben die Hochsitze an einem Samstag gemeinsam repariert und wieder standsicher gemacht. Sie schätzen den Schaden auf rund 10.000 Euro.

Die Hochsitze stehen zwischen Waldrand und Feldern, nördlich des Schulgutweihers.
Die Hochsitze stehen zwischen Waldrand und Feldern, nördlich des Schulgutweihers.
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