Speyer
Rotes Kreuz: Aus der Impfstelle in den Chefsessel
„Wir brauchen neue Fördermitglieder“, sagt Simone Heilmann. Sie hat vor einem Jahr die Verantwortung für den DRK-Kreisverband übernommen und nun erstmals professionelle Werber durch die Speyerer Straßen geschickt. Das Personal der norddeutschen Rhodenburg GmbH sei in den kommenden zwei bis drei Wochen ganz offiziell im DRK-Auftrag unterwegs. Der Mitgliederstand – einst bei über 1000 – sei zuletzt auf rund 800 gesunken und solle nun wieder höher werden.
DRK-Angehörige können selbst entscheiden, mit welchen Summen sie die sozialen Projekte – der Rettungsdienst ist ausgegliedert und anders finanziert – unterstützen. Heilmann hat einen Kreisverband mit breitem Angebot übernommen und will dieses pflegen: Tafel, Kindertafel, Kleiderläden, Gesundheitskurse, Erste-Hilfe-Kurse, Blutspendeaktionen und Tischlein-deck-dich lebten zwar vom großen Einsatz der 150 Ehrenamtlichen („Das ist ein Wort für Speyer“), seien aber trotzdem auf Zuschüsse angewiesen. Der Hausnotruf mit 460 Kunden rechnet sich über die Nutzer und Pflegekassen. Auch hierzu plant Heilmann eine Werbekampagne.
Gerne sportlich unterwegs
Die gelernte Versicherungskauffrau ist 2021 zum DRK gekommen, als dieses mitten in der Corona-Pandemie für die städtische Impfstelle verantwortlich zeichnete. Sie habe zuvor in der Kanzlei ihres Mannes, eines Rechtsanwalts, gearbeitet, dann aber in einer Zeit mit allzu häufiger Quarantäne der heute 15 und 17 Jahre alten Kinder eine andere Arbeitsstelle gesucht. Dass sie beim DRK blieb, zunächst als Verwaltungsmitarbeiterin, und die Chance auf die Geschäftsführung unter Präsident Maurice Main ergriff, habe auch damit zu tun gehabt, dass damals ihre Tochter erkrankt war und sie die Kontinuität geschätzt habe. In ihrer Freizeit ist sie gerne sportlich als Kanu- oder Skifahrerin unterwegs.
„Wir sind immer noch an der Aufbauarbeit“, sagt Heilmann nach einem Jahr im Amt. Sie ist für vier Mitarbeiter in der Verwaltung und insgesamt zwölf Angestellte verantwortlich. Die Trennung von ihrer Vorgängerin hatte unter unschönen Begleiterscheinungen stattgefunden. Es sei einiges liegen geblieben, so die Büroleiterin. Erst wenn das abgearbeitet sei, würden neue Projekte angepackt. Ideen dafür gebe es genug. Vieles hänge auch davon ab, wann der Rettungsdienst in seinen Neubau in der Paul-Egell-Straße umzieht und wie die freigewordenen Räume des Kreisverbands in der Karl-Leiling-Allee dann genutzt werden können. Sanierungsbedarf ist laut Heilmann schon absehbar, unter anderem wegen eines feuchten Kellers.
Viel Arbeit bei der Tafel
Arbeit gibt es ohnehin genug. Wenn es in einem der Bereiche mit vielen Ehrenamtlichen knirscht, sind zum Beispiel die Hauptamtlichen gefragt. Insofern ist Heilmann froh, dass es aktuell bei der Tafel so gut läuft. Die habe richtig viel zu tun und knapp 2000 Personen in 1300 Haushalten zu versorgen, komme aber derzeit ohne Aufnahmestopp aus. Die Kindertafel in St. Hedwig verspüre im Hinblick auf regelmäßige Treffen zum Kochen zwar nicht die Resonanz wie erhofft, dafür seien ihre bezuschussten Ausflüge umso beliebter.
Ein „recht gut“ laufender Zweig seien die Blutspendeaktionen mit regelmäßigen Terminen auf der Maximilianstraße und in der Stadthalle, so Heilmann. Die DRK-Helfer übernehmen deren Organisation, sorgen für Verpflegung und ehren langjährige Spender. Dabei – aber nicht nur dabei – spüre sie immer wieder, wie dankbar gerade viele Ältere für den Einsatz des DRK seien. „Man bekommt viel zurück“, beschreibt Heilmann eine wichtige Motivation. Auch deshalb sei sie inzwischen überzeugt: „Ich will nicht zurück in die freie Wirtschaft.“