Interview
Risa Takeda und Tatsuya Yoshida kommen ins Zimmertheater
Am 31. Mai um 20 Uhr steht dem Zimmertheater ein besonderer Abend ins Haus. Mit Risa Takeda und Tatsuya Yoshida kommen zwei der profiliertesten japanischen Experimentalmusiker in das Zimmertheater. Verstärkt wird das progressive Duo nur an diesem Abend durch Free Jazz-Pionier Mani Neumeier von Guru Guru, der für diese spezielle Show zu Gast sein wird. Risa Takeda ist aus der Avant-Garde Szene Tokyos nicht mehr wegzudenken. Ihre charakteristische Musik verbindet nahtlos elektronische Texturen, chaotische Geräuschkollagen, starke Synkopierungen und filigrane Arrangements der zeitgenössischen Klassik. Sie ist außerdem weltweit berühmt geworden für ihre Übertragung von Frank Zappa-Material auf das Piano. Kurz vor Tourauftakt hat sie sich noch Zeit nehmen können, einige Fragen zu beantworten.
Deine Musik ist sehr komplex und schwer verständlich, vor allem für musikalische Laien. Wie würdest Du deine Herangehensweise an Musik charakterisieren? Stell Dir vor, Du würdest versuchen, es einem Kind zu erklären.
Ich versuche, den Bewusstseinsstrom, der immer in meinem Kopf ist, so pur und direkt als möglich in Musik zu übersetzen. Du denkst zum Beispiel an etwas Zufälliges, alte Erinnerungen oder Traumfragmente schießen dir durch den Kopf. Diese mentalen Ströme haben oft keinen Zusammenhang zwischen Anfang und Ende, deshalb werden meine Songs meistens sehr komplex. Wenn ich den Fluss in Kompositionen übersetze, genieße ich vor allem, die Grenze zwischen Klang und Musik zu erforschen. Auch zwischen Pop und experimenteller Musik. Ich liebe die Kunst, Gedanken in Klang zu übertragen und mache das unentwegt seit über 10 Jahren. Ich bin gar nicht besonders gut in Musiktheorie, deshalb lasse ich mich hauptsächlich von Gefühlen und Intuition leiten.
In Speyer spielst Du zusammen mit Yoshida. Mani Neumeier von Guru Guru wird als Gast dabei sein. Wie viel improvisierst Du? Und welchen Effekt möchtest Du erzielen?
Fast alles wird improvisiert sein. Mit Yoshida zu spielen ist nicht nur pure Improvisation, es ist eher ein Komponieren verschiedenster musikalischer Genre, besonders Hardcore progressive Rock in Echtzeit. Dabei verlassen wir uns auf unsere improvisatorische Sensibilität. Ich versuche bei den Auftritten immer eine gewisse Objektivität beizubehalten und das Publikum wird viele spannende Momente erleben und Teile, bei denen sie mitfühlen können.
Mani ist sehr angetan von deinem Spiel. Er spielt in Japan regelmäßig mit den Acid Mothers Guru Guru. Wie habt ihr euch kennengelernt?
Jedes Jahr im März organisiert Yoshida die „Mani Neumeier Sessions“, wenn Mani in Japan ist. Viele interessante japanische Musiker nehmen daran teil. 2019 hat mich Yoshida zu der Session eingeladen und dort habe ich Mani getroffen. Ich kann mich noch genau erinnern, die Session war ein echter Wendepunkt für mich.
Wie bist Du zum Piano gekommen? Über Jazz oder Klassik?
Meine Mutter hat mich klassisches Piano lernen lassen als ich drei Jahre alt war. Am Anfang hat mir das Pianospielen gar keinen Spaß gemacht, aber es wurde nach und nach interessanter, nachdem ich das Improvisieren entdeckt habe. Da war ich 23 Jahre alt. Außerdem habe ich von 19 bis 24 ausschließlich als Drummer gearbeitet.
Wie hat sich dein persönlicher Stil entwickelt? War elektronische Musik von Anfang an ein wichtiger Bestandteil?
Elektronische Musik wurde essenziell für mich mit ungefähr 23 Jahren, als ich das Improvisieren für mich entdeckt habe. Ich wollte den Klängen Ausdruck verleihen, die in meinem Kopf waren. Und zwar in Echtzeit auf musikalischem Wege. Das waren keine Töne von einem spezifischen Instrument wie Piano oder Schlagzeug, sondern Naturklänge. So etwas wie Wind oder Meer oder das Rascheln von Bäumen. Mir wurde klar, dass elektronische Instrumente unverzichtbar sind, um diese Klänge auszudrücken.
Deine Texte sind überwiegend japanisch. Kannst Du uns etwas über die Intentionen und Inhalte deiner Texte sagen?
Wenn ich Texte schreibe, konzentriere ich mich auf zwei Hauptaspekte und baue sie stückweise wie ein Puzzle zusammen, um den maximalen Effekt zu erzielen. Erstens: „Weil die Texte auch Teil des Klangmaterials sind, müssen sie sich gut in den Song einfügen“ und Zweitens: „Wähle die Worte, die zur Perspektive des Stückes passen“ Die Perspektive verändert sich von Stück zu Stück, aber um es einfach zu halten: Viele haben einen düsteren Hintergrund, drehen sich um Tod, Verzweiflung, Sorgen, Furcht und Ängste bei denen ein kleiner Lichtstrahl durch das Dunkel scheint.
Wie würdest Du ein Konzerterlebnis mit Dir beschreiben für Menschen, die Dich noch nie zuvor gehört haben?
Menschen, die uns noch nie vorher gesehen haben, könnten sich verwirrt fühlen von einer Musik, die keinen festgelegten Regeln folgt. Ich glaube, das unvorhersehbare Chaos ist tief verbunden mit den fundamentalen menschlichen Impulsen. Ich würde mich sehr freuen, wenn das Publikum ein klein wenig von der primitiven Energie und den rohen Impulsen spürt, die die Menschen in der modernen Gesellschaft verlieren. Außerdem ziehe ich Inspiration aus den Menschen, die beim Konzert anwesend sind. Auf die Art teilen wir die Musik, die einzigartig ist und nur für den Moment geboren wird.
Wieviele Shows in wievielen Ländern wirst Du auf dieser Tour spielen?
Auf dieser Tour spiele ich 20 Shows in elf Ländern mit Yoshida. Schweden, Dänemark, Tschechische Republik, Österreich, Schweiz, Italien, Belgien, Frankreich, Großbritannien und Spanien. Danach spiele ich noch einige Soloauftritte in Frankreich und Deutschland. Ich glaube, das wird eine sehr erfüllende Tour und vor allem bin ich sehr aufgeregt und glücklich darüber!
Info
www.zimmertheater-speyer.de