Speyer Rhythmus pur
Trommeln, Didgeridoo, Rasseln und Xylofone haben am Samstag mehr Besucher in die Speyerer Heiliggeistkirche gelockt als Sitzplätze vorhanden waren. Rainer Körber, Leiter der Speyerer Gruppe Afabato, und der Deutsch-Afrikanische Freundschaftsverein Onuado hatten ein Fest für alle Sinne arrangiert. Mit dabei: Kölns schillernde Perkussionsgruppe Mama Afrika.
Der Raum war in warmes Licht getaucht, die Bühne afrikanisch herausgeputzt. Von der Empore der ehemaligen Kirche blickten Pappengel auf Instrumentalisten, Köche und Besucher. Düfte der afrikanischen Küche umgaben Beteiligte und Publikum. Ganz vorne trommeln 14 Afabato-Mitglieder zum Start der fünften Perkussionsnacht. In der Mitte stand Körber, die unvermeidliche Trillerpfeife umgehängt. Leidenschaftlich gab er sich der Musik hin, mit der er in den vergangenen Jahren viele Speyerer angesteckt hat. Der Leiter kündigte eine Welturaufführung an, erklärte Bedeutung und Wirkung der Instrumente und spendete seiner Band nach jedem gelungenen afrikanischen oder südamerikanischen Rhythmus Beifall. Darin standen ihm die Zuhörer nicht nach. Bereits in den ersten Konzertminuten tanzten viele Percussions-Liebhaber zahlreicher Nationalitäten um die Sitzreihen herum. Rhythmus pur. Die Temperaturen in der Heiliggeistkirche wurden tropisch, als Körber den Samba-Raggae anstimmte, zu dem er nach eigenen Angaben von einem Michael-Jackson-Stück inspiriert wurde. Spielfreude war Afabato ins Gesicht geschrieben. Die Begeisterung vor der Bühne steigerte sich von Minute zu Minute. Auf den Höhepunkt stieg sie an, als Körber „Martin Luthers Dream“ ansagte, ein mittelalterlich anmutendes Stück, dessen Name bei einem Konzert in der benachbarten Gedächtniskirche erfunden worden sei. Stürmischen Beifall erntete Afabato für selbst hergestellte Dschungel-Geräusche, zu denen die Trommler ihre Felle in rasendem Tempo musikalisch bearbeiteten. Körbers Kreativität und Vorstellungskraft kannte keine Grenzen, ebenso wenig sein Gespür für eine gelungene Perkussionsnacht. Dafür hatte er die Kölner Gruppe Mama Afrika gewonnen. Die Musiker aus dem Senegal, Ghana, der Elfenbeinküste, Guinea, Burkina Faso und Togo spielten und sangen Lieder gegen den Krieg, über die Natur und für die Liebe. Fünf Männer, eine Tänzerin und drei Speyerer Kinder boten eine Show der Extraklasse, der sich niemand im Saal entziehen konnte und wollte. Mama Afrika hat westafrikanische Kultur präsentiert, die Europäer von den Stühlen riss. Mit einem gemeinsamen Auftritt mit Afabato ließen die Wahl-Rheinländer einen wirklich Völker verbindenden Abend mit einem furiosen Finale ausklingen.