Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel RHEINPFALZ-Sommerredaktion: Gestatten, wir sind die Neuen

Matthias Hoffmann aus Römerberg. Foto: Lenz
Matthias Hoffmann aus Römerberg.

Für die sechs Gäste aus dem Speyerer Umland beginnt ein neuer Lebensabschnitt. Sie alle wurden zum Bürgermeister einer Gemeinde gewählt und sind erstmals in diesem Amt. Bei der Sommerredaktion blicken sie auf künftige Projekte und erzählen, wie sie ihre neue Aufgabe mit der Familie und teilweise mit ihrem Hauptberuf unter einen Hut bringen.

„Ich will Kümmerer sein“

Der neue Römerberger Ortsbürgermeister Matthias Hoffmann (Grüne) kommt gerade von seiner Arbeitsstelle bei der BASF in Limburgerhof und opfert seine Mittagspause, um bei der Sommerredaktion der RHEINPFALZ vorbeizuschauen. Den Rest des Tags will der 56-Jährige von zu Hause aus arbeiten. Auch nach Feierabend sei er in seiner Funktion als Bürgermeister schon „ausgebucht“. Trotzdem sagt er nach rund acht Wochen im Amt: „Ich habe die Aufgabe nicht unterschätzt. Es macht richtig Spaß. Und das ist nicht nur eine Floskel.“ Er sei mit dem Anspruch angetreten „Kümmerer“ zu sein und dem wolle er gerecht werden. Bis zu zehn Mal am Tag werde er von Bürgern angesprochen. „Ich nehme mir Zeit, vereinbare Termine. Das kommt gut an.“ Das Hauptthema wenig überraschend: der Verkehr. Hier gebe es schon erste Fortschritte, beispielsweise durch verstärkte Kontrollen des Parkraums und das Aufstellen von Messgeräten – zuletzt in der Schillerstraße. Im Bürgermeisterbüro in Römerberg, das in den vergangenen Jahren aufgrund der Doppelfunktion von Hoffmanns Vorgänger Manfred Scharfenberger als Orts- und Verbandsgemeindebürgermeister nur selten besetzt war, ist der Mechtersheimer häufig anzutreffen. Steht sein Fahrrad – eigentlich ein S-Pedelec – vor der Tür, sei er grundsätzlich auch ansprechbar für die Bürger. Das Angebot hätten auch schon mehr als 20 Römerberger wahrgenommen, zum Teil auch nur um den neuen Ortschef mal kennenzulernen. Aber auch digital ist Hoffmann unterwegs: Vor allem in der Facebook-Gruppe „Gemeinde Römerberg“, die mehr als 1600 Mitglieder hat, schaltet er sich regelmäßig in Diskussionen über Römerberg ein – und wenn es nur um die Entsorgung von Hasenmist geht. Nach diesem arbeitsreichen Start ins Leben als Ortsbürgermeister – und dem vorangegangenen Wahlkampf – ist auch Matthias Hoffmann nun erst mal urlaubsreif und gönnt sich den ersten richtigen Urlaub in diesem Jahr: „eine Woche Fahrradfahren im Allgäu“.

„Ich kann gut organisieren“

Für die neue Waldseer Ortsbürgermeisterin Claudia Klein (CDU) war der Kulturschock nach der Wahl nicht ganz so groß wie im Fall von Matthias Hoffmann. Schließlich hat die 37-Jährige bereits Erfahrung als Beigeordnete und als solche auch schon Otto Reiland als Ortsbürgermeister vertreten. Auch die Verwaltungsmitarbeiter kennt sie bereits gut. „Es fühlt sich fast so an, als würde es gerade weitergehen“, erzählt sie bei ihrem Besuch in der Sommerredaktion. Umgewöhnen müssen sich hingegen die Bürger: Reiland war, weil er auch hauptamtlicher Bürgermeister der Verbandsgemeinde gewesen ist, täglich im Rathaus anzutreffen. Claudia Klein plant, als ehrenamtliche Ortsbürgermeisterin, drei Tage in der Woche vor Ort zu sein. Schließlich muss und will sie sich auch noch um ihre vier Kinder im Alter zwischen zwei und neun Jahren kümmern. Das jüngste ist gerade in den Kindergarten gekommen. Daran dass sie die Doppelrolle als vierfache Mutter und Ortschefin meistern könne, hatte Klein keine Zweifel. „Ich kann gut organisieren“, sagt sie. Mit vier Kindern lerne man das ganz automatisch. Wenn der ein oder andere Waldseer daran zweifelte, dann hat er es ihr zumindest nicht persönlich gesagt. Sie habe bislang nur positive Reaktionen bekommen. „Und das Wahlergebnis zeigt, dass es mir zugetraut wird“, betont Klein. Aktuelle Projekte, mit denen sie nun zu tun hat, sind unter anderem die Erweiterung der Kita Tausendfüßler und der Bau von zwei Mehrfamilienhäusern in der Neuhofener Straße. Wie ihr Römerberger Kollege will die 37-Jährige ansprechbar für die Bürger sein – bevorzugt nach telefonischer Terminvereinbarung. „Facebook-affin“ sei sie nicht, gesteht Klein. Für sie kein Nachteil: „Es geht nichts über den direkten Kontakt.“ Und: „Ich bin viel im Dorf unterwegs, schon alleine wegen der Kinder.“ Ihren Sommerurlaub hat Klein im Gegensatz zu Hoffmann schon hinter sich: im italienischen Caorle, wo sie selbst schon als Kind mit ihren Eltern in Urlaub war.

„Geht nicht von heute auf morgen“

Bodo Lutzke

(FWG) ist seit sechs Tagen Ortsbürgermeister von Schwegenheim. Vor seiner Amtseinführung war er zwölf Tage in Großbritannien. Zu Hause in Schwegenheim erwarten den 56-Jährigen nun viele Aufgaben. Als große Projekte stehen der Fahrradweg nach Harthausen und – für den neuen Ortschef noch wichtiger – ein Radweg vom Tüv-Gelände zu den Einkaufsmärkten an. Um die Verkehrssituation zu verbessern, will Lutzke ein Team zusammenstellen, das ein neues Verkehrskonzept erarbeitet. Diesem sollen unter anderem Vertreter der Verwaltung, jeder Fraktion (auch Nicht-Ratsmitglieder), die Ortsbeigeordneten sowie ein Fahrlehrer angehören. Dieser hat laut Lutzke bereits auf eklatante Mängel hingewiesen, die er täglich sehe. Als Beispiel nennt der Ortschef, dass die Gehwege in der Haupt- und Bahnhofstraße zugeparkt werden. Lutzke denkt an Fahrbahnschwellen, Straßenverengungen und eingezeichnete Parkplätze. Die Fahrt durch Schwegenheim müsse für den Durchgangsverkehr unattraktiv gemacht werden, sagt er. Die Bundesstraße 272 diene den Fahrzeugen als Ortsumgehung.

Lutzke macht deutlich, dass das alles nicht von heute auf morgen passieren werde. „Ein Schild zu bestellen, geht nicht schnell. Das muss bei der Verwaltung durch verschiedene Instanzen“, sagt der 56-Jährige. Schneller will er dagegen einen Mängelmelder einführen. Dabei solle jeder Bürger Schäden oder sonstiges per E-Mail und den Nachrichtendienst Whatsapp an das Rathaus und den Bauhof melden können. Große Sorge bereitet ihm das Kita-Gesetz, das ab Mitte 2021 einen Rechtsanspruch auf einen siebenstündigen durchgehenden Betreuungsplatz und ein Mittagessen beinhaltet. Die Landesregierung schlage den Kommunen bei der Essensversorgung vor, einen Caterer zu nehmen. „Auf diese Idee kommen andere Kommunen aber auch. Und so viele Caterer mit guter Qualität gibt es nicht“, sagt Lutzke. Genauso besorgt sieht er den Zustand des historischen Rathauses, des ehemaligen Lehrerwohnhauses und des alten Schulhauses. Dort bestehe ein erheblicher Sanierungsbedarf, weil die Bausubstanz durch Feuchtigkeit Schäden genommen habe.

Lutzke ist froh, dass er hauptberuflich als Feuerwehrmann der Stadt Mannheim im Schichtdienst arbeitet. Das komme seinem neuen Amt sehr entgegen. Als Ausgleich will er sich künftig weiter Zeit für die Kampfkunst Jiu Jitsu nehmen.

„Toll, wie sie sich kümmern“

Silke Schmitt-Makdice

(SPD) ist seit rund zwei Monaten Hanhofens Ortsbürgermeisterin und seit einem Monat Mutter einer Tochter. Mit der neuen Situation hat sie sich zurechtgefunden und will nun langsam in den Alltag übergehen. Bei ihrer Einarbeitung als Ortschefin werde sie von der Verwaltung unterstützt. Die Verwaltung habe mit drei neuen Ortsbürgermeistern in der Verbandsgemeinde schon einiges zu tun. Es sei toll, wie sich die Mitarbeiter um die Neuen kümmern und die Sachverhalte erklären, lobt die 40-Jährige.

Als großes Projekt steht die energetische Sanierung der Grundschule an. Dazu trifft sich die Ortsbürgermeisterin in der ersten September-Woche mit den zuständigen Mitarbeitern der Verwaltung und dem Architekten, um den Zeitplan zu besprechen. Des Weiteren will Schmitt-Makdice ein Gesamtkonzept für den Friedhof erarbeiten lassen, auch weil die Pflege der Flächen aufwendiger geworden sei. Da kein Glyphosat mehr verwendet werde, müsse die Pflege leichter werde, damit nicht ein Bauhof-Mitarbeiter allein für den Friedhof abgestellt werden muss, sagt die 40-Jährige. Außerdem soll der Friedhof umgestaltet werden, um neue Bestattungsformen anbieten zu können.

Zum Thema Verkehr sagt die neue Ortsbürgermeisterin, dass die Ortsgemeinde eine Geschwindigkeitstafel von der Verbandsgemeinde bekomme und eine selbst anschaffen werde. Ein Durchfahrtsverbot für Lastwagen sei zurzeit kein Thema. Das werde noch einmal aufgegriffen, wenn belegt sei, dass wirklich mehr Lkw durch die Hauptstraße fahren als früher, sagt Schmitt-Makdice. Das Problem, dass das Gewerbegebiet für Wohnbebauung genutzt wird, will die Ortschefin mit der Bauabteilung der Verbandsgemeinde- und der Kreisverwaltung eindämmen. In ihren Hauptberuf als Finanzabteilungsleiterin der Stadtverwaltung Speyer möchte die 40-Jährige im Spätjahr mit anfangs 15 Wochenstunden zurückkehren. Zeit, um mit dem Kinderwagen im Ort unterwegs zu sein und mit Bürgern ins Gespräch zu kommen, wird sie dann immer noch haben.

„Ohne Badeschlappen unterwegs“

Jürgen Hook

(SPD) hat sich beruflich ganz seinem neuen Amt als Ortsbürgermeister von Dudenhofen verpflichtet. Sein Vertrag als Hausverwalter bei der Stadthalle in Speyer sei befristet gewesen. Er habe ihn auslaufen lassen und sich keinen neuen Hauptjob gesucht. Stattdessen will er für ein Jahr nur Ortsbürgermeister des Spargeldorfs sein. Der Posten ist ein Ehrenamt, für das eine Aufwandsentschädigung gezahlt wird. Er habe den hohen Anspruch an sich selbst, jeden Tag vor Ort zu sein, sagt Hook. Das erwarteten auch die Bürger. Und diese Erwartung und sein Anspruch seien mit einem Hauptberuf nicht vereinbar, findet er. Die Unterstützung, die er erfährt, wenn er sich in sein neues Amt einarbeite, sei ein tolles Gefühl, freut sich der 59-Jährige. Als größte Projekte nennt er die Erweiterung der Grundschule und des Horts sowie die Verbesserung der Verkehrssituation. Er appelliere beim Thema Tempo 30 immer an die Bürger, sich selbst an die Geschwindigkeitsbegrenzung zu halten, sagt Hook. Zur Unterstützung der Vereine will er neue Wege mit dem Ortskartell einschlagen. Ihm schwebt ein Ortskartell-Vorsitzender in Teilzeit vor. Dessen Gehalt könnte von den Vereinen finanziert werden. Dieser Ansprechpartner, auch für die Vereinsförderung, würde dem Ort gut tun, findet Hook. Der 59-Jährige will weiter „nah bei de Leut“ sein. Einen Ratschlag habe ihm seine Tochter aber mit auf den Weg gegeben: „Papa, jetzt darfst du nicht mehr mit den Badelatschen im Ort rumlaufen.“ Das wird Hook beherzigen

„Aufgeregt vor heute Abend“

Patrick Fassott

(SPD) ist der einzige hauptamtliche Bürgermeister bei der RHEINPFALZ-Sommerredaktion. Der 48-Jährige wird heute Abend zum Bürgermeister der Verbandsgemeinde Rheinauen ernannt. Auf dem Chefsessel im Waldseer Rathaus sitzt er dann offiziell ab 1. September. Auf seine private und berufliche Situation bezogen, sagt Fassott: „Es wird nichts mehr so sein wie früher.“ Deshalb gibt er zu, dass er vor der heutigen konstituierenden Sitzung des Rats im Bürgerhaus „Neuer Hof“ in Neuhofen aufgeregt sei. Dort beginnt für ihn ein neuer Abschnitt, als Schüler endete dort damals ein anderer: Fassott feierte in dem Bürgerhaus seinen Abiball.

Nachdem der enorme Druck des Wahlkampfs von ihm abgefallen war, habe er durchschnaufen können und sei mit seiner Familie in den Italien-Urlaub gefahren. Wenn der dann ehemalige Werkleiter der Verbandsgemeinde in seinem neuen Amt ist, hat für ihn der Klimaschutz einen hohen Stellenwert. Er will mit den Ortsgemeinden erarbeiten, wo Kohlenstoffdioxid eingespart werden kann. Beim Thema Bürgerservice schwebt dem Bürgermeister vor, die Rathäuser in Altrip und Neuhofen auch mittwochs zu öffnen. Die solide Finanzpolitik seines Vorgängers – nach den Grundsätzen der Wirtschaftlichkeit und Sparsamkeit – will der ehemalige Kämmerer der Gemeinde Altrip fortführen. Als seine Aufgabe als Chef der Verwaltung sieht Fassott auch an, dass er den Ortsgemeinden erfahrenes Verwaltungspersonal zur Seite stelle. Dahingehend sei die Verwaltung gut aufgestellt, betont der 48-Jährige.

Sein persönlicher Anspruch ist außerdem, weiterhin in Kontakt mit den Bürgern zu bleiben. Er wolle Einladungen genauso akribisch nachgehen wie sein Vorgänger und den Ehrenamtlichen seine Wertschätzung entgegenbringen. Seine beiden Ehrenämter als Präsident des Gewichtheberverbands Rheinland-Pfalz und Vizepräsident des Bundesverbands, in die er noch bis nächstes Frühjahr beziehungsweise nächsten Herbst gewählt ist, will Fassott weiter ausüben – solange es das Hauptamt nicht beeinträchtigt.

Lingenfelds neuer Ortsbürgermeister Markus Kropfreiter (SPD) konnte aus beruflichen Gründen nicht zur RHEINPFALZ-Sommerredaktion kommen.

Claudia Klein aus Waldsee. Foto: Lenz
Claudia Klein aus Waldsee.
Bodo Lutzke aus Schwegenheim. Foto: Lenz
Bodo Lutzke aus Schwegenheim.
Silke Schmitt-Makdice aus Hanhofen. Foto: Lenz
Silke Schmitt-Makdice aus Hanhofen.
Jürgen Hook aus Dudenhofen. Foto: Lenz
Jürgen Hook aus Dudenhofen.
Patrick Fassott aus der Verbandsgemeinde Rheinauen. Foto: Lenz
Patrick Fassott aus der Verbandsgemeinde Rheinauen.
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