Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel Rheinhessen dürfen den Industriehof planen

Industriehof am Dienstag: Kanalarbeiten am Eingang. Die Zufahrt ist derzeit in der Hasenpfühlerweide.
Industriehof am Dienstag: Kanalarbeiten am Eingang. Die Zufahrt ist derzeit in der Hasenpfühlerweide.

Im städtebaulichen Wettbewerb für die Neugestaltung des Industriehofs gibt es ein Ergebnis. Es soll erst Ende März vorgestellt werden, aber das Preisgericht hat den Sieger einstimmig gekürt, und die Eigentümer zeigen sich zufrieden. Kommt ein Thema, das in der Stadtpolitik und -bevölkerung polarisiert, doch noch zu einem guten Ende?

Es ist ein Jubiläumsjahr für das Gelände an der Franz-Kirrmeier-Straße, das mit angrenzenden Bereichen rund acht Hektar groß ist. Vor genau 125 Jahren wurde von Franz Kirrmeier die bis 1968 betriebene Celluloidfabrik gegründet, aus der der Industriehof hervorgegangen ist. Seit 2018 ist er in Besitz der Industriehof Speyer GmbH. Das damalige Grundstücksgeschäft hatte etliche Stadtpolitiker alarmiert, die Veränderungen fürchteten, die den Charme des heute von viel Kleingewerbe belebten Bereiches gefährden könnten.

Vier Jahre später besteht Denkmalschutz für das Gelände, ist ein Bebauungsplan für ein „urbanes Gebiet“ beschlossen und mit der Stadt der städtebauliche Wettbewerb vereinbart worden. Es geht darum, wie der Industriehof schonend weiterentwickelt und belebt werden soll. Auch benachbarte Grundstücke von Thomas Pfirrmann („Gewerbehof“) und der Firma Dupré sind einbezogen worden. Acht Büro-Kombinationen von Architekten-, Stadt- und Landschaftsplanern waren zu einer Teilnahme eingeladen. In einer ersten Runde im Dezember hatte die Jury aus den Ideen vier zur weiteren Bearbeitung ausgewählt, jetzt fiel nichtöffentlich die Entscheidung.

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Zehn zu null

„Es war einstimmig, zehn zu null“, berichtet auf Anfrage Industriehof-Geschäftsführer Martin Koch. Neben zehn Stimmberechtigten gehörten beratende Mitglieder, darunter Vertreter von Politik sowie Denkmalschutz, dem Preisgericht an. Gewonnen hat der Entwurf des Büros Hille Tesch (Ingelheim) in Kooperation mit Bierbaum Aichele Landschaftsarchitekten aus Mainz. Sein Charakteristikum ist nach RHEINPFALZ-Informationen, dass er in den Bestandsgebäuden relativ viel Gewerbe zulässt und im rückwärtigen Freibereich zur Hasenpfühlerweide hin Wohnbebauung in Blockbaustruktur. Das im Vorfeld befürchtete „Luxuswohnen“, das ältere Mieter vertriebe, würde damit nicht drohen, so der Tenor im Preisgericht.

Die beiden Siegerbüros erhielten nun den Auftrag, aus dem Vorentwurf einen sogenannten städtebaulichen Rahmenplan zu entwickeln, erklärt Koch. Alle Beiträge hätten einen „erfreulich hohen Durcharbeitungsgrad sehr individueller konzeptioneller Lösungen“ aufgewiesen, ordnet sein Unternehmen ein. Sie hätten zwei- bis dreiseitige Bewertungen erhalten. Auch der Sieger müsse noch nacharbeiten. „Das ist aber nichts Ungewöhnliches“, so Koch. Er sei „sehr nah dran“ an dem, was sich die Jury vorstelle. Der Geschäftsführer rechnet mit drei Monaten für den nächsten Schritt.

Zehn-Jahres-Plan als Ziel

Ob der erweiterte Industriehof dann in Zukunft genau so aussieht wie im Plan, will er nicht prognostizieren. Die Stadtverwaltung und die Politik seien dann am Zug, aus dem Rahmen- einen Bebauungsplan zu entwickeln. Wenn dieser stehe, sei er aus seiner Sicht ein Zehn-Jahres-Plan für das Areal, so Koch. „Der Industriehof ist ein Organismus“, betont er. In fünf bis zehn Jahren müsse deshalb natürlich wieder abgeglichen werden, ob die Planung noch mit der Entwicklung der Fläche und ihrer Bedürfnisse übereinstimme.

Im Detail soll die Planung erstmals in der öffentlichen, digitalen Sitzung des städtischen Ausschusses für Stadtentwicklung, Bauen und Konversion am Dienstag, 22. März, ab 17 Uhr, vorgestellt werden. Im Anschluss seien die Ergebnisse des Wettbewerbs in einer Ausstellung im Industriehof zu sehen. Bei deren Eröffnung (Freitag, 25. März, 14 Uhr) würden auch die Sieger prämiert. Zwei dritte Preise und eine Anerkennung gehen an Planungsgemeinschaften aus Nürnberg/Frankfurt, Heidelberg/Kaiserslautern und Berlin.

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