Speyer Rettende Wespe plumpst aus der Drohne

RÖMERBERG/DUDENHOFEN. Jetzt fliegt er wieder, der Maiszünsler. Der Schrecken aller Maisbauern. Die Larven des Zünslers sind gefräßige kleine Biester, die Blüte und die oberen Blätter fressen und sich schließlich in die Maispflanze bohren. Sie sorgen dafür, dass der Mais geschädigt und der Bauer unglücklich wird. Doch der Maiszünsler hat einen tierischen Gegner: 0,4 Millimeter groß – und von nicht zu unterschätzender Bedeutung: die Schlupfwespe, die sich in zehn, 14 Tagen vom Ei zum Insekt entwickelt. Jedes Schlupfwespen-Weibchen kann bis zu 120 Maiszünsler-Eier befallen. Und damit dem Maiszünsler den Garaus machen. Die Schlupfwespe wird seit vielen Jahren genutzt, um den Maiszünsler auf biologische Weise zu bekämpfen. Neu ist, dass die Kugeln mit den Schlupfwespen-Eiern jetzt statt mit dem Schlepper mit einer Drohne auf dem Feld verteilt werden. Für Landwirte wie Thomas Beck aus Dudenhofen, der 75 Hektar Mais anbaut, ist das eine feine Sache. Er bekämpft den Zünsler im sechsten Jahr mit den Schlupfwespen: „Wenn ich das Spritzen vermeiden kann, finde ich das nicht schlecht“, sagt der 32-Jährige und berichtet, dass es über ein EU-Programm finanziert wird und er im Gegenzug Auflagen erfüllen muss („nichts chemisch machen“). In den ersten vier Jahren kam ein Stelzentraktor-Fahrer aus der Freiburger Gegend, um die Kugeln auf die Felder zu fahren. Beck musste dabei sein, um dem Fahrer die Felder zu zeigen: „Da war man immer zwei Tage unterwegs.“ Vergangenes Jahr schwebte dann zum ersten Mal der Multikopter über seinen Feldern: „Es ist eine super Sache mit der Drohne“, lobt Beck. Bevor der Multikopter übers Feld fliegen kann, muss Beck die GPS-Koordinaten seiner Äcker per E-Mail an die ZG Raiffeisen schicken, die den Einsatz des Multikopters koordiniert – und junge Männer wie Till Berthold schickt, die den Auftrag ausführen. Die Firma Aerpixx, in der der 22-jährige Student der Luft- und Raumfahrttechnik an der Uni Stuttgart arbeitet, ist vor allem in Baden-Württemberg am Start. Heute steht Berthold, Sonnenbrille, cooler Hut, auf einem von Becks Feldern bei Mechtersheim. Man muss sich nicht für Technik begeistern, um von dem Spektakel auf dem Acker fasziniert zu sein: Der Multikopter, der in 25 Meter Höhe mit 25 Stundenkilometern über dem Maisfeld schwebt, weiß genau, welches Feld das von Beck ist. Alle sieben Meter fällt eine Kugel aus dem Behälter, der am Kopter angebracht ist, auf das Beck’sche Feld. Die Maisfelder rechts und links davon werden „ignoriert“ – der Kopter fliegt nur die Daten ab, die er bekommen hat. Es dauert nur wenige Minuten, bis ein 1,4 Hektar großes Feld vollständig „bekugelt“ ist – und Pilot Berthold den Kopter einpackt und mit dem Auto zum nächsten Feld fährt. Nicht ohne vorher die Uhrzeit aufzuschreiben. „Falls jemand bei den Behörden anruft, weil er ein Ufo gesehen hat“, wie Berthold sagt, der in seinem Studentenjob selbst manchmal wie ein Kuriosum betrachtet wird: „Ich werde oft angeschaut, als würde ich einen Marsroboter landen.“