Fussball
Rekorde rund um Platzverweise
Doch weil beim Fußball die Anzahl der Zuschauer die von anderen Ballspielen meistens übertrifft und deswegen mehr und öfter Schiedsrichter beleidigt werden, nehmen wir uns im Folgenden dieses Spiels an.
Zunächst zu vermerken ist, dass die Anzahl der in den 21 Landesverbänden des Deutschen Fußball-Bundes tätigen Männer und Frauen, die sich zwischen die Fronten trauen, 2006 geradezu gewaltige 81.372 erreicht hatte. Dann ging es bergab: 45.363 Schiedsrichter gab es in der Saison 2020/21. Aktuell sind es 50.241, ein bemerkenswerter Anstieg also.
Weltrekord in Argentinien
Der auch für unterklassige Mannschaften von Vereinen aus Speyer und Umgebung zuständige Schiedsrichter-Obmann Braun sagte nichts über die Häufigkeit und den Zeitablauf, bei welcher Gelegenheit und wann seine Kollegen und Kolleginnen Gelb, Gelb-Rot und Rot zeigen. Wir schildern im Folgenden einige Paradebeispiele aus dem internationalen und deutschen Fußball-Geschehen in den höheren Spielklassen.
Einen „Weltrekord“ stellte ein Schiedsrichter in Argentinien auf. Kaum hatte er eine Partie angepfiffen, brach er sie ab und wies alle 22 Spieler vom Feld. Sie alle waren im farblich gleichen Dress aufgelaufen und hatten trotz der Aufforderung des Unparteiischen das Umkleiden verweigert.
Ellenbogen in Gesichtern
Den Rekord für die am frühesten gezückte Rote Karte hält Walter Boyd vom walisischen Klub Swansea City. Er flog 2007 unmittelbar nach dem Spielbeginn vom Platz, weil er einem Gegenspieler den Ellenbogen ins Gesicht stieß. Gleiches vollbrachte in der derselben Saison auch Keith Gillespie von Sheffield United.
Zwei Sekunden hielt es ein Schiedsrichter mit dem walisischen Amateurkicker Lee Todd aus. Der hatte im Jahr 2000 auf den Anpfiff des Unparteiischen mit den Worten „Fuck me, that was loud“ reagiert und wurde daraufhin wegen eines „gesprochenen Fouls“ vom Platz gestellt. Häufig wird auch David Pratt vom englischen Chippenham Town FC als schnellster Rot-Sünder genannt, weil er in einem Amateurspiel wegen eines üblen Beinfouls bereits nach drei Sekunden des Feldes verwiesen wurde.
16 Sekunden im Pokal
Gerade zwölf Sekunden nach Spielanpfiff verwies der brasilianische Schiedsrichter Paulo Cesar Oliveira den Stürmer Ze Carlos von Cruzeiro Belo Horizonte des Platzes. Er hatte einen Zweikampf mit einem Abwehrspieler damit abgeschlossen, dass er ihm einen Ellbogen ins Gesicht rammte.
16 Sekunden lang trieb Ronaldo Marconato sein (Un-)Wesen in der Pokalpartie seines brasilianischen Klubs Atletico Paranavai gegen Aguia Negra. Dann musste der Verteidiger runter vom Acker, wie es im Fußballerjargon heißt, auch wenn es sich um einen gut gepflegten Rasen handelt. Ein namentlich unbekannt gebliebener Unparteiischer schickte Marconato wegen eines „schlimmen Fouls“ vom Platz.
Notbremse gegen den 1. FC Kaiserslautern
87 Sekunden blieb der Kölner Youssef Mohamad in der Bundesliga-Partie am 21. August 2010 gegen den 1. FC Kaiserslautern seiner Mannschaft als Mitspieler erhalten. Dann zeigte ihm Schiedsrichter Felix Brych wegen einer Notbremse die Rote Karte.
Die schnellste Rote Karte in einem WM-Spiel erhielt José Batista im WM-Spiel 1986 der Nationalmannschaft von Uruguay gegen Schottland. In der 56. Sekunde verbannte der französische Schiedsrichter Joel Quiniou den Südamerikaner nach dessen Foul an dem Schotten Strachan. Uruguay verteidigte mit zehn Spielern über 90 Minuten ein 0:0 und zog damit ins Achtelfinale ein. Schiedsrichter Quiniou wurde auch literarisch bekannt. Sein Neffe Christophe Donner schrieb in dem Roman „Mon oncle“ über ihn.
Permanente Tätlichkeiten
Die meisten Roten Karten in einem Spiel verteilte im März 2011 der Schiedsrichter Damien Rubino in der fünften argentinischen Liga im Spiel von Claypole Buenos Aires gegen Victoriano Arenas Avellanda. Er gab an sämtliche Spieler, an alle Ersatzspieler und an beide Trainer insgesamt 36 Rote Karten. Warum er das tat, ist nicht überliefert.
Übermäßig viele Platzverweise gab es auch am 17. August 1986 beim Spitzenspiel in der mexikanischen Primera Division zwischen Club América Mexico City und Deportivo Guadalajara. Der Schiedsrichter verteilte wegen „permanenter Tätlichkeiten“ 22 Rote Karten.
Anderer Zusammenhang
Zu alledem passt irgendwie, was der französische Roman-Schriftsteller Gabriel Chevallier in einem völlig anderen Zusammenhang (Skandal um eine Bedürfnisanstalt) hinterlassen hat. Nämlich: „Auf dem Lande, wo es an Zerstreuung fehlt, muss man den geringsten anderen Möglichkeiten Rechnung tragen“.