Speyer Referenzwerke mit eigenem Stempel

Alle Register des Blues haben der britische Gitarrist Norman Beaker und seine Band am Donnerstagabend in Dudenhofen gezogen. Vom Mississippi Delta bis zu Country angehauchtem Bluesrock gab’s für jeden der zirka 80 Besucher im Bürgerhaus ein Schmankerl.
In Dudenhofen kennt Norman Beaker sich aus, denn er und seine Kollegen hatten dort in der Vergangenheit schon Bluesmusiker wie Chris Farlowe begleitet. Dass sie diesmal als reines Bluestrio ohne „Stargast“ auftraten, tat der Qualität keinen Abbruch. Kollektive Begeisterung rief etwa „White Room“ von Cream aus dem Jahr 1968 hervor. Den Welthit aus der Feder von Ginger Baker und Eric Clapton erkennt ein echter Blueser nach den ersten zwei Tönen. Allerdings drückte die Norman Beaker Band dem Stück ihren eigenen Stempel auf. Überhaupt zogen die Briten einige dezente Verbindungslinien zu Referenzwerken des Genres, ohne sie plakativ abzukupfern. Da spielte der Bass mal halb angedeutet das Riff von „Smoke On The Water“, mal ließ die Gitarre einige Takte aus „Black Night“ durchklingen, beides von Deep Purple. Die Mehrheit der beiden jeweils etwa einstündigen Programmteile bestand jedoch aus eigenem Material. Auch vom neuen Album „We See Us Later“ gab es einiges zu hören. Der Titel deutet es an: Das Trio ist sehr viel in Deutschland unterwegs, und weil ein echter Brite einem guten Scherz kaum widerstehen kann, hat sich Norman Beaker bei der Suche nach einem guten Albumtitel auf diese sprachliche Kuriosität deutscher Herkunft gestürzt, die kein englischer Muttersprachler jemals so formulieren würde. Die Sprache des Blues hingegen ist universell, sodass am Ende jeder im Bürgerhaus den Groove in der Hüfte hatte. Beaker ist ein Künstlername, bürgerlich heißt der Brite Norman Hume. Seine Herkunft aus Manchester führte zu großer Heiterkeit nach dem Konzert: Ins Dudenhofener Bürgerhaus hatte sich tatsächlich ein Tourist aus London verirrt, und beide englische Städte liegen nicht nur fußballerisch im Wettstreit miteinander. Da wurde dann nach Herzenslust geflachst. Kaum ernster war es zuvor auf der Bühne zugegangen. So hatte Beaker das Publikum nach Soloeinlagen seines Bassisten dazu aufgefordert, nicht so heftig zu applaudieren, weil der Basskollege sonst künftig mehr Geld verlangen würde. Auch Songtitel wie „When The Fat Lady Sings“ hatten typisch britischen Humor anklingen lassen.