Speyer
Recht junge Stiftung bei altehrwürdiger Genossenschaftsbank
Angesichts der über 160-jährigen Tradition der Vereinigten VR Bank Kur- und Rheinpfalz in Speyer ist deren Stiftung noch recht jung. Sie besteht seit 2016 und trägt noch die „Volksbank“ aus der Zeit vor der jüngsten Fusion im Namen. „Sie passt perfekt zum Genossenschaftsgedanken, aus dem heraus die Bank für die Allgemeinheit eintritt“, sagt Stephan Nagel. Der Leiter des Private Banking für Firmenkunden bildet zusammen mit seinem Privatkunden-Kollegen Thomas Spies den Stiftungsvorstand. Er hat seinerzeit bereits den Aufbau der eigenständigen Stiftung des bürgerlichen Rechts begleitet, mit der das Kreditinstitut Gutes tun will.
Ein Teil der Stiftungsarbeit besteht darin, gemeinnützige, mildtätige und kirchliche Organisationen im Geschäftsgebiet zu unterstützen. 23 Zweckbestimmungen sind in der Satzung aufgeführt. Es seien Bereiche, in denen es immer Bedarf gebe, so Nagel. Er nennt Profiteure der vergangenen Jahre vom Frauenhaus über das Kinderhospiz, die Mahlzeit, die Lebenshilfe, den Kindernotarztwagen oder Fördervereine von Schulen. Der Stiftungsvorstand unterbreite Vorschläge, das Kuratorium mit den Bankvorständen und dem Aufsichtsratschef entscheide über die jährliche Vergabe.
3 Millionen angelegt
Es gebe auch Bewerbungen um Geld, aber aussichtsreich seien nur solche aus dem pfälzischen und badischen Geschäftsgebiet. Aus den Stiftungsmitteln im eigenen Bestand von gut 3 Millionen Euro würden jährlich zwischen 40.000 und 50.000 Euro ausgeschüttet. Zwar habe es seit der Pandemie keine Übergabe-Feiern mehr gegeben, aber das Geld sei natürlich trotzdem geflossen, betont Nagel.
In Zukunft seien die Einladungen der Empfänger auch wieder möglich, nennt der Verantwortliche eine Möglichkeit neben der Teilnahme am Stiftungstag, um die Stiftung bekannter zu machen. Das sei auch im Hinblick auf den zweiten Teil ihrer Arbeit wichtig, bei dem es noch Luft nach oben gebe: Die VR Bank ist nämlich auch an der Gründung von privaten Stiftungen unter ihrem Dach interessiert. „Für eine Stiftung sind keine Millionenbeträge nötig, allein die Idee und Ihr Wille zählen“, wirbt das Kreditinstitut.
Für die Ewigkeit
Das Konzept sei auf Ewigkeit angelegt. So würden – anders als bei Spenden – zum Beispiel Nachlässe erhalten, aus ihren Erträgen gute Zwecke unterstützt und die Erinnerung an die Namensgeber bewahrt. Rund zehn Personen oder Familien hätten sich für diese Möglichkeit schon entschieden. Nagel und Spies haben den Stiftungsvorstand nach eigenen Angaben ehrenamtlich übernommen, sehen aber das professionelle Management unter dem Dach der Bank als wesentlichen Vorzug. Angeboten wird auch Stiftungsberatung für Kunden und Nicht-Kunden.
Der VR Bank sei es wichtig, sich in der Region zu engagieren, betont Nagel. Sie spende auch selbst, schütte Gewinnspar-Mittel aus – und habe mit der Stiftung vor knapp einem Jahrzehnt eine passende Ergänzung gefunden. Apropos passend: Stiftungen leben davon, dass ihr Geld gut angelegt ist und damit möglichst viel aus den Erträgen ausgeschüttet werden kann. Und wer kennt sich besser mit Anlagen aus als eine Bank? Dem widerspricht Nagel nicht, und doch runzelt er die Stirn: Es sei auch für sein Team keine Selbstverständlichkeit, „in einer Niedrigzinsphase die erwünschten ausschüttungsfähigen Erträge zu generieren“.
Die Serie
Die RHEINPFALZ stellt die Stiftungen, die sich am 1. Speyerer Stiftungstag am 1. Oktober, 16 bis 20 Uhr, in der Stadthalle beteiligen, in dieser Serie vor. Wie engagieren sie sich für die Gesellschaft? Dabei handelt es nicht um alle Speyerer Stiftungen, sondern einen beispielhaften Ausschnitt aus einer vielschichtigen Landschaft.