Speyer
Radweg und Bäume kommen sich zu nah
Die Absperrungen an den Radwegen seien mitunter nötig, weil die Wurzeln die Wege allzu wellig machten und eine Reparatur nicht immer ganz schnell möglich sei, so die Stadt im Januar. In der Fritz-Ober-Straße, ungefähr gegenüber der Integrierten Gesamtschule, ist die Verwaltung jetzt tätig geworden – aber anders als von Anwohner Jörg Maier-Erbacher erwartet: „Ich dachte natürlich, dass die Sperrung solange gilt, bis die Stadt den Radweg repariert hat“, sagt er.
Dann sei vor einigen Tagen endlich ein Bautrupp gekommen, und der Anwohner hoffte auf neuen Asphalt für die gern genutzte Strecke. „Aber weit gefehlt. Die Teerdecke wurde entfernt und die Radwegtrasse mit Muttererde aufgefüllt und eingeebnet“, berichtet Maier-Erbacher. Das Ergebnis: „Der Radweg ist verschwunden.“
Rückbau angeordnet
Die Stadtverwaltung bestätigt die Vermutung des Anwohners, dass dort in Zukunft keine Zweiräder mehr fahren werden: Der Radweg zwischen den Einmündungen Christian-Eberle-Straße und Ziegelofenweg sei rückgebaut worden, weil die Wurzelschäden zu groß gewesen seien, so Sprecherin Lisa Eschenbach auf Anfrage. „Eine Sanierung wäre unwirtschaftlich gewesen, dafür hätten die Bäume gefällt werden müssen, die zu nahe am Radweg stehen.“ Die „Umleitung“ führe auf die Straße: In diesem Bereich gelte Tempo 30 und somit ohnehin keine Benutzungspflicht des Radweges. Dieser könne also entfallen, erklärt die Pressesprecherin.
Anwohner Maier-Erbacher verwundert diese Einstellung im Rathaus: „Ich kann es wirklich nicht glauben, dass so etwas in einer Stadt passiert, die sich ,Fahrradfreundliche Stadt’ auf die Fahnen schreibt und den Radwegausbau forcieren möchte.“
RHEINPFALZ-Kommentar von Patrick Seiler
Gute Frage: Ist nur ein komfortabler Radweg ein guter Radweg?
Über Radwege kann trefflich diskutiert werden. Die einen sagen, möglichst viele davon helfen den Radlern. Andere sind eher skeptisch und empfehlen, im „normalen“ Straßenverkehr mitzurollen. Was den Ausbau des Radwegenetzes hemmt, ist die Vorgabe, dass ein solcher Weg mindestens 1,50 Meter breit sein muss. Darauf ist früher nicht immer geachtet worden, und dafür gibt es natürliche Grenzen, etwa Bäume, die zu nah „heranrücken“. So ist es laut Stadt auch in der Fritz-Ober-Straße. Das wirft die Frage auf, ob nur ein komfortabler Radweg ein guter Radweg ist. Wäre es etwa für die Kinder der benachbarten Gesamtschule nicht besser, auf einem wegen der Bäume eingeengten, etwa nur einen Meter breiten Radweg weiterfahren zu dürfen, als auf die Straße wechseln zu müssen?