Speyer
Radsport: Berthold Gschwind drei Jahrzehnte Vorsitzender in Lingenfeld
Drei Jahrzehnte steuerte Berthold Gschwind den RV Viktoria Lingenfeld zielsicher durch die sportliche Vereinswelt. Jetzt hat sich der Lingenfelder zurückgezogen vom Amt. Ambitionen, sich weiterzuengagieren und zu radeln, gibt es allerdings. Im Gespräch mit Susanne Kühner erzählt der Mann, der zum Ehrenvorsitzenden ernannt wurde, warum.
Erinnern Sie sich noch an den Tag, als Sie das Amt des Vorsitzenden beim RV Viktoria angetreten haben?
Als ich im Frühjahr 1989 das Amt des Vorsitzenden übernahm, blickte ich auf 13 Jahre aktive Radtouristik zurück, hatte als Straßenfachwart im Gremium mitgearbeitet und konnte recht früh Erfahrungen in verschiedenen Bereichen, insbesondere bei Veranstaltungen wie Radrennen, RTF und Kunstradfahren, sammeln. Die Zusammenarbeit in dem damals recht jungen Gremium mit unserem langjährigen Vorsitzenden Albert Fröhlig, liebevoll de Kummess genannt, und dem späteren Vorsitzenden Günther Metz hatte Spaß gemacht und war ergebnisorientiert. Und plötzlich war der Fingerzeig auf meine Person gerichtet. Das Schicksal nahm seinen Lauf.
Welche Ziele wollten Sie in Ihrer Amtszeit umsetzen?
Meine Ziele waren zunächst die Fortführung und der Ausbau des Lingenfelder Radrennens, die Förderung des Breitensports sowie die Aufrechterhaltung der guten Atmosphäre im Verein.
Was waren für Sie die bedeutendsten Ereignisse in der Amtszeit?
Das bedeutendste Ereignis für uns alle war die Vorbereitung und Durchführung des 100. Jubiläums 2005, der Bau unseres Gerätehauses 1999 als die bisher größte Gemeinschaftsleistung unserer Mitglieder und all die Top-Sportergebnisse unserer Jugend auf der Straße, der Bahn und in der Halle, im Besonderen das Erringen der deutschen Schülermeisterschaft in der Einer-Kunst durch Corina Werner im Jubiläumsjahr. Auch die jahrzehntelang ausgeübten Vereins-Etappenfahrten in den Norden oder Süden der Republik prägten den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Besonders erwähnenswert ist die Wiederbelebung des Kunst- und Einradsports 1993, wofür die Initialzündung durch Roland Fuchs und Siggi Deck kam, die 20 Jahre anhielt und viele große Erfolge auf Landes- und Bundesebene hervorbrachte. Und da sich seit ungefähr zehn Jahren immer mehr Damen im Sport und im Gremium engagieren, bringt dieses gesunde Mischungsverhältnis automatisch neue Ideen fürs Vereinsleben.
Gibt es etwas, das Sie bedauern?
Ja, es ist schade, dass die erfolgreiche Straßenrennjugend Ende der 1970er, Mitte 1980er Jahre mangels Nachwuchses nicht ausgebaut werden konnte. Aus dem gleichen Grund konnte nach 2013 die bis dahin erfolgreich agierende Hallenjugend nicht gehalten werden. Und ich bedauere, dass der Breitensport in den letzten zehn Jahren pfalzweit zurückgegangen ist. In der heutigen Zeit lassen sich nicht mehr viele Radsportler an Vereine binden.
Was hat Sie angetrieben, den Posten des Vorsitzenden so lange auszuüben?
Die 30 Jahre meiner Vorstandschaft brachten mir überwiegend deshalb so viel Freude und Engagement, weil ich in all der Zeit immer selbst in die Pedale getreten bin. Und, weil unser Umfeld im Gremium optimal besetzt war. Die Betreuung unserer Sponsorschaft fürs Lingenfelder Radrennen könnte ich mir weiter vorstellen, damit das Event im Pfälzer Rennkalender weiter seinen Platz hat.
Woher rührt Ihre persönliche Leidenschaft zum Radfahren?
Die entwickelte sich Mitte der 1970er Jahre, als der Breitensportboom in die Pfalz überschwappte und die Radtouristik in ein neues Licht tauchte. In der Folgezeit wuchs die Vereinstruppe auf über 50 Personen an. Radfahren hat meine Sicht auf die Welt verändert. Hiermit verbinde ich viele Schlüsselerlebnisse, auch im entfernteren Ausland. Es gibt mir ein gutes Lebensgefühl, neue Freiräume zu entdecken. Auch der gesundheitliche Aspekt spielt eine wesentliche Rolle.
Was wünschen Sie dem Verein für die Zukunft?
Schlussendlich kann ich feststellen, dass in der personellen Umbruchphase ein wirtschaftlich gut aufgestellter Verein weiter floriert. Mit meinem Nachfolger habe ich schon mehrere Gläser auf gutes Gelingen geleert im Bestreben, die gute Arbeit fortzusetzen und mit neuen Ideen aufzufrischen.
Was machen Sie mit der hinzugewonnenen Freizeit?
Die nutze ich weiter, um meinem Hobby zu frönen. Auch möchte ich meiner Frau für die vielen kleinen Entbehrungen etwas zurückgeben, das sie freudig stimmt. Dazu gehört ein wöchentlicher Blumengruß in Form einer Rose.