Speyer Radeln mit Regeln
Es ist schön anzuschauen, wie die fünf Männer den Blick nach hinten richten, Handzeichen geben und dann an den parkenden Autos in Dudenhofens Musikerviertel vorbeifahren. Der Speyerer Polizist Matthias Michel hat den Dudenhofener Asylbewerbern das und viele andere Verkehrsregeln beigebracht – und ist am Ende des Fahrradkurses sehr zufrieden: „Die waren alle recht gut.“
Erst vor Kurzem hat sich ein junger Asylbewerber in Waldsee den Arm und das Schlüsselbein bei einem Verkehrsunfall gebrochen – weil der Radfahrer ziemlich viel nicht beachtet hat, wie Polizist Matthias Michel berichtet: Er war nachts ohne Licht auf der falschen Seite in einer Linkskurve unterwegs. Damit solche Unfälle nicht passieren, schult die Polizei Asylbewerber. Es gehe darum, allgemein ein Bewusstsein für die Gefahren im Straßenverkehr zu entwickeln. Wichtig zu wissen: dass die Autos in Deutschland – im Vergleich zu den Herkunftsländern – recht schnell fahren und dass Radfahrer immer rechts fahren sollen. Die fünf Schüler, die gestern mit ihm und Rolf Böhm vom Arbeitskreis Asyl durch die Wohngebiete Dudenhofens fuhren, um das zuvor theoretisch Gelernte nun auch in der Praxis anzuwenden, kannten sich alle schon gut aus, sie haben in ihren Heimatländern Fahrschulen besucht, sind Auto- und Radfahrer. Yousry Daoud, der mit seiner Frau und seinem kleinen Mädchen in Dudenhofen wohnt, ist in seinem Heimatland Ägypten Rad und Auto gefahren, die Verkehrsregeln sind ihm bekannt. Aber dass die Ampeln auch für Radfahrer gelten, war ihm neu: „In Ägypten sind die Ampeln nicht für Radfahrer, alles fährt“, erzählt er. Der 35-jährige koptische Christ ist unglaublich glücklich, in der Gemeinde zu sein: „Dudenhofen ist wundervoll. Die Leute hier lächeln. Sie nehmen einen nett auf. Das ist gut.“ Die Aserbaidschaner Elman Neydarov (44) und Jelman Ahmaldi (39), Autofahrer aus der Bezirkshauptstadt Saatli, kennen die Verkehrsregeln von der Fahrschule. Aber die Schulung war für die Männer „wunderbar gut“, wie der Jüngere sagt. Die Somalier Hassan Mahamud (21) und Nur Hasan Nur (25) berichten auch vom Spaß, den sie hatten, der Jüngere sagt: „Wir fahren in Somalia, aber wir fahren einfach so, ohne Regeln. Hier ist es anders.“ Die fünf Männer sind diejenigen, die aus einer 19er-Gruppe, die in der Grundschule Dudenhofen die Theorie gelernt und die Praxis geübt hat, noch übrig sind. Rolf Böhm vom Asylkreis sagt, die Leute würden vom Sozialarbeiter Nizar Trabelsi schriftlich zum Radkurs eingeladen; im Brief werde auch darauf hingewiesen, dass die Leistungen gekürzt werden, falls sie nicht kommen. Deswegen, sagt Böhm, sei er auch „baff“ gewesen, dass so viele nach den Theorie-Stunden, die vor einigen Wochen stattfanden und am Mittwoch und Donnerstag wiederholt wurden, nicht mehr gekommen sind. Die, die gestern zum Abschluss gekommen sind, bekommen eine Urkunde von Matthias Michel. Die Teilnehmer verabschieden sich am Schluss beim Verkehrssicherheitsberater von der Polizei mit einem Handschlag und einem Dankeschön. Der Polizist, der seit drei Jahren auch mit Flüchtlingen (zwei Gruppen in den Sommerferien) arbeitet und unter dem Schuljahr Kindergarten- und Schulkindern bei der Jugendverkehrsschule die Regeln beibringt, mag seinen Job auch deswegen: „Man hat immer positives Feedback.“ |snr