Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel Rabenvögel im Domgarten: Zu schlau für menschliches Müll-Management?

Rabenvogel im Domgarten: Was ist für das Tier „brauchbar“ von den menschlichen Hinterlassenschaften?
Rabenvogel im Domgarten: Was ist für das Tier »brauchbar« von den menschlichen Hinterlassenschaften?

Die Stadt hat nachgebessert bei den Standorten und beim Volumen der Mülleimer im Zentrum. Verbesserungen sind noch im Domgarten denkbar – auch wegen tierischer Mülltrenner.

Der Domgarten gehört zu den Schmuckstücken Speyers. Nicht nur wegen der Kulisse der romanischen Kathedrale und anderer Speyerer Baukunst, sondern auch wegen der Möglichkeit, auf Sitzbänken unter Bäumen die Ruhe und die Natur zu genießen. Mit dem Rücken zum Dom ergibt das zwar in Blickrichtung der öffentlichen Toilettenanlage nicht die schönste Perspektive, aber einer Speyererin, der dort vor wenigen Tagen Unangenehmes aufgefallen ist, geht es ohnehin um etwas anderes: die Situation an den Mülleimern.

„Ich konnte zwei Mülleimer von einer Parkbank aus sehen und um diese war jede Menge Unrat gelegen“, berichtet die Frau. Die Tüten, Kaffeebecher und anderen Hinterlassenschaften hätten keinen schönen Anblick am Weg zwischen Festplatz und Maximilianstraße geboten. „Nach kurzer Zeit sah ich auch die Übeltäter: Es waren Krähen die den Müll säuberlich durchsuchten und alles herauswarfen, was nicht zum Verzehr geeignet war.“ Die Frau plädiert für eine andere Müllbehälter-Form, etwa mit Klappe, die das unmöglich mache.

„Spürbarer Mehraufwand“

Die Stadtverwaltung kennt das Problem: „Dass Krähen im Stadtgebiet öffentliche Müllbehältnisse gezielt nach Essensresten durchsuchen, ist für die Abfallwirtschaft und den Baubetriebshof kein neues Phänomen“, so Sprecherin Anke Illg auf Anfrage. Die Vögel sind nicht nur im Domgarten stark vertreten, sondern zum Beispiel auch in und um den Adenauerpark, wo sich vorige Woche ein Tier an einer toten Taube gütlich tat. Sie erweisen sich laut Illg als äußerst intelligent und geschickt darin, Abfälle aus offenen Behältern herauszupicken und zu verteilen. „Aus Sicht der Müllentsorgung stellen die Krähen zwar kein unlösbares Problem dar, ihr Verhalten führt jedoch phasenweise zu einem spürbaren Mehraufwand, da die umliegenden Flächen abseits der regulären Leerungszyklen zusätzlich gereinigt werden müssen.“

Speyer stehe mit dieser Herausforderung nicht alleine da, betont Illg. Von Krähen und anderen Vögeln ausgelöste Verschmutzungen im öffentlichen Raum gebe es auch in vielen anderen Kommunen. „Die Stadtverwaltung ist intensiv darum bemüht, das Problem durch die kontinuierliche Anpassung der Infrastruktur so gut wie möglich und im Einklang mit dem Artenschutz zu lösen.“ Schon die Suche nach dem richtigen Mülleimer-Typ sei wegen dieser Anforderungen aber nicht ganz einfach: „Die Einwurfsysteme müssen so gestaltet sein, dass Tiere, die dennoch in einen Behälter gelangen, diesen eigenständig und unbeschadet wieder verlassen können.“

Ältere, nach oben hin offene Müllbehälter im Domgarten sollten wie schon in anderen Teilen der Stadt schrittweise ausgetauscht werden, berichtet die Sprecherin. Dabei kämen zunächst beschädigte Modelle an die Reihe. Nachfolger seien in der Regel geschlossene Mülleimer mit Abdeckungen, wie sie sich beispielsweise in der Maximilianstraße bereits bewährt hätten. „Dadurch soll insbesondere Krähen der Zugriff auf Abfälle erschwert werden“, so Illg. Als weitere Anforderungen nennt sie die Funktionalität der Modelle und deren Auswirkungen auf das Stadtbild.

Austausch geplant

Auf Anfrage der SWG hatte die Stadt kürzlich berichtet, das Mülleimer-Volumen in der Innenstadt in den vergangenen Jahren durch die Umstellung auf 120-Liter-Behälter vor allem in der Maximilianstraße deutlich erhöht zu haben. In den vergangenen Wochen seien zudem drei neue Standorte in der Korngasse und Wormser Straße hinzugekommen. Das Bild, das die Standorte abgeben, sei wie auch im Domgarten stark wetter- und saisonabhängig. Illg: „Insbesondere an Wochenenden mit hoher touristischer Frequenz, gutem Sommerwetter sowie bei Großveranstaltungen fällt vermehrt Abfall an.“

Die Beseitigung erfolge über die eingespielten Routinen des städtischen Baubetriebshofs, der die Intervalle bei Bedarf und bei Großereignissen entsprechend hochfahre. Bei Festen kämen temporäre Mülleimer hinzu. Auch der „Erfolg“ der in den Bäumen des Domgartens vertreten Rabenvögel bei ihrer vom Menschen unerwünschten Mülltrennung hängt letztlich davon ab, wie viel Betrieb in Speyer herrscht. Nach Beobachtungen von Friederike Walter und ihrem Team von der Dom-Info direkt neben den belasteten Standorten sind vor allem lange Wochenenden risikobehaftet. An einem „normalen“ Werktag zwischen Pfingsten und Fronleichnam konnte sie jedoch vermelden: „Stand heute, 16 Uhr, liegt weder Müll um die Mülleimer noch sind von den Kolleginnen in der Dom-Info Krähen beobachtet worden.“

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