Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel Römerberger Weine überraschen selbst den Experten

Wohl bekomm’s: Thomas Sartingen (rechts) und Josef Burkhard schenken den Gästen ein.
Wohl bekomm’s: Thomas Sartingen (rechts) und Josef Burkhard schenken den Gästen ein. Foto: Lenz

Es gibt ihn: Trinkbaren, von Profi-und Hobby-Winzern ausgebauten Wein aus Römerberg. Josef Burkhard, gebürtiger Berghäuser und Kultur- und Weinbotschafter in Rhodt, gestand nach der Römerberger Weinprobe des Vereins für Heimat- und Brauchtumspflege am Freitagabend im Heiligensteiner Pfarrheim: „Ich hatte die Römerberger Lagen und Traubenveredler total unterschätzt.“

Burkhard kam nicht mit leeren Händen. Er hatte aus Rhodt – bekannt für den Gewürztraminer – Secco und Sekt vom Weingut Ferdinand Krieger mitgebracht. Zum „sensorischen Vergleich“. Der wesentliche Unterschied: Secco hat eine Gärung, die Kohlensäure wird zugesetzt. Sekt hat eine zweite Tank- oder Flaschengärung und „liegt mindestens neun Monate auf der Hefe“. Burkhards Tipp: „Sekt morgens kaufen, abends trinken.“

Viele Weinberge verschwunden

„Bereits 8000 vor Christus wurde Wein im Kaukasus, in Persien und in Ägypten angebaut, die Römer nutzten ihn als Ersatz für verseuchtes, ungenießbares Wasser“, gab Burkhard einen Einblick in die Geschichte des Weinanbaus. Seine einfache Erklärung, warum Weinberge bis auf wenige Rebzeilen aus dem Römerberger Landschaftsbild verschwunden sind: „Die Böden entlang der Weinstraße sind geeigneter, auf ihnen wächst der bessere Wein.“ Willi Kögel ergänzte: „Die Arbeit war mühsam. Im Handwerk und in den Fabriken gab’s zusätzlich, leichter Geld zu verdienen.“

Keine lokale Weinprobe ohne die deftige Pfälzer Hausmacherwurst: Griewe-, Lewwer- und Brotworscht sowie Schwademache. Sie bildeten die Grundlage für sieben Römerberger Gewächse, deren flüssige Form auf Farbe, Geruch und Geschmack getestet wurde.

Riesling zum Einstieg

Als Einstieg gab es Riesling-Tafelwein von Franz Kögel. Geerntet in der „kahlen Stumpfgeweihe“, Ortsausgang Berghausen nach Dudenhofen. Burkhards Anmerkung: „In Berghausen war ein hoher Säuregehalt nie das Problem.“ Sich dessen bewusst, will Kögel „einen guten Schorle-Wein“ anbieten. Und Schorle geht immer.

Ralf Gaggermeier schenkte Riesling/Silvaner-Cuvée ein. Zwei Drittel Riesling, von ihm die Säure, ein Drittel Silvaner, der Frucht wegen. Er ist Quereinsteiger, bearbeitet seit fünf Jahren zehn Ar in der Heiligensteiner kleinen Hohl, presst rund 800 Liter. In Spontanvergärung, wie Burkhard anerkennend bemerkte: „Er riskiert dabei einiges.“ Immer wieder hört Gaggermeier bei der Arbeit draußen von älteren Leuten den Erleichterungsseufzer: „Simmer froh, dass mir des nimmer mache missen.“

Bernd Gärthöffner lernte Schlosser, studiert am Weinbauinstitut Neustadt und kümmert sich um 50 Ar, unter anderen in den Lagen Lauteschläger und Schänzelberg. Sein Riesling hat die für die Rebe typische Zitrone-, Apfelnote. Weiter vertreibt er Spätburgunder und Dornfelder. Selbst sieht er sich als Winzer „am Anfang“.

Muscaris aus den Sorten Muskateller und Solaris hatte Tobias Schmidt mitgebracht. Es handelt sich um eine gegen Pilzbefall weitgehend resistente Neuzüchtung der 1990er-Jahre. „Ein Superaroma“, fand Burkhard. Schmidt betreibt sein Weingut in Mechtersheim, hat aber auch Flächen in Lingenfeld und Schwegenheim. Er produziert pro Jahr etwa 30.000 Flaschen, neben Muscaris noch Rotwein-Cuvée, Winzersekt und Traubensaft.

Tradition wiederbelebt

Vom Narrenberg in den Rauhweiden stammt der „Riesling Spätlese der Gemeinde“. Durch den Obst- und Gartenbauverein wurde die Weinbautradition vor 18 Jahren wiederbelebt und der Wingert neu angelegt. Gaggermeier, Vorsitzender des Vereins: „Wir brauchten einige Jahre, bis man den trinken und ihn der Bürgermeister zu Repräsentationszwecken unbedenklich verschenken konnte.“ Die umstehenden Rosenstöcke dienten als Zeigepflanze für Mehltau.

Wolfgang Stern keltert seit 2001 Regent, gewachsen an der alten B 9. Ein Wein aus Silvaner, Müller-Thurgau, Chardonnay. Säuregehalt acht Gramm pro Liter, Pilz- und Mehltau-unempfindlich. Nach drei Stunden gab es zum Schluss Tobias Schmidts Rotwein-Cuvée: silber-prämiert und „Letzrum“ benannt – weil die Triebe mal in die „falsche“ Richtung angebunden waren.

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