Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel Römerberg will weitere Halle

Fast 15 Mannschaften am Start: die Handballer des TuS Heiligenstein, hier die Männer (schwarz) in einem Heimspiel gegen Neuhofen
Fast 15 Mannschaften am Start: die Handballer des TuS Heiligenstein, hier die Männer (schwarz) in einem Heimspiel gegen Neuhofen.

40 Handballkinder gleichzeitig beim Training in der Rhein-Pfalz-Halle, eine Volleyballmannschaft nie für sich allein, Konzerte, Fasnacht, demnächst vielleicht Kleingruppen neben Ratssitzungen, Blutspendeterminen. Die Stätte platzt aus allen Nähten. Wir haben die Protagonisten aus dem Sport befragt.

Ist-Zustand

Bernd Hoffmann (Abteilungsleiter Handball TuS Heiligenstein): „Wir haben vier aktive und neun bis zehn Jugendmannschaften.“

Winfried Schweigert (Vorsitzender Jugendspielgemeinschaft Römerberg, Fußball): „Wir haben 13 Mannschaften. Ich will für alle mindestens eine Stunde. Die will ich auch behalten. Manchmal gab es eineinhalb. Einige gehen in die Soccerarena, wenn es die Eltern bezahlen.“

Norbert Merckel (Pressesprecher Badmintonclub Römerberg): „30 Aktive und in Hobbyteams spielen bei uns. Für sie haben wir im Sommer zehn Stunden, für die 25 Kinder und Jugendlichen zusätzlich 5,5. Da können wir uns nicht beklagen. Das wäre Jammern auf hohem Niveau. Problematisch ist der Winter. Da haben wir einen Tag weniger, noch sieben Stunden für 40 Leute, Es kommen mehr, weil draußen nicht mehr so viel geht.“

Jürgen Harz (Vorsitzender Tischtennisverein Römerberg): „Drei Aktive und zwei Jugendmannschaften, das sind mannschaftsübergreifend so 25 Spieler.“

Christine Walter (Pressesprecherin TuS-Volleyballer): „Wir haben vier aktive Damen-Mannschaften, 60 bis 80 Spielerinnen. Die spielen auch in der Jugend. Wir haben alles besetzt, U12, 13, 14, 15, 16, 18 und 20, zum Teil mehrfach. Hinzu kommen U16- und U18-Jungs und zwei Mixed-Mannschaften mit 20, 25 Leuten.“

Extreme

Schweigert: „Bei E I und E II sind schon mal 20 Kinder in der Halle. Wir schauen, dass es altersmäßig immer passt. In der großen Halle sind wir mit zwei Mannschaften, in der kleinen mit einer. Mit 15, 20 Kindern in Berghausen, das ist der Horror.“

Walter: „Damen I und II trainieren immer zusammen. Da sind weit über 20 in der Halle. Da ist es eher schwierig, Training zu machen. Wir spielen ja nicht nur sechs gegen sechs, sondern machen zum Beispiel auch Netzarbeit.“

Harz: „Mittwochs haben wir eine drittel Halle. Das ist zu knapp, unbefriedigend. Man tritt sich auf die Füße. Es kommt Aggression auf. Die Nerven liegen blank. Da bin ich manchmal schon froh, dass noch ein Tisch dazwischen ist.“

Merckel: „Im Winter haben wir für den Nachwuchs noch 3,5 Stunden. Wir haben drei Felder und teilen uns die Halle mit Tischtennis. Das ist eine Katastrophe. Da kann man nicht durchgehend am Netz sein. Die Volleyballerinnen sind aber schlimmer dran. Die kommen extra früher und machen sich im Foyer warm.“

Hoffmann: „Es gibt Überlappungen. Eine Mannschaft trainiert in der oberen, die andere in der unteren Hälfte, eine auf dem Seitenstreifen. Das ist gerade bei der Jugend sehr geräuschintensiv. Auch für 35 Aktive und Trainer ist vernünftiges Training schwierig.“

Fehlende Zeiten

Walter: „Optimal wäre es, wenn wir Montag, Mittwoch und Freitag von 18 bis 22 Uhr trainieren könnte. Wir würden auch andere Tage nehmen. Freitags haben wir eine drittel Halle. Alle sollten zwei- bis dreimal die Woche trainieren. Die Damen I bis III sind Oberstufenschülerinnen oder haben gerade ihre Ausbildung begonnen. Oberliga können wir wegen der Höhe nur in der Rhein-Pfalz-Halle spielen. Wegen anderer Veranstaltungen fallen viele Wochenenden weg. Da muss auch auf- und abgebaut werden.“

Merckel: „Wir könnten dringend den Mittwoch brauchen, zwei, drei Stunden mehr, auch für unsere Hobbyspieler, und einen Tag mehr für die Jugend, damit wir mal wieder eine Mannschaft melden können.“

Hoffmann: „Zur Primetime zwischen 17 und 19.30 Uhr ist es immer eng. Wir bekommen unsere Heimspiele am Wochenende kaum unter. Da habe ich manche Nachtschicht. Ich habe schon Uhrzeiten vergeben, ohne zu wissen, wann und wo. Wir leben von Ausnahmen, wenn der Gegner zustimmt, samstags schon um 10 Uhr zu spielen. Die Pfalzligen der Damen und Herren sind aufgestockt worden. Entweder die Damen oder Herren haben ein Heimspiel. Natürlich haben wir Verständnis für andere Veranstaltungen. Für manche Mannschaften brauchen wir die Zuschauertribüne.“

Harz: „Im Sommer bis August ist ja auch bei uns tote Hose. Der Mensch ist ein Gewohnheitstier. Der Freitag ist für uns unverzichtbar. Wenn wir dann auch keinen Tag am Wochenende haben, können wir zumachen. Ideal wären der Mittwoch, der Freitag und ein Tag am Wochenende. Wir sind nicht zufrieden, weil wir an Wochenenden keine Turniere oder Verbands-Veranstaltungen ausrichten können. Die Leute dazu und das Know-how haben wir.“

Schweigert: „Vor 17 Uhr ist es schwierig, mit den Eltern Training zu organisieren. Zwischen 17 und 20 Uhr ist am meisten los. Wir haben der A-Jugend, die früher wollte, gesagt, es geht erst ab 20 Uhr. Das sind junge Erwachsene.“

Bessere Ausnutzung

Schweigert: „Es gibt für alle Vereine Einschränkungen aufgrund der minimalen Kapazität. Nur unsere Jüngsten gehen fünf Monate in die Halle, ab E-Jugend drei. Sobald wir rausgehen, geben wir die Zeiten wieder frei.“

Harz: „Manchmal erfolgt die Kommunikation zu kurzfristig, wenn in der Halle eine Veranstaltung stattfindet. Sonst sehe ich wenig Optimierungsmöglichkeiten.“

Hoffmann: „Ich sehe keine Kapazitäten für eine bessere Auslastung. Es gibt keine weißen Flecken. Da muss ich erst jemanden aus der Belegung rauskriegen. Wir müssen ortsübergreifender denken. Römerberg hat eine große Vereinsvielfalt.“

Walter: „Die Rhein-Pfalz-Halle ist sehr breit. Vielleicht könnte man Felder verkleinern. Aber sie ist optimal genutzt.“

Merckel: „Nicht wirklich, vielleicht muss freitags die Halle nicht schon gesperrt werden, wenn samstags eine Veranstaltung ist. So gehen drei bis fünf Tage verloren. Aber das ist wohl so vorgeschrieben. Das muss man nicht verstehen.“

Enttäuschungen

Walter: „Ja, wir sind enttäuscht. Die Frage kam vor fünf Jahren massiv auf. Wir wachsen weiter. Wir haben es so verstanden, dass eine Halle gebaut wird. Dann wurde über das Wo und Wie diskutiert. 2021 war es dann nicht mehr vorgesehen. Die Fraktionen haben es uns erklärt. Wir haben aber nicht den Eindruck, dass der Wille nicht groß genug ist. Die Halle ist gewollt,“

Hoffmann: „Wir haben das Thema schon bei der Politik hinterfragt. Mir ist klar, dass eine Kita Priorität eins genießt. Römerberg wächst. Aber die Struktur bleibt.“

Merckel: „Bürgermeister Matthias Hoffmann ist Gründungsmitglied bei uns und war Mannschaftsspieler. Wir sind von ihm nicht enttäuscht. Wir verstehen nur das Problem nicht. Es ist schade, und dabei heißt es immer, Kinder sollen sich bewegen.“

Schweigert: „Die Wartezeit ist eben sehr lang. Wir brauchen die neue Halle. Wir verstehen, wenn jemand sauer auf die Fußballer ist. Wir waren jetzt draußen. Da ist es einfach zu kalt.“

Harz: „Ich bin von niemandem enttäuscht. Ich weiß, die Mühlen der Verwaltung mahlen langsam. Bürgermeister Hoffmann hat einen frischen und stärkeren Wind gebracht. Er wirkt glaubwürdig und engagiert. Ich sehe in ihm einen AnwaIt der Sportvereine. Irgendwann wird er sich aber messen lassen müssen.“

Hoffnungen

Harz: „Wenn der Spatenstich im zweiten Halbjahr 2022 erfolgt, wäre es ein Segen.“

Hoffmann: „Ich bin realistisch. Wenn 2022 eine Halle beschlossen wird, dauert es mit der Planung noch drei Jahre. Es ist auch eine Kostenfrage und ob eine Halle eine freiwillige Leistung ist.“

Schweigert: „In eine neuen Halle möchten wir eine zweite Stunde für die Mannschaften, die im Spielgeschehen sind. In zwei Jahren könnte die neue Halle stehen. Das ist eine Herausforderung.“

Walter: „Wir können verstärkt die Ganerbhalle nutzen. Aber die macht ja auch bald zu. Die Grundschule Heiligenstein wird volleyballertüchtigt. Wir hoffen, dass eine neue Halle Ende des Jahres in den Haushalt kommt.“

Merckel: „Für eine neue Halle gibt es ja verschiedene Modelle. Sie könnte innerhalb eines Jahres stehen. Wir würden gerne mehr Veranstaltungen machen, so einen bis drei Termine. Wir können nur Einzel- und Doppelmeisterschaft ausrichten.“

RHEINPFALZ-Kommentar

In Römerberg gibt es Neubaugebiete. Das heißt, Familien mit Kindern. Die brauchen eine Kita und spätestens danach Sporthallen, weil sie nicht alle Fußball, Tennis spielen wollen, sondern auch Handball oder Tischtennis.

Die erfolgreichen Heiligensteiner Volleyballer tragen den Ortsnamen durch Deutschland, begrüßen Teams aus dem ganzen Süden zu Meisterschaften. Die TuS-Handballer empfingen schon russische Nationalspieler.

Die Vereine ziehen an einem Strang. Tischtennisspieler treten Hallenhälften ab. Badmintonspieler tippen eine SMS, wenn bei ihnen eine Einheit ausfällt.

Also: Ab in den nächsten Haushalt mit einem Hallenneubau, dabei immer schön daran denken, welche Folgekosten die ehrenamtlichen Sportbetreuer mit ihrer Sozialarbeit und Gesundheitsfürsorge sparen.

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