Speyer
Römerberg: Schulsozialarbeit soll zum neuen Schuljahr starten
Das Ziel, zum neuen Schuljahr in Römerberg Schulsozialarbeiter an den Grundschulen einzusetzen, hat Ortsbürgermeister Matthias Hoffmann (Grüne) ausgegeben. Die Schulleiterinnen haben den politisch Verantwortlichen deutlich gemacht: Der Bedarf ist da – auch auf dem Land.
Die Schulleiterinnen der Römerberger Grundschulen sind sich einig: Schulsozialarbeit ist in der heutigen Zeit notwendig, um die zahlreichen Probleme, mit denen Kinder in die Schule kommen, zumindest ansatzweise in den Griff zu bekommen. Bei der gemeinsamen Sitzung von Schulträger- und Hauptausschuss der Ortsgemeinde Römerberg am Dienstagabend, haben sie den Ausschussmitgliedern den Bedarf nachdrücklich verdeutlicht.
Die von den Rektorinnen der Schulen in Berghausen, Heiligenstein und Mechtersheim angesprochenen Probleme sind vielfältig: Von Aufmerksamkeitsdefizit-Störungen und ausgeprägten Beeinträchtigungen von Rechen- oder Lesefähigkeiten über Mobbing und Diebstahl bis hin zu Fällen von Selbstverletzung reichen die Erfahrungen der Pädagoginnen mit ihren Schülern. In der von der Verbandsgemeindeverwaltung verfassten Beschlussvorlage ist von „veränderten Lebensbedingungen von Schülern“ die Rede: Dinge wie Trennung und alleinerziehende Elternteile, Ganztagsbetreuung wegen Berufstätigkeit der Eltern oder auch der Tod eines Elternteils trügen ihren Teil dazu bei, dass Schulsozialarbeit notwendig geworden sei.
Viel Zeit investiert
Die Berghausener Grundschule ist mit 165 Schülern die größte der drei Römerberger Grundschulen. Schulleiterin Martina Kopf hat in den vergangenen sieben Jahren 26 Fälle von Schülern mit schweren Problemen gezählt, bei denen die Schule außergewöhnlich viel Zeit investieren musste. „Das hat Auswirkungen auf die Klassen“, sagte Kopf. Ähnlich ist es an den Schulen in den anderen Ortsteilen. Auch der Umgang mit manchen Eltern sei schwieriger geworden, berichtete Elke Hohmann-Dengler, Leiterin der Heiligensteiner Grundschule mit noch 89, aber bald über 100 Schülern. „Manche drohen mit dem Anwalt“, sagte sie. Mehr als ein Drittel der 113 Schüler in der Grundschule Mechtersheim hätten Beeinträchtigungen verschiedener Art, verdeutlichte deren Rektorin Martina Rausch den Bedarf an ihrer Schule.
Die Botschaft kam an bei den Ausschussmitgliedern: Von „erschreckend“ bis „ein massives Problem“ reichten die Kommentare. „Es ist nicht die Frage, ob Schulsozialarbeit notwendig ist, sondern nur in welcher Form“, sagte Mathias Müller (CDU). In der letzten Hauptausschusssitzung des vergangenen Jahres hatte Müller Zweifel an der Notwendigkeit angemeldet, direkt eine halbe Stelle pro Grundschule einzurichten. Zunächst sollten die Schulleiterinnen den Bedarf konkret begründen. Ähnlich sah es damals auch Jürgen Schall (Grüne), selbst in der Leitung der Speyerer Schule im Erlich tätig und somit praxiserfahren. Er hatte angeregt, zunächst mit Schulsozialarbeit in Berghausen zu starten und sie dann auszuweiten. Einen „solchen kontrollierten Versuchsstart“ benannte er auch am Dienstag als richtigen Weg. „Es gibt auch Fälle, wo die Ressourcen versanden“, begründete er dies. Zudem werde die Arbeit für die Schulen durch den Einsatz eines Schulsozialarbeiters nicht weniger. Wichtig sei, ein sinnvolles Konzept zu entwickeln. Auch sei das angedachte Einkaufen von Schulsozialarbeiterleistungen bei einer Fremdfirma kritisch zu hinterfragen.
Jede Schule berücksichtigt
SPD und FDP sprachen sich klar dafür aus, dass die Schulsozialarbeit in allen drei Schulen gleichzeitig an den Start geht. Für Markus Weis (FDP) stellt eine halbe Stelle pro Schule „das Minimum“ dar. Auch Herbert Martin Kälberer (SPD) hielt eine halbe Stelle pro Schule „für notwendig“. Prävention sei immer billiger, als hinterher reagieren zu müssen.
So wird es voraussichtlich auch kommen, wenn der Ortsgemeinderat in seiner nächsten Sitzung den Haushaltsplan absegnet. In diesen sind 96.000 Euro – 32.000 pro Schule – für Schulsozialarbeit eingestellt.
„Das Ziel ist, zum neuen Schuljahr Schulsozialarbeit in Römerberg zu etablieren“, sagte Ortsbürgermeister Matthias Hoffmann (Grüne). Nach einem Jahr soll Zwischenbilanz gezogen werden. Kurzfristig sei das Engagieren einer Fremdfirma die einzige Möglichkeit. Nach dem RHEINPFALZ-Bericht Ende vergangenen Jahres hätten sich die Diakonissen Speyer gemeldet, die auch Schulsozialarbeit anbieten. Die Entscheidung, welcher Anbieter genommen werde, stehe noch aus. Gleichzeitig soll abgeklärt werden, ob mittelfristig ein Sozialarbeiter direkt bei der Gemeinde angestellt werden kann.