Speyer
Römerberg: Realschüler besuchen Schafherde
Ali (11) ist vor drei Jahren aus Aserbaidschan nach Deutschland gekommen. Seither hat er keine Schafe mehr angefasst. Umso mehr freut sich der Junge, seine Hand wieder einmal über das flauschige Fell gleiten zu lassen. Die Aktion in Berghausen für Schüler der Realschule plus Dudenhofen hat die Lokale Agenda Natur und Grünbereich organisiert.
Auf der Wiese neben dem Insektenhotel in Berghausen hat sich am Freitagvormittag ein kleines Grüppchen Schafe samt Schäfer German Braun versammelt. 14 Jungen und Mädchen der sechsten Klasse der Realschule plus in Dudenhofen nehmen an der Aktion teil. Die Kooperation hält schon länger an. „Wir kommen schon seit einiger Zeit regelmäßig zu dem Kräuterbeet und nutzen die Gelegenheit, nun auch etwas über das Schafe hüten zu lernen“, lässt Kerstin Scholl, pädagogische Koordinatorin der Schule, wissen.
Für Klassenleiterin Wiebke Mohr passt die Begegnung mit Braun und seinen Tieren gut ins Unterrichtskonzept. „Im vergangenen Schuljahr haben wir Nutztiere durchgenommen. Das ist nun quasi eine Wiederholung“, merkt sie an. Berührungsängste mit den Schafen haben die Kinder ebenso wenig wie mit den beiden Hütehunden Afra (7) und Hexe (3).
„Der Name ist bei ihr Programm“, sagt Braun über die jüngere Hündin, den Nachwuchs von Afra. Das Mutter-Tochter-Gespann legt direkt mit der Arbeit los. Für menschliche Ohren ist der Pfiff, den Braun mit seiner Pfeife aussendet, kaum vernehmbar. Die Vierbeiner reagieren umgehend, gehen in Lauerstellung und preschen dann mit einem Affenzahn gen Herde vor, um diese zusammenzuhalten und dorthin zu lenken, wo der Schäfer sie gerade haben möchte.
„Achtung, der Hund“, ruft Ali und schickt angesichts des gewaltigen Tempos ein lautes „Formel eins!“ hinterher. Seine Mitschüler lachen. Auch, als ein Schaf frech die Schnauze in den Fahrradhelm eines Schülers steckt. Die Kopfbedeckung ist wenig interessant, das Stück Brezel darin dafür umso mehr.
Waldschafe sind selten
„Schafe sind Wiederkäufer“, klärt Braun auf und weist darauf hin, dass sie nur unten Zähne haben. Von 60 verschiedenen Rassen hören die Realschüler und davon, dass der Hobbyzüchter aus Römerberg die älteste süddeutsche Rasse – Waldschafe – betreut. „Als ich angefangen habe, gab es in Deutschland davon nur noch 400 Stück“, blickt Braun zurück. 1996 ist das gewesen. Das Waldschaf habe ihm gut gefallen wegen seines ruhigen Charakters.
Melina (12) gefällt die Zeit bei den Schafen und den Hütehunden. „Das ist sehr cool. Ich hab noch nie ein Schaf angefasst – die sind voll weich“, plaudert sie mit der RHEINPFALZ über ihre Eindrücke. Und auch Rita Pösl und Ursula Walburg von der Lokalen Agenda freuen sich mit dem Nachwuchs über die Wissenserweiterung.
Schafe seien Herdentiere, erzählt der Fachmann weiter. Das sehen die Kinder auf der Wiese deutlich. „Das Braune ist immer in der Mitte. Was bedeutet das?“, hakt Ahmed (11) nach. Die Antwort ist banal: „Das ist einfach ängstlicher als die anderen.“ Die Wolle lobt der Schäfer als tolles Material. Das darin enthaltene Fett helfe bei Ohr- und Gelenkentzündungen. Das Scheren seiner Tiere übernehme ein Freund zweimal im Jahr. Beim Schlachten wird Braun selbst aktiv. „Wie schmeckt Schaffleisch?“, möchte Melina wissen. Kostproben hat Braun nicht dabei. Ali meint: „Ich hab’s probiert und es war sehr lecker.“