Speyer
Römerberg: Einsatz für Township-Kinder in Südafrika
Kindern und Jugendlichen aus einer Township in Südafrika eine Perspektive fürs Leben geben, das wollen Gabriela und Bernhard Leingang aus Berghausen. Sie engagieren sich deshalb im Verein „Hope and Light“, der eine Schule in der Nähe von Kapstadt gebaut hat. In diesem Jahr ist der Gebäudekomplex nach mehrjähriger Bauzeit fertig geworden.
Seit einigen Jahren schon sind die Leingangs bei „Hope and Light“ aktiv, Gabriela Leingang mittlerweile als Vorstandsmitglied. „Wir haben 2016 Urlaub in Südafrika gemacht. Bekannte haben uns gesagt: Schaut Euch das mal an“, berichtet die 55-Jährige, wie sie und ihr Mann Bernhard auf den Verein und sein Projekt aufmerksam geworden sind. Mittlerweile zählen sie dort zu den Stützen und sind zweimal im Jahr in dem afrikanischen Land, um nach den Fortschritten zu schauen. Ebenfalls im Vorstand von „Hope and Light“ engagiert ist Christian Kugelmeier, Unternehmensberater aus Schwetzingen. Bei ihm war es auch eine Urlaubsreise – allerdings schon vor 15 Jahren – die den Ausschlag gab, sich für Kinder und Jugendliche in Südafrika einzusetzen. „Ich habe die wahnsinnige soziale Ungleichheit gesehen“, begründet er sein Engagement.
Von Auswanderin gegründet
Die Organisation „Hope and Light Community Welfare“ wurde im Jahr 2004 von der deutschen Auswanderin Barbara Tofaute mit dem Ziel gegründet, Kinder in der Township Sir Lowry’s Pass Village, in der rund 15.000 Menschen wohnen, zu unterstützen und durch Kindergarten- und Schulpatenschaften ihre Ausbildungsmöglichkeiten zu verbessern. Ein Jahr später ist das deutsche Pendant des Vereins gegründet worden, das heute rund 65 Mitglieder und Schwerpunkte in der Rhein-Neckar-Region und rund um Köln hat. Nachdem der Verein einen Kindergarten und Waisenhäuser in der Township finanziert hatte, begann mit Hilfe von Spenden das nächste Projekt: eine Schule, die bis zum Abitur führt. Unterrichtet wurde seit 2011 in Containern. 2016 wurde dann mit dem Bau eines Gebäudekomplexes begonnen, in dem schon ein Jahr später die ersten Schulklassen unterrichtet werden konnten.
Im März dieses Jahres war der gesamte Bau inklusive Sportanlagen fertig und konnte eingeweiht werden: Rund 290 Kinder besuchen dort die Schule, weitere 50 die Vorschule. Daneben werden circa 100 Kindergartenkinder betreut. Für die Region ist die Einrichtung auch ein wichtiger Arbeitgeber: Rund 50 Mitarbeiter sind dort beschäftigt. Die Schule verfügt über einen Fußball- und einen Tennisplatz, außerdem gibt es zwei Computerräume. Die Klassen sind dabei deutlich kleiner als sonst in Südafrika: „In staatlichen Schulen liegt die Klassenstärke bei 60 bis 80 Kindern“, berichtet Bernhard Leingang. „Bei uns sind es 25 bis 30.“ „Die Schule hat sich bereits einen sehr guten Ruf aufgebaut“, sagt Kugelmeier.
Ein Stück heile Welt
Für die Kinder ist die Schule von „Hope and Light“ ein Stück heile Welt: „Es passiert oft, dass Kinder morgens mit nassen Kleidern in die Schule kommen, weil es in ihr Haus hereingeregnet hat“, beschreibt Bernhard Leingang die Zustände in der Township. Häufig sei das Essen in der Schule für die Kinder die einzige warme Mahlzeit. Viele seien traumatisiert durch Gewalt. Das Schulgelände sei wegen der Kriminalität auch eingezäunt und werde von einem Sicherheitsdienst bewacht.
Im Aufbau befindet sich ein „Skill Center“, das im Januar den Betrieb aufnehmen soll. Darin können die jungen Leute, wenn sie mit der Schule fertig sind, direkt eine Ausbildung machen, zum Beispiel zum Koch, Frisör oder Kfz-Mechaniker. Auch ein Duales Studium in Zusammenarbeit mit der Universität in Kapstadt ist geplant.
Den Bau der Schule hat „Hope and Light“ laut Kugelmeier über Spenden komplett selbst finanziert. Rund drei Millionen Euro seien dafür aus Deutschland geflossen. Bei den laufenden Kosten übernimmt der Verein zwei Drittel, ein Drittel steuert der südafrikanische Staat bei. Um den Betrieb aufrecht zu erhalten sucht „Hope and Light“ vor allem Menschen, die eine Patenschaft für ein Kind übernehmen wollen. Aktuell gebe es schon rund 200 Paten, berichtet Gabriela Leingang. Sie zahlen zwischen 40 und 65 Euro monatlich, die in die Ausbildung der Kinder fließen.
„Der Unterschied zu vielen anderen Wohltätigkeitsorganisationen ist die Unmittelbarkeit zu den Kindern“, sagt Kugelmeier. „Das Geld kommt zu fast 100 Prozent bei den Kindern an.“ Außerdem gebe es auch direkten Kontakt zwischen Paten und Kindern: Die Spender bekämen zum Beispiel Bilder von ihren Patenkindern und es sei auch möglich, diese vor Ort zu treffen. Auch die Leingangs haben eine Patenschaft für ein Kind übernommen: Zimi heißt es und wurde von den beiden Römerbergern bereits unterstützt, als es noch im Kindergarten war.
Termin & Kontakt
Am Dienstag, 15. Oktober, wollen die „Friseure am Platz“ in Heiligenstein das Projekt von „Hope and Light“ unterstützen. Sie wollen den Ertrag dieses Tages an den Verein spenden. Vorstandsmitglieder von „Hope and Light“ wollen vor Ort über das Projekt informieren. Infos zu Patenschaften, Spenden und der Arbeit des Vereins im Internet unter www.hopeandlight.de.