Speyer
Römerberg: Dietrich-Bonhoeffer-Haus hat nach 50 Jahren keine Zukunft mehr
Dankbarkeit, Erinnerungen, aber auch Pläne für die kommenden Jahre: Viele Facetten haben den Festgottesdienst zum runden Geburtstag des protestantischen Gemeindehauses im Heiligensteiner Kirchweg geprägt. Rund 100 Gemeindemitglieder und Gäste füllten den Saal des Gebäudes, das 1969 als Gottesdienst- und Versammlungsort für die wachsende Zahl von Protestanten in den ursprünglich katholischen Dörfern Berghausen und Heiligenstein eingeweiht worden war.
Der Zahn der Zeit hat seine Spuren am seinerzeit ersten Fertigbau-Gemeindehaus der Pfalz hinterlassen. Auf 25 bis 30 Jahre war damals die Lebensdauer ausgelegt. Dank guter Pflege und zahlreicher Investitionen konnte das Gebäude deutlich länger gute Dienste leisten. Jetzt ist das Ende der Nutzbarkeit absehbar. „Baufachleute haben uns empfohlen, kein Geld mehr in das Gebäude zu stecken“, sagte Pfarrerin Bettina Beyerle im Gottesdienst. „Das Presbyterium wird sich in den kommenden Monaten damit beschäftigen, welche Lösungen denkbar sind.“
Vielleicht gerade wegen der anstehenden Entscheidungen fiel die Feier am Samstagnachmittag umso fröhlicher aus. In seiner Festpredigt umriss Beyerles Vorgänger Frank Maertin die Aufgaben, die das Haus für die Gemeinde hatte und immer noch hat: ein Zuhause für die protestantischen Christen in den beiden Römerberg Ortsteilen und ein Ort für positive und verbindende Veranstaltungen auch über die Grenzen der Konfessionen hinweg. Maertin würdigte den Namensgeber des Hauses, den evangelischen Theologen Dietrich Bonhoeffer, der kurz vor Kriegsende 1945 im KZ ermordet wurde: „Keine Macht der Welt kann Gottes Frieden verhindern“, so Maertin. „Bonhoeffer war ein Zeuge dafür, er schöpfte aus diesem Frieden den Mut für seinen Widerstand.“ Klassische Musik für Violinen, Cello, Klavier und Blockflöten (Ingrid Pohl und ihre Kinder Sebastian, Katharina und Julia Pohlmann) gab dem Gottesdienst die passende Feierlichkeit.
Für die Gemeinde Römerberg überbrachte die zweite Beigeordnete Simone Hoffner (Grüne) Grüße und Glückwünsche. Sie erklärte, auch die Ortsgemeinde habe ein Interesse an einem Konzept für die Gesamtfläche am Kirchenweg, auf der sich neben dem Gemeindehaus auch die Kindertagesstätte „Spatzennest“ befindet. „Hier können wir vielleicht gemeinsam etwas Neues entstehen lassen“, so Hoffner.
Pastoralreferentin Sabine Alschner gratulierte im Namen der katholischen Pfarrei St. Hildegard. Sie betonte die sehr gute Zusammenarbeit der Konfessionen in Römerberg: „Jeder hat sein Eigenes, aber wir sind gemeinsam auf dem Weg.“ Im Vorgriff auf die anstehenden Veränderungen rund um das protestantische Gemeindehaus überreichte Alschner bereits ein Nothilfe-Paket – unter anderem mit Hammer und Nägeln, Handschuhen und der notwendigen Nervennahrung.