Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel Priester Bischoff war der erste Autofahrer der Stadt

1894: Der Autokonstrukteur Carl Benz steuert einen seiner Wagen. Nur ein Jahr später kauft der erste Speyerer bei ihm ein Auto.
1894: Der Autokonstrukteur Carl Benz steuert einen seiner Wagen. Nur ein Jahr später kauft der erste Speyerer bei ihm ein Auto.

Am 1. August 1895 unternahm ein Speyerer Priester etwas geradezu Sensationelles: Prälat Josef Eduard Konrad Bischoff bestellte als erster Bürger der Domstadt einen Personenkraftwagen, den er mit den Einnahmen aus einem besonderen Zubrot bezahlte.

Bischoffs Auto wurde am 31. Juli 1895 aus der Mannheimer Fabrik in die Domstadt gebracht. Am Tag darauf startete der 68-Jährige auf der damals Königsstraße genannten Ludwigstraße zur ersten Ausfahrt. Das tat der kühne Priester ohne Führerschein. Denn einen „Lappen“ gab es auf Anordnung von Kaiser Wilhelm II. erst ab dem Jahr 1909.

Der von 1,5 PS angetriebene Zweisitzer „Benz Veloziped“ der Firma Benz & Cie kostete damals zwischen 2000 und 2200 Mark. Das Auto war sehr teuer, doch leisten konnte es sich Bischoff allemal. War doch der am 9. August 1828 im saarpfälzischen Niedergailbach geborene zeitweise Pfarrer von Berghausen als „Conrad von Bolanden“ ein bekannter Schriftsteller, der mehr als 60 historische Romane und Erzählungen verfasste.

Einige seiner politischen Schriften erregten sogar so großes Aufsehen, dass der Bischof ihn schließlich vor die Wahl stellte, das Schreiben aufzugeben und nur als Priester zu wirken, oder sich in den Ruhestand versetzen zu lassen. Letztgenanntes tat Bischoff auch 1869. Er starb am 30. Mai 1920 und wurde auf dem heutigen Alten Friedhof begraben.

Speyer galt im Deutschen Reich als Vorbild für einen „motorbetriebenen Personen-Linienverkehr“. Zwischen 1899 und 1911 fuhren fünf Omnibusse auf 17 Linien in die umliegenden Dörfer, zum Bahnhof, neuen Friedhof und zur Rheinhäuser Fähre. Start und Ziel war das Königliche Oberpostamt (Postgalerie), vor dessen Einweihung 1901 die „Alte Münz“.Die Omnibusse hatten 14 Sitzplätze und zogen bei Bedarf einen Anhänger mit 20 weiteren. Stammbesetzung waren der Fahrer sowie je ein Schaffner und Kontrolleur. Ihr Motor beschleunigte sie auf 14 Stundenkilometer.

Als erster Speyerer Privatmann, der die vom Kaiser vorgeschriebene Fahrerlaubnis hatte, gilt der „Weiße Rössl“-Gastwirt Fritz Wirth. Die erste Speyererin, die um 1926 ein Auto lenkte, soll Gertrude Wellensieck gewesen sein, die Frau eines Tabakwaren-Fabrikanten. Dessen Familie und die Familie Kirrmeier unterhielten schon um 1900 die ersten privat genutzten Firmenfuhrparks in der Stadt.

Als Wellensiek einen Ausflug nach Baden-Baden unternahm, blieb sie in Rastatt liegen. Polizisten kam es offenbar verdächtig vor, dass eine Frau ein Auto steuerte und einen Führerschein vorweisen konnte. Den aber konnten die badischen Ordnungshüter nicht entziffern, war doch das Papier in der Tschechischen Republik ausgestellt worden. Zurück in Speyer bekam sie dann einen deutschsprachigen Führerschein.

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