Motorsport
Premiere des Films „Walter & Michèle“ im Technik-Museum mit Walter Röhrl
Kurz vor 14 Uhr im früheren Imax-Classic-Kinosaal: Die circa 350 Menschen fassenden Reihen sind besetzt. Die vier Stühle vor der Leinwand sind noch frei, aber rechts davon steht schon „Django“, der Opel Ascona 400 mit der Rahmennummer RA 40. Röhrls Siegerauto bei der Rallye Elfenbeinküste anno 1982. Der Geruch von Benzin liegt in der Luft.
Ob „Django“ ihn verströmt oder ob er den links von der Talkrunde aufgebauten Requisiten anhaftet: egal. Ein Funke genügt, und die Luft „brennt“. Unter tosendem Applaus laufen gegen 14.15 Uhr Walter Röhrl, Fotograf Reinhard Klein und Filmemacher Helmut Deimel im Forum-Kino ein. Die Moderation liegt bei Ralf Antweiler, Rallye-Fan von Kindesbeinen an sowie vor allem Entdecker und Restaurator des legendären „Django“. Der Wagen hat einen Ehrenplatz in der Walter-Röhrl-Sonderausstellung in der Raumfahrthalle des Technik-Museums. Die Schau läuft noch mindestens bis zum 16. April.
60-Minuten-Film
Wer eine Filmvorführung mit anschließender Talkrunde erwartet hatte, wurde eines Besseren belehrt. Denn kurze Frage- und Antwort-Einlagen wechseln sich binnen zwei Stunden ab mit der Einspielung von Sequenzen aus Helmut Deimels rund 60-minütigem Film „Walter & Michéle“. Der Filmemacher aus Österreich, der wie Fotograf Klein schon früh über den Rallyezirkus berichtet hat, hat den als DVD käuflichen Streifen zum 40. Jahrestag von Röhrls zweitem WM-Titel 1982 produziert.
Wie in einem guten Schauspiel, läuft die Handlung allmählich auf den Höhepunkt zu und beginnt nicht gleich mit einem Knall. Wobei: Walter Röhrls fantastische Leistungen mit Beifahrer Hannes Rothfuß bei der Olympia-Rallye 1972 über rund 3400 Kilometer von Kiel bis München haben ihn mit einem Schlag in der Szene bekannt gemacht. Im Forum-Kino erzählt er, dass die Erkenntnis, mit den besten Fahrern mithalten zu können, obwohl nur mit einem Ford Capri unterwegs, seinen Ehrgeiz geweckt habe zu zeigen „dass ich der Beste bin“.
Geistdörfers Argument
Für den 76-jährigen Röhrl war es der Sieg bei der Rallye Monte Carlo, kurz „Monte“, der seine Exzellenz beweisen sollte. Nachdem dem „Langen“, wie er aufgrund seiner Größe von 1,96 Metern genannt wird, dies in einem Fiat Abarth 131 mit Beifahrer Christian Geistdörfer 1980 gelang, hat er seine Karriere alsbald beenden wollen. Der greifbar nahe WM-Titel habe ihm nicht viel bedeutet, so Röhrl. Doch Geistdörfers Argument, dass Röhrl doch am liebsten Auto fahre, habe ihn zum Weitermachen bewegt. Mit dem bekannten Ergebnis: Fortsetzung der Karriere nach dem Gewinn der Rallye-WM 1980.
Dann erschien eine Französin auf der Bildfläche: Zwar schon seit 1974 im Rallye-Zirkus dabei, landete Michèle Mouton ab Ende des Jahrzehnts regelmäßig in den Top Ten in einzelnen Rennen und forderte 1982 auf einem Audi Quattro Röhrl im Kampf um den WM-Titel heraus. Da war der Ehrgeiz des „Langen“ erneut geweckt: „Ich wollte nicht der erste Mann sein, der von einer Frau besiegt wird.“ So legte der gebürtige Regensburger sich mit seinem Opel Ascona 400 mit Heckantrieb ins Zeug, um am Ende die Motorhaube vor Moutons Audi mit Allradantrieb zu haben.
Duell Mann gegen Frau
Das in den Medien hochgespielte Duell Mann gegen Frau kommt in Deimels Dokumentation schön heraus. Neben vielen Szenen, die die Fahrkünste von „Walter & Michèle“ von Finnland bis Afrika zeigen, hat der Österreicher zahlreiche O-Töne der beiden, sei es bei kurzen Stopps während einer Prüfung oder nach einer Zielankunft, eingefangen. Gegen Saisonende waren Mouton und Röhrl vom vermeintlichen Geschlechterkampf genervt. Während vom Bayern auch aus jüngerer Zeit O-Töne im Film zu hören sind, fehlen diese von Mouton.
Sei’s drum: Die Gäste im Forum, viele von ihnen vom Rallyeautoclub „Slowly Sideways“, dem Ralf Antweiler und Reinhard Klein angehören, lauschen den Worten Röhrls gut zwei Stunden lang. „Das Interesse an der Premiere war so groß, dass wir das Forum zweimal hätten füllen können“, sagt Marcus Reeg vom Technik-Museum. In der Autogrammstunde beweisen die 500 Besucher erneut Geduld.
Autogramme vom „Langen“
Zu den Fans des „Langen“ zählen Speyers Sportlerin des Jahres Lisa Kiefer und ihr Freund Raffael Sulzinger. „Wir kennen Walter schon länger. Er unterstützt uns sehr“, sagen die beiden unisono, während sie in der Raumfahrthalle für ein Autogramm anstehen. Wenn der Bayer Sulzinger bei Rallyes am Steuer sitzt, dann ist Lisa Kiefer seine Beifahrerin. Gemeinsam gehören sie zu den erfolgreichsten Teams in Deutschland. Dann sind sie an der Reihe: Der Weltmeister unterschreibt für die beiden unter dem Titel seiner im vergangenen Jahr erschienenen Biografie „Walter Röhrl: 75 Jahre einer Legende“.