Speyer Post von der Feuerwehr
«Harthausen.»Am Samstag haben die Harthäuser ein ungewöhnliches Päckchen in ihrem Briefkasten gefunden. In einem Teil eines ausgedienten Feuerwehrschlauchs steckte Informationsmaterial, mit dem die örtliche Feuerwehr um neue Mitglieder wirbt. Harthausens Feuerwehr-Chef Frank Sammet erklärt im Interview mit RHEINPFALZ-Redakteurin Nadine Herrmann, was es mit der Aktion auf sich hat.
Seit ich Wehrführer bin, komme ich mit vielen Menschen ins Gespräch. Manchen ist nicht bewusst, dass es in Harthausen ein Feuerwehrgerätehaus gibt. Auch die Jugendfeuerwehr ist vielen nicht bekannt. Um hierfür zu werben, suche ich schon einige Jahre nach Ideen. Wir werben in der Zeitung für unsere Veranstaltungen und berichten auch über kleine Einsätze im Ort, allerdings kommt das nicht in jedem Haushalt an, da nicht jeder die Zeitung hat. Es bringt aber nur etwas, wenn jeder Haushalt die Informationen bekommt. Bei einem normalen Werbebrief wird vielleicht nur der erste Satz gelesen, und dann wird der Brief weggeschmissen. Um dem Ganzen etwas Charme zu geben, haben wir nach einer Möglichkeit gesucht, die im Gedächtnis bleibt. Auffällig ist der ausgediente Feuerwehrschlauch, der als Briefumschlag dient, auf jeden Fall. Was hat es damit auf sich? Ich denke, die meisten erkennen den Schlauch als typisches Utensil der Feuerwehr sofort. Mit den Farben rot und blau wollte ich Bezug auf unsere Einsatzfahrzeuge nehmen. Der Knoten – ein Schotstek – findet im Feuerwehrdienst seine Anwendung beim Verbinden von Leinenenden. Als ich meine Idee im Team vorgestellt habe, waren die Kameraden ziemlich überrascht und zum Teil skeptisch. Im Laufe der Aktion sind die Zweifel aber verschwunden. Wir haben an zwei Samstagen mit jeweils acht Personen 340 Meter Feuerwehrschlauch geschnitten, beschriftet, Ösen gepresst, die Schnur eingebunden und die Briefe für 1400 Haushalte eingelegt. Das war eine Knochenarbeit, deshalb möchte ich allen danken, die sich bei den Vorbereitungen und beim Verteilen im Ort mit eingebracht haben. Was wollen Sie mit der Aktion bezwecken? In erster Linie wollen wir informieren, was die Feuerwehr ist und wie sie funktioniert: ein Hobby, das ehrenamtlich ist und neben der Arbeit in der Freizeit geleistet wird. Außerdem möchten wir auf uns aufmerksam machen und zeigen, dass man als Jugendlicher und Erwachsener zu uns kommen kann. Durch die angespannte Situation am Wohnungsmarkt kommt es immer wieder vor, dass uns Feuerwehrleute verlassen, weil sie in einen anderen Ort ziehen. Deshalb würde es mich auch besonders freuen, wenn zugezogene Feuerwehrleute zu uns kommen würden. Und zusätzlich geht es bei der Aktion auch darum, unseren Förderverein bekannter zu machen. Wie läuft es ab, wenn jemand nun Interesse hat, bei der Feuerwehr in Harthausen mitzumachen? Die Leute können mich, so wie im Informationsblatt beschrieben, über die angegebene E-Mail-Adresse oder meinen privaten Facebook-Account kontaktieren. Muss ich bestimmte Voraussetzungen erfüllen, um bei der Feuerwehr mitzumachen? Wichtig ist, dass die Person gesund ist. Eine ärztliche Untersuchung zeigt, ob man für den Einsatzdienst bei der Feuerwehr geeignet ist. Grundsätzlich kann aber jeder mitmachen und Spaß haben. Bei der Jugendfeuerwehr ist das ab zehn Jahren möglich, ansonsten ab 16 Jahren für den aktiven Einsatzdienst. Wenn man dann erst einmal dabei ist, wie oft übt Ihre Mannschaft und wie oft rücken Sie pro Woche aus? Montags sind unsere Übungsabende, die im Idealfall immer besucht werden. Wenn man mal nicht kann, ist das auch in Ordnung. Es sollte sich jedoch in einem gesunden Maß halten. Feuerwehr-Neuzugänge müssen einen Grundlehrgang absolvieren, der im Rhein-Pfalz-Kreis stattfindet. Hat man den bestanden, ist man Feuerwehrmann oder -frau und darf in den Einsatz. Danach gibt es weitere Lehrgänge zum Tragen von Atemschutz, Sprechfunkausbildung bis hin zur Funktion einer Führungskraft. Das alles kann erlernt werden, muss aber nicht. Die Anzahl der Einsätze kann man nicht genau beziffern. Über das Jahr gesehen sind es ein bis zwei Einsätze pro Woche. Wobei es auch immer mal ruhigere beziehungsweise intensivere Zeiträume gibt. Das finde ich, ist aber das Highlight des Hobbys – dass man nie weiß, wann und was einen erwartet. Wie läuft die Alarmierung ab? Alle Feuerwehrleute aus Harthausen, Dudenhofen und Hanhofen werden bei einem Einsatz alarmiert. Die Harthäuser treffen sich in Harthausen am Feuerwehrgerätehaus und starten von dort zum Einsatzort, den wir über den Melder genannt bekommen. Wie kläre ich meinen Feuerwehrdienst mit meinem Arbeitgeber? Wenn ich mich für das Hobby interessiere und auch während meiner Arbeitszeit zum Einsatz ausrücken möchte, brauche ich das Okay vom Arbeitgeber. Wenn ich das habe, übernimmt die Verbandsgemeinde für die Zeit des Einsatzes meine Lohnkosten, sodass der Arbeitgeber dafür nicht aufkommen muss. Es gibt aber auch Leute, die während der Arbeit nicht ausrücken, weil der Arbeitsplatz zu weit weg von der Verbandsgemeinde ist. Warum ist der Feuerwehrdienst für Sie das beste Ehrenamt? Zum einen gibt es bei der Feuerwehr viele interessante technische Sachgebiete, die einem auch im Berufsleben weiterhelfen können. Ich kann in meinem Beruf, der nichts mit der Feuerwehr zu tun hat, auch mit Begriffen und Erfahrungen, die ich von der Tätigkeit bei der Feuerwehr kenne, umgehen und umgekehrt natürlich auch. Zum anderen ist es der Nervenkitzel. Was erwartet mich und das Team an der Einsatzstelle und mit welcher Lösung können wir dem Rufenden helfen? Dabei wird auch immer wieder mal die Kunst zum Improvisieren verlangt. Ein Beispiel: Mit einer Leiter in die Höhe zu steigen, ist für jeden normal. Mit mehreren Leitern und einer großen Plane ein Auffangbecken zu bauen, ist unter Zeitdruck schon etwas spannender. Im Großen und Ganzen ist es ein interessantes bis spannendes Hobby, bei dem ich mit Kollegen und Freunden Spaß haben kann und von dem gleichzeitig die Allgemeinheit profitiert.