SPEYER
Porträt: Rallyebeifahrerin Lisa Kiefer
Die begeisterte Motorsportlerin kennt nicht nur das Leben der Beifahrer, sondern greift auch selbst ins Lenkrad. Dass sie dennoch bei namhaften Rallyeveranstaltungen auf dem Beifahrersitz agiert, hat verschiedene Gründe. Mütterlicherseits kennt Lisa Kiefer den Motorsport.
So schrieb sich die Anfangs-30erin 2011 in den Slalom-Youngster-Cup des ADAC-Pfalz ein. Bei Veranstaltungen lernte sie den mittlerweile mehrfachen saarländischen Slalommeister Stefan Petto aus Nonnweiler kennen. „Als er im Jahr 2012 einen Beifahrer für die Rallye in Zerf suchte, kamen wir ins Gespräch.“, berichtet Kiefer.
Die Geburtsstunde
„Er vermittelte mir die Grundkenntnisse und Zerf war die Geburtsstunde meiner Beifahrerkarriere“, so Kiefer. Im gleichen Jahr schnupperte sie noch Luft im ADAC-Rallye-Masters und in der Deutschen Rallye-Meisterschaft. „Rallye fahren ist eine Kostensache“, berichtet die junge Motorsportlerin.
„Als Studentin konnte ich mir kein geeignetes Fahrzeug leisten, so dass die Rolle der Beifahrerin ein perfekter Einstieg in die Rallyeszene war“, schildert Kiefer. Dennoch freut sie sich, wenn sie ihren Peugeot 106-mal wieder bei Automobil-Slalom-Veranstaltungen zwischen den rot-weißen Pylonen bewegt.
Viele Aufgaben
„Ein Beifahrer hat mehr Aufgaben als ein Außenstehender vermutet“, erläutert Kiefer. Ihm obliegt die Anmeldung zur Veranstaltung, das Buchen der Übernachtungsmöglichkeiten für das gesamte Team bis zur Erstellung eines Teamleitfadens. Auch die Nachbearbeitung bewältigt er, während sich der Fahrer um das Auto kümmert.
Beim Rennen lotst der Beifahrer den Piloten minutengenau zu den einzelnen Zeitnahmen und dirigiert ihn über die Wertungsprüfungen auf Bestzeit – dies aus dem zuvor erstellten Gebetbuch: „Wichtig ist ein perfekter Aufschrieb“, betont Kiefer. Diesen erstellen die Akteure in der Einführungsrunde.
Spezieller Block
„Dafür habe ich einen speziellen Block mit großen Zeilen“, verrät die schnelle Dame. Mit Kürzeln notiert sie die verschiedenen Aufgaben und betet sie später im Wettbewerb vor. Dazu gehören Entfernungsangaben, die Fahrtrichtung und der Kurvenradius, aber auch Besonderheiten wie Kuppen oder Querrinnen.
Und wie lassen sich die Aufzeichnungen bei Dunkelheit erkennen? Ganz einfach: „Der Beifahrer verfügt über eine beleuchtete Leselampe und schon sind die Kürzel lesbar“, verrät Kiefer lachend. Eine große Aufmerksamkeit gilt der Zeitkarte. Geht die verloren, ist der sportliche Einsatz zu Ende.
Konzentriert vorgehen
Grobe Fehler darf es im Motorsport nicht geben. Das wissen die Betreiber und handeln entsprechend konzentriert. So manchen kleinen Lapsus gibt es hin und wieder zu verkraften, der sich letztlich auf die Platzierung auswirkt. Der meist gemachte Fehler geschieht in Rundkursen.
Hin und wieder zählen die Protagonisten die Runden nicht genau mit und das Team verlässt entweder zu früh oder zu spät die Wertungsprüfung. „Da gibt es eine einfache Handhabung. Immer beim Vorbeifahren an der Ausfahrt wird eine Runde abgestrichen, so dass ein solcher Fehler auszuschließen ist“, erläutert die sehr erfahrene Co-Pilotin.
Spontane Kommentare
„Von gravierenden Fehlern blieb ich bisher verschont“, erzählte Kiefer: „Aber Beifahrer sind auch nur normale Menschen, denen mal Fehler unterlaufen können.“ Rallyebeifahrer bewegen sich zudem im täglichen Straßenverkehr. Wie erleben sie ihre Fahrten?
„Manchmal fühle ich mich ohne meine Sicherheitsausrüstung aus dem Rallyesport wie Helm, Rennanzug und Sechs-Punkte-Sicherheitsgurt etwas unsicher“, bekennt sie. Dabei verrät sie auch, dass so manchmal auch plötzliche Kommentare aus ihr heraus platzen.
„Ich rate allen Fahrerscheinneulingen die Teilnahme an einem Fahrsicherheitstraining“, fügt die Lehrerin der Sonderpädagogik an.