Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel Polizist: Guter Beruf mit unschönen Seiten

Wer ist für die Polizeiarbeit geeignet? Kevin Götz hält die Augen offen.
Wer ist für die Polizeiarbeit geeignet? Kevin Götz hält die Augen offen.

Eine Grauzone? Gibt es nicht, meint Kommissar Kevin Götz. Wenn er jungen Menschen die Arbeit der Polizei nahebringt, steht am Ende nur ein Schwarz oder Weiß. Die Gewinnung von Nachwuchs ist ein wichtiges Thema für die Polizeiinspektion Speyer, aber manchmal bleiben sogar Enttäuschungen.

Seit Herbst 2019 ist Kevin Götz offiziell Einstellungsberater bei der Dienststelle in Speyer. Zuvor hat er bereits einen Kollegen unterstützt, der diesen Job mehr als 20 Jahre ausgeübt hat. „Die Arbeit mit der Jugend macht Spaß und ich finde es sehr sinnvoll, ihnen Einblicke in den Beruf zu geben und ihr Interesse zu wecken“, sagt der 37-Jährige.

Götz selbst ist Seiteneinsteiger gewesen. Maschinenbau hat er studiert, bevor der Polizeidienst folgte. „Ich bin sehr zufrieden mit dem Beruf“, versichert Götz, der die Hoffnung hegt, die eigene Begeisterung an den Nachwuchs weitergeben zu können. Sein Engagement steht dabei auf mehreren Säulen. In der Inspektion ist es ein Nebenamt abseits des regulären Dienstes. Die erste Säule sind Einladungen in Schulen. „Dort geht es in erster Linie um die Voraussetzungen für den Polizeidienst und um Einstellungstests“, erklärt Götz. Die änderten sich so häufig, dass er der Jugend anrate, einen Blick ins Internet zu werfen.

Thema Drogen interessiert

Wenn der Kommissar auftaucht, geht es nicht nur um die Schutzpolizei, sondern auch um Kriminal-, Bereitschafts- und Wasserschutzpolizei. Die Mädels muss er oft enttäuschen: „Häufig kommt von ihnen die Frage nach eine Reiterstaffel. Aber die gibt es in ganz Rheinland-Pfalz nicht.“ Ganz häufig muss Götz zum Komplex Drogen etwas sagen. „Ich werde gefragt, wie jemand aussieht, der die konsumiert, wie die Drogen an sich aussehen, wo sie zu bekommen sind“, nennt er Beispiele des Wissenshungers der Schülerschaft. Vor allem in der Oberstufe ist der Uniformträger zu Gast: Da geht es oft final um die Berufsfrage.

Die zweite Säule der Nachwuchsarbeit sind Praktika. Die bietet die Speyerer Dienststelle laut Götz viermal im Jahr an: „Je einmal im Frühjahr und Herbst und zweimal im Sommer.“ Dann lernen die Interessenten den Berufsalltag live kennen. „Die Erfahrung hat gezeigt, dass deren Bild von Polizei ein anderes ist“, berichtet Götz und lächelt. Er denkt an die TV-Serie „Alarm für Cobra 11“, die zwar viel Action, aber wenig Realitätsbezug habe. Dem gegenüber stellt Götz den ,Tatort’: „Der trifft die Wirklichkeit öfter, was die Arbeit auf der Dienststelle angeht.“

Praktikumsplätze gefragt

Unterschiedliche Praktikantentypen gebe es. „Bei denen einen habe ich das Gefühl, die Eltern möchten, dass der Beruf ergriffen wird. Andere wiederum sind extrem gut vorbereitet“, zieht Götz einen Vergleich. Gerade die Unterschiede in den Vorkenntnissen machten seine Beraterrolle interessant. Der Weg zur Polizei dagegen ist heute eingleisig, so Götz: „Wir haben nur noch eine Laufbahn in den gehobenen Dienst und der führt über ein Studium.“

Während ein Teil der Praktikanten überrascht ob der Vielfalt der Polizeiarbeit sei, werde der andere von der vielen Büroarbeit abgeschreckt. „Ich mache den jungen Leuten klar, dass der Beruf ein Entwicklungsprozess ist, dass sie nicht an einer Stelle stehen bleiben“, betont Götz. Das Gefühl, dass sein Einsatz fruchtet, hat er durchaus. Die Nachfrage nach Praktikumsplätzen sei ungebrochen groß. Zur dritte Säule seines Berufs gehören die Betreuung künftiger Polizisten in der praktischen Studienphase und das Bewerbertraining.

„Das muss man lernen“

In jedem Fall gehört für Götz dazu, ein umfassendes Bild der Polizeiarbeit zu zeichnen. Weniger Schönes, wie belastende Todesermittlungen, wird nicht verschwiegen. „Ich sage den Praktikanten, dass man auch beleidigt und in seltenen Fällen bespuckt wird oder Gewalt anwenden muss. Das muss man lernen“, führt Götz, gerade Vater geworden, aus.

Er könne den Polizeidienst guten Gewissens ans Herz legen, auch beim Girls’ Day, der vierten Säule der Einstellungsarbeit, in die auch Kollegin Bianca Dieterich involviert ist. Für Götz ist sein Beruf trotz mancher negativen Begleiterscheinungen der richtige. „Wir bekommen einen Einblick in das Leben der Gesellschaft“, macht der Beamte deutlich. Die sechs Praktikumsplätze im Herbst sind schon wieder besetzt.

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