Speyer
Polizeieinsatz bei Impfaktion am Purrmann-Gymnasium
Überpünktlich waren die 14-jährige Lea und ihre Mutter Sandra am Freitagnachmittag zum Impftermin im HPG gekommen. „Wir als Eltern und auch im Freundeskreis haben keine schlechten Erfahrungen gemacht und nutzen jetzt die Chance“, so die Mutter. Die Entscheidung für oder gegen die Schutzimpfung habe sie ihrer Tochter jedoch selbst überlassen. Diese musste nicht lange überlegen: „Für mein Hobby, das Tanzen, hätte ich bald jedes Mal beim Training einen Test gebraucht. Mit der Impfung fällt der weg“, sagte Lea.
Um Erleichterung ging es auch Niclas (15), wie er nach der Spritze erzählte: „Ich habe mich fürs Impfen entschieden, weil ich dadurch weniger Einschränkungen habe und natürlich, um generell das Risiko zu minimieren.“ Er finde es gut, dass sich das HPG für die Aktion stark gemacht und diese bestens organisiert habe. Niclas’ Mutter Ulrike lobte sie ebenso: „Ich spreche dem HPG und der Polizei riesigen Dank aus.“
Bessere Alternative als Masken
Die Einsatzkräfte waren angerückt, nachdem sich Gegner der Aktion in der Nähe des Schulgebäudes positioniert hatten. „Hände weg von unseren Kindern“, stand auf einem Plakat. Für dessen Besitzerin war das Impfen an der Schule befremdlich. „Schon die Tests an den Schulen waren für mich übergriffig. Die Impfung jetzt ist ein Missbrauch einer Bildungseinrichtung, denn es wird Druck erzeugt, sich impfen zu lassen“, so die Frau. Ihre Gesprächspartnerin hielt mit Informationen der Ständigen Impfkommission (Stiko) dagegen: „Die halte ich für nachvollziehbar. Dort wird auf wissenschaftlicher Grundlage entschieden, und das ist eine gute Größe.“
Mediziner Gerald Haupt, der die Aktion mit dem HPG organisierte, stellte heraus: „Die Impfung ist meines Erachtens die bessere Alternative als eine dauerhafte Masken- und Testpflicht an den Schulen. Masken können psychische Belastungen mit sich bringen. Die sogenannte Durchseuchung wäre aus medizinischer Sicht ebenfalls eine schlechtere Alternative.“ Daher rühre seine Motivation, die Jugendlichen vor Beginn des neuen Schuljahres mit dem von der Stiko empfohlenen Biontech-Stoff zu impfen. „Ein voller Erfolg“, bilanzierte Schulleiter Ronny Wolf und dankte allen Unterstützern.
Polizeiauto beschädigt
Niclas war jedenfalls glücklich, den Schritt getan zu haben. „Ich freue mich für ihn. Das war unsere einzige Chance“, meinte seine Mutter. So froh sie über den Impferfolg war, so sehr ärgerte es sie, dass der Polizeieinsatz nötig war: „Das kostet unnötig Geld und bindet Kräfte, die woanders eher gebraucht worden wären.“ Für Zusatzkosten sorgte den Beamten zufolge eine Beschädigung an einem Polizeiauto: Scheibe eingeschlagen, Reifen plattgestochen, Verursacher unbekannt. Im Zusammenhang mit der Kundgebung, die nicht angemeldet gewesen sei und daher am frühen Nachmittag von Polizei und Ordnungsamt aufgelöst wurde, habe es auch eine Körperverletzung gegeben: Ein Impfgegner sei mit einem Passanten aneinandergeraten, der die Gruppe fotografiert habe. Die Polizei sucht Zeugen (Telefon 06232 1370).
TerminUnter Dach und Fach ist eine weitere Impfaktion mit mehreren 100 Biontech-Dosen an der Berufsbildendenden Schule: Sie läuft in Kooperation mit dem MVZ Haupt am Donnerstag, 15. Juli, 8 bis 15 Uhr, in der Turnhalle. BBS-Schüler können sich bis 13. Juli, 12 Uhr, anmelden (www.bbs-speyer.de). Danach ist sie eventuell auch für andere Schulen offen.