Speyer
Plan: Mittelalter-Rock für sitzende Fans
Dass kein buntes Markt-Gewusel im Stil vergangener Jahre möglich sein würde, das sei dem Team um „Spectaculum“-Veranstalter Gisbert Hiller von Anfang an klar gewesen, sagt sein Sprecher Jan Kühr auf Anfrage. Plan B sei aber sehr konkret und aus Veranstaltersicht auch sehr realistisch: eine Kombination aus „Hock Rock MPS Konzerten“ mit ausschließlich sitzendem Publikum – bis zu 2000 Besucher – und einem räumlich abgetrennten Mittelaltermarkt, auf dem laut Antrag lediglich 3000 Leute gelassen würden.
Dies sei in verschiedenen Orten für 22 Wochenenden ab April geplant gewesen, sagt Kühr. „Aktuell rechnen wir damit, dass eine Durchführung spätestens ab Juli möglich sein wird.“ Speyer sei am dritten August-Wochenende fester Bestandteil der Planung gewesen. Die „Hock Rock“-Konzerte hätten auf einem Teil der sonst belegten Fläche der Klipfelsau-Wiese stattfinden sollen, der Markt auf der übrigen Fläche des unteren Domgartens. Der Genehmigungsbehörde im Rathaus sei von vornherein mitgeteilt worden, dass die Ausrichter angesichts der Lage bei beiden Programmbestandteilen auch eine Beschränkung auf je 1000 Besucher akzeptieren würden.
Gegenseitig überrascht
Die Erfahrungen mit einem Test im September 2020 in Niedersachsen seien gut gewesen, die Reaktionen anderer Behörden für 2021 „eher zustimmend“, berichtet Kühr. Aus diesem Grund habe die Reaktion aus dem Speyerer Rathaus überrascht: Der Stadtvorstand habe beschlossen, dass zurzeit keine Veranstaltungen stattfinden dürften. Der geplanten Anmietung von Flächen im August werde deshalb eine Absage erteilt. „Dass eine Kommune hier schon so weit im Voraus die Reißleine zieht, ist tatsächlich ein bislang einmaliger Vorgang“, so der Sprecher. Seine Kommentare: „absolut nicht verständlich“ und „tragisch“.
Die Stadt Speyer stellt es anders dar. Der Veranstalter habe zunächst im März dieses Jahres bei der Verwaltung für den MPS-Termin 2022 angefragt. „Dieser wurde ihm bestätigt“, berichtet Pressesprecherin Lisa Eschenbach. Erst danach habe er für das Jahr 2021 einen Antrag auf Sperrung des Parkplatzes am Naturfreundehaus gestellt. Dieser habe im Rathaus für Verwirrung gesorgt, „weil wir ihn nicht zuordnen konnten – wir gingen ja von einer Veranstaltungsdurchführung im Jahr 2022 aus“. Folge: Ablehnung.
Lage nicht vorhersehbar
Erst in Reaktion auf diese Ablehnung habe der westfälische Veranstalter am Montag vor einer Woche dann ein Konzept für ein „kleines MPS“ 2021 vorgelegt. Dazu gebe es seitens der Verwaltung noch keine Rückmeldung und folglich auch keine pauschale Absage. Eschenbach: „Klar ist aber auch, dass wir eine solche Veranstaltung im Moment nicht abschließend genehmigen können, da für eine solche Entscheidung die gültige Rechts- und Infektionslage zum Zeitpunkt der Durchführung der Veranstaltung ausschlaggebend sind. Beides können wir für den August 2021 nicht vorhersehen.“ Das gelte etwa auch für Veranstaltungen wie Brezelfest oder Kaisertafel.
Also doch noch ein Hoffnungsschimmer für 2021? Jan Kühr vernimmt es überrascht, aber erfreut. Am MPS würde es nicht liegen, sagt er. Die Künstler für jeden Tag drei bis vier Konzerte seien gebucht, und die Rechts- und Infektionslage sei angesichts der ersten Lockerungen auch nicht aussichtslos. Zu spät sei es noch nicht. Es bleibe dabei: „Wir würden das gerne machen.“
Auflagen verschärft
Die MPS-Märkte in Speyer kommen traditionell gut an. Sie bringen wegen der hochkarätigen Bands aus der Mittelalter-Szene stets auch viele Gäste von außerhalb in die Stadt. Kritik hatte es in der Vergangenheit teilweise an hohen Eintrittspreisen, aber auch an lauter Musik gegeben. Die Stadt hatte deshalb in den vergangenen Jahren die Auflagen verschärft und Musik nur in gedämpfter Lautstärke und bis 22 Uhr zugelassen. Dies war bei den Veranstaltern nicht auf Gegenliebe gestoßen. Ansonsten sei Speyer aber ein guter Standort, hatten sie stets betont.
RHEINPFALZ-Kommentar von Patrick Seiler
Wertvoller Test
Das Mittelalter-Spektakel mit den Großkonzerten ist eine interessante Veranstaltung in Speyer, die immer wieder zu Konflikten führt.
Viele lieben die MPS-Auftritte in Speyer, manche sehen und hören sie mit Grausen. Natürlich sind die jährlichen Touren ein großes Geschäft. Unabhängige Beobachter erkennen aber an, dass sie so professionell und unterhaltsam gemacht sind, dass der kommerzielle Hintergrund nicht dominiert. Also: eine Bereicherung für Speyer. Die aktuellen Kommunikationsprobleme zur verkleinerten Auflage 2021 wären in quasi letzter Minute noch zu beheben, wenn Stadt und Veranstalter es wollten. Unter strengen Bedingungen könnte das ein wertvoller Test für die Rückkehr ins öffentliche Leben nach Corona werden.