Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel „Pirates of Love“ bringen Speyerer Paradiesgarten zum Leuchten

Rocken die Bühne im Paradiesgarten: „Pirates of Love“ setzen am Samstag den abendlichen Schlusspunkt bei „Speyer.Kultur goes Par
Rocken die Bühne im Paradiesgarten: »Pirates of Love« setzen am Samstag den abendlichen Schlusspunkt bei »Speyer.Kultur goes Paradise«.

Der Altstadtfest-Samstag war neun Piraten der Liebe vorbehalten. Auf ihrer Seereise durch die Musikgeschichte der 60-er Jahre bis heute haben „Pirates of Love“ die Herzen der Paradiesgarten-Gäste gekapert.

Auf der Bühne ist Abstand keine Option. Vor, neben, hinter und zwischen den Bandmitgliedern nehmen Keyboard, Schlagzeug, Gitarren, Bässe, diverse Percussions und Mikrofone, Trompeten, Saxophon, Lautsprecher, Notenständer und Mundharmonika Platz. Das Piraten-Repertoire füllt dicke Ordner, steckt in Tablets und in den Köpfen der Sänger und Instrumentalisten.

Drei Sets sind für drei Stunden Musik vor 250 Gästen im Garten der Dreifaltigkeitskirche vorgesehen. Zur Finanzierung der neuen Kirchenorgel bietet der Bauverein Bier, Wein, Bratwurst im Brötchen und Käsewürfel in der Tüte an. Dazu schlägt Sänger Volker Föhr mit „Piano Man“ von Billy Joel die erste Konzertseite auf.

„Sweet Caroline“: Spontanes Ständchen für Bandkollegin

Francis „Aza“ Razafindraboay, ist auf die Rolling Stones, auf Jimi Hendrix und Prince gebucht. „Wir leben nicht in einer Geisterstadt“, betont er, bevor er „Livin In A Ghost Town“ mitreißend singt und die Mundharmonika spielt. Für „Riders On The Storm“ der „Doors“ packt er die Akustik-Gitarre aus, für die stimmliche Begleitung der Fans sein schönstes Lächeln. „250 klingen wie 1000“, staunt Volker Föhr über die leise, aber dennoch tragende Stimmgewalt des Publikum-Chors.

Dann tritt Karolina Juhász ans Mikro, groovt sich ein auf Amy Winehouse und Janis Joplin, beeindruckt mit ihrer eigenwilligen Interpretation von Gloria Gaynors „I Will Survive“. Die Stimme der jungen Sängerin dringt ganz dicht an die Zuhörer, ihre Begeisterung für die Musik ihrer Eltern und Großeltern überträgt sich auf Bandkollegen und Zuhörer aller Generationen. So sehr, dass Aza und Föhr für sie mit „Sweet Caroline“ ein Ständchen geben – a cappella – und Handys und Feuerzeuge den Paradiesgarten zum Leuchten bringen.

Saxophonist Martin Tagscherer spielt sein Instrument konzertant. Refrains singt er gebeugt ins beinahe knietiefe Instrumental-Mikro, klopft den Rhythmus mit allem, was er in die Hände bekommt. Auch Trompeter Christian Engel wechselt immer wieder vom Blas- zum Klopfinstrument, bedankt sich per Mundstück für Zwischenapplaus.

Beeindruckend: Volker Föhrs „It’s Not Unusual“, „Sexy“ und „Easy“

„Wir holen noch einmal alles aus uns raus“, kündigt Föhr vor dem dritten Set an. Sein Hemd hat er begeistert durchgeschwitzt. Aza hat seins für das Konzert-Finale gewechselt, Föhr ein Handtuch mit auf die Bühne genommen. Wie weiland Tom Jones, dessen „It's Not Unusual“ der Sänger ebenso beeindruckend interpretiert wie zuvor Westernhagens „Sexy“ oder Lionel Ritchies „Easy“. Gitarrist Dietrich Harer gibt Riffs dazu, die der Begriff „Hammer“ trefflich beschreibt. Bei „Purple Rain“ wächst Harers Gitarre im Zusammenspiel mit Bassist Rainer Dünschede, Drummer Walter Schwind und dem grandiosen Roman Etzkorn am Keyboard über sich hinaus.

Um 21.40 Uhr kündigt Föhr die letzte Getränkerunde an. Jetzt zählt jede Minute. Joe Cockers „With A Little Help“ läutet das Ende ein. Mit „Let It Be“ gelingt den Piraten der Liebe eine Punktlandung bei den Zuhörern und fast eine gegen die Uhr. Drei Minuten Zeitüberschreitung. Beschwerden erreichen die Bühne jedoch keine. Nur Jubelrufe von überall her für neun „Pirates of Love“.

x