Speyer Physiker unter Palmen

Das amerikanische Pasadena ist Schauplatz der preisgekrönten Comedy-Serie „The Big Bang Theory“, die auch in Deutschland zum TV-Erfolg geworden ist. Die kalifornische Stadt unterhält eine lebendige Partnerschaft mit Ludwigshafen. Unter blauem Himmel und Palmen lassen sich hier Vorstadtidylle und versteckte Hinweise auf die Freundschaft mit Ludwigshafen finden.
Es ist ein bisschen so, als wäre man im typisch amerikanischen Vorstadttraum gelandet. Nur 20 Minuten auf dem Highway 110 Richtung Süden wartet die schmutzige, graue Innenstadt von Los Angeles, aber in Pasadena ist es gepflegt, ruhig, nett — vorstädtisch eben. Die hochgewachsenen Palmen beugen sich im Wind, der vom Pazifik her weht. Der Himmel strahlt hellblau bis zu den angrenzenden Bergen. Abgesehen von einer Schlittschuhlaufbahn in der Innenstadt deutet alles darauf hin, dass man sich im immer-sonnigen Kalifornien befindet. „Es ist eine typische Vorstadt, weder klein noch groß“, sagt Michael Warner, der den Vorsitz des Partnerschaftskomitees in Pasadena hat, über seine Heimat, die zum Großbezirk Los Angeles gehört und mehr an Hollywood-Klischees von Kalifornien erinnert als die angrenzende Millionenstadt. Wenn Los Angeles die Ludwigshafener Innenstadt darstellen würde, dann könnte man Pasadena am ehesten vielleicht mit Friesenheim oder Oggersheim vergleichen. Dass es so etwas wie eine Städtepartnerschaft mit Ludwigshafen gibt, das wissen viele Einwohner gar nicht. Die Ausnahme bildet – neben dem „Sister City Committee“ – eine kleine Gruppe deutschlernender Studenten am Pasadena City College (PCC). Die Hochschule befindet sich direkt neben dem Campus einer weiteren Universität, von der zumindest begeisterte Sitcom-Zuschauer schon einmal gehört haben müssen: das California Technical Institute, abgekürzt CalTech, Arbeitsplatz der verrückten Genies aus „Big Bang Theory“. Obwohl die Serie ein paar Kilometer weiter im Studio der Warner Brothers in Burbank gedreht wird, machen sich die Fans der Serie gerne über die Streber auf dem CalTech Campus lustig. Seit 2007 flimmert die „Urknall“-Serie weltweit über die Bildschirme. Auch in Deutschland gehören die hochbegabten aber sozial etwas unbeholfenen TV-Wissenschaftler Sheldon, Leonard, Howard, Raj und Kellnerin Penny zu den Quotenbringern. „Es werden oft Witze darüber gemacht, dass die Studenten hier auch totale Nerds seien“, sagt die 19-jährige Kristen Wong aus Pasadena. Ob das stimmt? „Ein bisschen“, sagt Wong und grinst. Laura Luz Benitez ist von solchen Vorurteilen nicht betroffen, sie besucht ihre Deutschvorlesungen am gegenüberliegenden Campus, dem PCC. Der dort ansässige Germania Club ruft einmal im Jahr gemeinsam mit dem Partnerschaftskomitee zum Jugendaustausch mit Ludwigshafen auf. Benitez bewarb sich — und hat schließlich neben mehreren Praktika für ein paar Wochen Weinfeste, Museen und die Kultur der Pfalz erkundet. „Ludwigshafen ist sehr industriell, das ist mir gleich aufgefallen“, berichtet die 24-Jährige von ihren ersten Eindrücken. Sonst sind ihr Gastfreundschaft und „eine Kartoffelsuppe, von der ich immer noch träume“, im Gedächtnis geblieben. Dass es seit den 1990er-Jahren jährlich zum Austausch kommt, liegt an der humanitären Hilfe, die Pasadenas Bürger nach dem Zweiten Weltkrieg geleistet haben. Zusammen mit verschiedenen Kirchengemeinden, von denen es bis heute in der Stadt sehr viele gibt, gründeten zwei Quäker im März 1948 ein Hilfskomitee für Ludwigshafen. In manche der Kleider, die in die zerbombte Rheinebene gesendet wurden, hatten Bürger aus Pasadena kleine Botschaften mit ihren Namen und Adressen eingenäht. „Einige Ludwigshafener haben geantwortet“, erzählt Michael Warner. In dem kleinen Gebäude mit weißer Holzfassade, genannt „Fannie Morrison Horticultural Center“, von dem aus damals die humanitäre Hilfe koordiniert wurde, rennen heute Kinder Luftballons hinterher. Das „Kidspace Children’s Museum“ wurde hier 2004 eröffnet. Inzwischen erinnert fast nichts mehr an eingenähte Notizen, frachtfertige Medikamente, Kleider- und Nahrungsspenden. Wer genau hinschaut, der sieht allerdings, dass die Partnerschaft mit Ludwigshafen hier ein Zeichen gesetzt hat: An der Wand hängt eine Plakette, die die gemeinsame Geschichte der beiden Städte erzählt. Der Hinweis auf die „Schwesterstadt“ Ludwigshafen ist nicht der einzige, der in Pasadena versteckt ist. Ein Baum im Brookside Park, der größten Grünanlage der Stadt, ist dank eines gravierten Steins als Jubiläumsbaum der Partnerschaft zu erkennen. Neben dem Theater der Stadt findet sich außerdem eine kleine Skulptur, bei der jeder Ludwigshafener stutzig werden würde: Zwischen Rosenbeeten, dem Aushängeschild Pasadenas, ragt dort die Pfalzsäule als ein Meter kleine Miniaturversion hervor. Das Equivalent vor dem Pfalzbau ist etwa 20-mal so groß — sieht aber bei Regen und umgeben von Asphalt irgendwie nur halb so schön aus.