Speyer
Phönix-aus-der-Asche-Plan für die Postgalerie
Es ist wenig los in den langen Fluren der früheren Oberpostdirektion mit ihren mehr als 23.000 Quadratmeter Nutzfläche. Von den mehr als 20 Geschäften ist nur der kleinste Teil den Weg zum Terminshopping mitgegangen. Mit Deichmann, Juwelier Prestige, Ernstings Family und Kult waren es am Montag nur vier. Friseur HairExpress hat sich ebenso wie sein Beauty Hair Shop wohl auf Nimmerwiedersehen verabschiedet, wie Centermanagerin Hanna Neureither auf Anfrage bestätigt.
Es gebe mit der Crazy Sandwich-Galerie eines Frankfurter Gastronomen aber auch einen neuen Mieter. Er belegt die zuletzt mehr als ein Jahr verwaiste Gastronomiefläche in der Säulenhalle, hat aber diese Woche nach rund einem Monat erst mal wieder eine Pause eingelegt, so Neureither: Es sei zuletzt zu wenig los gewesen. Viele potenzielle Kunden wüssten nicht mehr, welche Regeln in Speyer gerade gelten.
Interesse von potenziellen Mietern
Spätestens wenn wieder „richtig“ Shopping erlaubt ist, soll alles besser werden. Die Erwe Immobilien AG (Frankfurt), die hinter der Postgalerie steht, teilt über ihren Pressesprecher Jörg Bretschneider mit Bezug auf mögliche Mieter mit: „Es besteht gutes Interesse aus den Bereichen Outdoor-/Sportbegleitung, Bekleidung, Fitness, Medizin.“ Derzeit liefen Verhandlungen, und die Vorbereitung eines „etwas größeren Mietvertrags“ sei auf der Zielgeraden, berichtet Bretschneider ohne Namen zu nennen. Das Einkaufszentrum war 2012 mit rund 40 Geschäften eröffnet worden und hatte seither mehrfach Geschäftsschließungen verkraften müssen.
Nach einem Eigentümerwechsel 2017 – von Market12 an Erwe – wurde eine Umgestaltung angepackt. Die Einrichtung des Amedia Plaza Hotels mit 117 Zimmern ist der erste Schritt, weiterhin in der Planung ist die Schaffung eines neues Eingangsbereichs, auf der Ideenliste waren auch ein Aussichtsturm und eine zusätzliche Etage mit Kuppel. In der Pandemie werden kleinere Schritte gemacht: Die Mall solle „moderner, einladender werden, eine höhere Aufenthaltsqualität bieten“, betont Bretschneider. Dafür würden die Beleuchtung sowie die Wandbereiche modernisiert, für den Eingangsbereich würden Konzeptideen mit dem Denkmalamt abgestimmt. Dazu komme ein neues Logo, „das jetzt schrittweise eingeführt und in der Galerie sowie in allen werblichen Auftritten sichtbar werden soll“.
Hotel will Lokal selbst betreiben
Hotel-Mieter Amedia mit Firmenzentrale in Österreich hatte die Eröffnung seines Speyerer Hauses Anfang November verschoben, weil sie mit dem Lockdown-Start zusammengefallen wäre. Seit 15. Dezember sei das Team mit fünf Mitarbeitern, teilweise in Kurzarbeit, jedoch für Geschäftsreisende am Start. Man freue sich über zumindest „ein wenig“ Betrieb, so Sprecher Maarten van Dongen. Das Restaurant im Erdgeschoss steht jedoch leer und soll nun zur Schnelltest-Station werden: Stadt und Rotes Kreuz (DRK) stimmen sich dazu mit Amedia ab. „Ziel ist eine Eröffnung am Montag, 19. April“, sagt DRK-Geschäftsführerin Caroline Diven. Von montags bis sonntags, 10 bis 18 Uhr, sollten dort Schnelltests ermöglicht werden.
„Der wunderschöne Raum für das Restaurant muss ja nicht leerstehen“, so van Dongen. Es gehe um die Pandemie-Bekämpfung, die Rückkehr zur Normalität und auch um Marketing für das künftige gastronomische Angebot: „Wir können herzeigen, was wir Schönes gebaut haben.“ Anders als vor dem Lockdown geplant, werde Amedia jetzt keinen Pächter suchen, sondern das Lokal selbst betreiben. „Keiner weiß, wie es weitergeht, wir wollen fair sein zu unseren Partnern“, so van Dongen. Beim Kontakt sei der Anbieter „noch einigermaßen flexibel“. Die Stichworte Tapas-Bar und Steakhouse blieben aktuell. Van Dongen: „Es soll gutes Fleisch geben, und es soll öffentlich funktionieren.“
RHEINPFALZ-Kommentar von Patrick Seiler
Langer Atem nötig
Flexibilität in der Pandemie. So könnte es etwas werden mit der Postgalerie.
Die Geldgeber für das Einkaufs- und neuerdings auch Beherbergungszentrum benötigen langen Atem. Natürlich ist es eine kleine Katastrophe, wenn ausgerechnet in einer Zeit, in der große Investitionen geplant sind, seit mehr als einem Jahr vom Normalbetrieb mit normalen Einnahmen nur geträumt werden kann. Aber die Eigentümer und auch der Hotelpächter machen das Richtige. Sie specken Pläne ab oder verschieben sie – Stichworte: weiterer Umbau, Restaurant – und versuchen, mit Plan B im Gespräch zu bleiben. So wird eine Schnellteststation einziehen, und so wird an der Mall gearbeitet. Man will gerüstet sein für Tag X. Voraussetzung dafür ist – wie gesagt – der lange Atem bei den Investoren.