Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel PFW: Langsam, aber stetig aus der Krise

Geschweißte Rohre: eines der Hauptprodukte der Firma PFW Aerospace.
Geschweißte Rohre: eines der Hauptprodukte der Firma PFW Aerospace.

Die Luftfahrt leidet stärker als andere Branchen unter der Corona-Krise. Und damit leidet der Zulieferbetrieb PFW Aerospace mit seinen rund 1500 Mitarbeitern in Speyer. Sein Geschäftsführer ist verhalten optimistisch, obwohl das Unternehmen gerade „eines der schwierigsten Jahre in der Geschichte“ hinter sich habe.

Anfang 2020 ist PFW von Airbus an den französischen Hutchinson-Konzern übergegangen. Später im Jahr kam Stefan Zimmermann als neuer Geschäftsführer ins Amt. Dazwischen entwickelte sich eine Pandemie, die die Welt heute noch im Griff hat. Zimmermann muss daher im Werk am Neuen Rheinhafen zu einem Gutteil Krisenmanagement betreiben. Wirtschaftlich sei 2021 „eines der schwierigsten Jahre in der Geschichte“ gewesen, sagt er.

In der Hutchinson-Ära werden Umsatzzahlen nicht mehr genannt, aber der Geschäftsführer sagt auf Anfrage, dass man gut 40 Prozent unter dem Vor-Krisen-Niveau liege. Letzter veröffentlichter Wert sind die 450 Millionen Euro von 2019.

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Erfolgsstory in der Krise

Auftragskrise schmerzt

Die Wirtschaftskrise ist eine Auftragskrise. Flugzeuge müssen am Boden bleiben, die Bestellung neuer Maschinen ist weltweit eingebrochen und damit auch der Bedarf an Rohren und Komponenten aus dem Hause PFW. Damit daraus keine Personalkatastrophe bei Speyers größtem industriellen Arbeitgeber wird, mussten Leiharbeiter und befristete Beschäftigte gehen. Waren es vor der Krise noch 1800 Mitarbeiter, hat die Belegschaft laut Zimmermann inzwischen die Marke von 1500 unterschritten. Dass die Politik die Möglichkeit der Kurzarbeit bis Ende März verlängert hat, begrüßt er. Vereinbarungen mit den Arbeitnehmervertretern gäben zudem Planungssicherheit darüber hinaus. PFW werde auch in den nächsten zwei Jahren „sehr flexibel auf Auslastungsschwankungen reagieren können“, sagt er. Der Betriebsrat bestätigt diese Einschätzung (Bericht auf der Seite „Wirtschaft regional“).

Wenn Zimmermann Bilanz zieht und in die Zukunft blickt, hat er gute und schlechte Nachrichten. Zu den schlechten gehören aktuell Corona-bedingte Krankheits- und Quarantänefälle sowie Engpässe innerhalb der Lieferkette. Eine Teuerungsrate von 150 Prozent werde bei den „explosionsartig gestiegenen Bezugskosten für Gas und Strom“ erwartet, die sich auf die energieintensiven Produktionsprozesse auswirkten.

Einschnitte bei Boeing 787

Dazu komme das grundsätzliche Problem des Nachfragerückgangs in vielen Produktionsbereichen. Beim für PFW bedeutenden Flugzeugtyp Boeing 787 gebe es eine Liefersperre in den USA, die die Auftragskrise bei diesem Programm „dramatisch verschärft“. Zimmermann ordnet es so ein: „Vereinfacht kann man sagen, dass wir in diesem Jahr etwa genauso viele Teile für die 787 bauen werden wie 2019 in einem Monat.“

Andererseits gebe es „Silberstreifen am Horizont“. Das gehört laut Zimmermann der Anstieg der Produktionsraten bei den Airbus-Modellen der A3210-Familie. Darüber hinaus seien 2021 „in erheblichem Maß neue Aufträge an Land gezogen“ worden. Dazu gehörten kleinere Pakete für Boeing-Rohrleitungen und Aufträge für die Airbus-Programme A220 und A350 Frachter. „Letztere werden allerdings erst ab 2025 bei PFW in Produktion gehen“, so Zimmermann. Es sei noch offen, ob sie in Speyer oder im türkischen Werk hergestellt werden. Der Chef wertet sie als Anzeichen dafür, „dass zumindest der Tiefpunkt der Krise hinter uns ist und wir uns langsam, aber stetig aus der Krise herausarbeiten“. Wirtschaft regional

Stefan Zimmermann
Stefan Zimmermann
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