Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel PFW: Es geht um 250 Arbeitsplätze

Rabenvogel vor grauem Himmel im PFW-Eingangsbereich: Standort am Neuen Rheinhafen.
Rabenvogel vor grauem Himmel im PFW-Eingangsbereich: Standort am Neuen Rheinhafen.

Die Luftfahrtindustrie gehört zu den am stärksten von der Corona-Krise betroffenen Branchen. PFW Aerospace als größter industrieller Arbeitgeber in Speyer gehört ihr als Zulieferbetrieb an. Aktuell kommt die GmbH mit Kurzarbeit über die Runden. 2022 wird das nicht mehr der Fall sein, sagt Geschäftsführer Stefan Zimmermann.

Internationale Krisen, die aufs Luftfahrtgeschäft gedrückt haben, gab es immer wieder. Stefan Zimmermann nennt die Anschläge vom 9. November 2001 oder die Finanzkrise von 2008 und 2009 als Beispiele. Aber: „Spätestens nach 18 Monaten war der weltweite Luftverkehr dann wieder auf das Vorkrisen-Niveau zurückgekehrt“, sagt der Manager, der seit einem Dreivierteljahr die Verantwortung für das vom französischen Hutchinson-Konzern übernommene Speyerer Unternehmen trägt. Bei Corona sei alles anders.

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Fast eineinhalb Jahre nach Beginn der Pandemie fänden im Vergleich zur Zeit davor weiterhin nur 40 Prozent der Flüge statt. Flugzeuge rund um den Globus würden geparkt oder ausgemustert und nur wenige neue bestellt, berichtet Zimmermann. Zwar gebe es eine Marktwiederbelebung bei den Kurz- und Mittelstreckenflugzeugen. Für die Langstreckenmodelle Airbus A350 und Boeing 787, die für PFW entscheidender seien, würden aber über Jahre hinweg Produktionsraten von maximal der Hälfte des Vorkrisenniveaus erwartet. Wo der Umsatz, 2019 noch bei 450 Millionen Euro, liegt, beziffert er nicht.

Von Beginn an Kurzarbeit

Die Folgen spüre PFW direkt: einen Auftragseingang bei den Rohr- und Leitungskomponenten, auf die die Speyerer spezialisiert sind. Sie reagierten von Beginn an mit Kurzarbeit in großem Umfang darauf. Bei 15 Prozent liege sie im Mittel noch heute, so Zimmermann, in manchen Bereichen bei 30 bis 40 Prozent.

Auf diese Weise sei es gelungen, nach dem Abschied von befristet Beschäftigen den Bestand von etwas über 1500 Mitarbeitern zu halten. Für 2022 sei das nicht mehr gesichert. Zimmermann geht davon aus, dass dann die aktuelle Kurzarbeitsregelung nicht mehr zur Verfügung steht. Das bedeute für das Speyerer Unternehmen, „dass wir aus jetziger Sicht das Jahr 2022 mit einem Personalüberhang von circa 250 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern beginnen würden“. Nochmals anders ausgedrückt: „Jeder siebte Arbeitsplatz wäre dann gefährdet.“

Kosten müssen eingespart werden

Soweit soll es natürlich nicht kommen. Eine erste Entscheidung sei schon gefallen: Das sogenannte Freiwilligenprogramm, das Beschäftigten, die von sich aus gehen, Abfindungen nach festem Schlüssel zusagt, sei unbefristet verlängert worden. Es wäre eigentlich im Frühjahr 2021 ausgelaufen. Nötig seien aber auch „alternative Wege“, zu denen sich Zimmermann noch bedeckt hält. Dazu seien jetzt erst Gespräche angelaufen. Im Herbst wolle er Klarheit darüber haben, „wie die nahe Zukunft bei PFW aussehen wird“.

Die Denkrichtung ist dabei betriebswirtschaftlich. Es müsse nicht zwangsläufig um die 250 Jobs gehen, aber eben um Kosten in vergleichbarer Höhe. Investiert werden solle weiterhin, sagt Zimmermann: PFW müsse strategisch neu ausgerichtet werden, digitaler, produktiver. Zudem solle das Unternehmen zum Kompetenzzentrum für die Bearbeitung metallischer Werkstoffe ausgebaut werden, die zur Nachhaltigkeit im Flugzeugbau beitragen könnten. Zum Thema Wasserstoff gebe es erste Forschungsprojekte.

Der Betriebsrat war für eine Stellungnahme zur Lage nicht zu erreichen. Er hatte in der Vergangenheit eine Verlängerung der Kurzarbeitsmöglichkeiten bis weit ins Jahr 2022 hinein gefordert. Zimmermann wäre auch dafür, stellt jedoch fest: „Politisch derzeit nicht gewollt.“

Kommentar von RHEINPFALZ-Redakteur Patrick Seiler:

„Miteinander statt gegeneinander“

In der Krise kommt es auf eine Qualität an, die die Speyerer Flugzeugwerke oft ausgezeichnet hat.

Der Markt zieht nicht so recht an, aber die Kurzarbeit könnte auslaufen. Bei PFW Aerospace ist die Situation „brisanter als noch vor wenigen Monaten“, sagt der Geschäftsführer. Wenn es bald um die Zukunft konkreter Jobs gehen könnte, dürfen Arbeitgeber- und Arbeitnehmerseite nicht gegeneinander arbeiten. Das war bei den Flugzeugwerken in der Vergangenheit immer wieder möglich. Weil auch gesellschaftliche und politische Unterstützung dazukam, wurden über die Jahrzehnte Krisen überstanden, die möglicherweise viel existenzieller waren. Diese Erfahrung kann PFW auch jetzt stark machen.

Seit einem Dreivierteljahr Geschäftsführer: Stefan Zimmermann.
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