Speyer
Pflege: Traumberuf mit Kopfkino
Für Miriam Maier waren es 2012 nach eigenem Bekunden vor allem zwei Faktoren, die sie zur Ausbildung in der Pflege bewegten: die große Vielfalt an Weiterbildungsmöglichkeiten sowie der enge soziale Kontakt. Die 30-Jährige ist seit 2017 stellvertretende Pflegedirektorin am Diakonissen-Stiftungs-Krankenhaus in Speyer und für den Bereich Qualität in der Pflege verantwortlich. 657 Beschäftigte in der Pflege zählt das „Diak“ zur Zeit. Diese hätten in den vergangenen Monaten während der Pandemie große Loyalität gezeigt, berichtet Maier. Unter anderem ihnen ist der „Tag der Pflege“ gewidmet.
Einige Pflegekräfte hätten sich freiwillig für die zu Beginn der Pandemie errichtete Corona-Station gemeldet, weil sie beispielsweise im Bereich Lungenerkrankungen qualifiziert und erfahren sind, erklärt Maier. Auch von der großen Bereitschaft ihrer Kollegen, die in den vergangenen Monaten ausgelastete Intensivstation zu unterstützen, zeigt sich die Römerbergerin beeindruckt. „Da waren ganz viele superflexibel und haben sich angeboten, zum Beispiel am Wochenende extra auf der ,Intensiv’ zu unterstützen“, so Maier.
Auch kleine Dinge zählen
Dabei dürften „normal ausgebildete“ Pflegekräfte nicht ohne Weiteres auf der Intensivstation tätig werden, da dies eine zusätzliche Qualifikation erfordere. „Was sie aber machen können, ist, die Intensivpfleger mit anderen Diensten zu unterstützen und beispielsweise Dinge anzureichen, sodass nicht jedes Mal der Raum verlassen und sich komplett umgezogen werden muss“, erläutert Maier.
Der hohe Bedarf an Pflegekräften während der Corona-Zeit sei nicht nur mit der ausgelasteten Intensiv- sowie der Corona-Station zu erklären, die am 28. Dezember 2020 mit 42 Corona-Patienten – davon 15 auf der Intensivstation – die maximale Anzahl der an Covid-19 erkrankten Patienten am „Diak“ aufwiesen. Auch dass sich Pflegekräfte selbst in Quarantäne begeben mussten, sei häufiger der Fall gewesen und zum normalen krankheitsbedingten Ausfall hinzugekommen. Ebenso habe das direkte Beschäftigungsverbot von Schwangeren die Personalfrage zugespitzt, berichtet Maier, die derzeit ihre Masterarbeit mit dem Schwerpunkt Management schreibt. „Sonst war es üblich, dass Schwangere am Anfang noch im administrativen Bereich mithelfen konnten oder Medikamente gerichtet haben, das entfällt nun auch.“
Insgesamt habe sich der Pflegeaufwand während der Pandemie erheblich gesteigert, wie Maier berichtet. Zwischenzeitlich seien sogar die Blutgasanalyse-Geräte (BGA) an ihre Kapazitätsgrenze geraten. „Die Geräte haben einfach nicht mehr mitgemacht“, erzählt die 30-Jährige. Auch das dauerhafte Tragen einer Maske erschwere die Arbeit in der Pflege. „In gewissen Bereichen wie in der Geriatrie braucht es einfach eine gewisse Mimik, um verstanden zu werden.“
Psychische Belastung
Neben der zusätzlichen körperlichen Anstrengung stelle die Corona-Zeit auch psychisch eine Belastung für die Pflegekräfte dar, betont Maier. Sie erklärt, dass zwar einige anfängliche Ängste durch Schulungen beseitigt werden sowie Impfungen größtenteils die Angst vor einer Infektion nehmen konnten, jedoch führe die Schließung von Kitas und Schulen etwa bei Eltern zur Doppelbelastung, sagt sie. Auch wenn gerade jüngere Menschen aufgrund einer Infektion mit dem Virus in die Klinik müssen, gehe das nicht spurlos an den Pflegekräften vorbei. „Man macht sich eben so seine Gedanken, was wäre, wenn man selbst hier liegen würde, wenn sich ein Familienangehöriger oder ein Freund infiziert“, sagt Maier. „Zwar hat man solche Gedanken eigentlich immer – insbesondere auf der Intensivstation –, jedoch während der Corona-Zeit deutlich mehr als sonst“, so die Mutter von zwei Kindern.
Mehr Kommunikation
Der Pflegeberuf habe sich in der Pandemie gewandelt, befindet Maier. Sehr viel beratungsintensiver sei der ohnehin schon kommunikative Beruf geworden. „Dadurch, dass zur Zeit bis auf wenige Ausnahmen keine Angehörigen kommen dürfen, sprechen wir ganz anders mit den Patienten. Da gibt man dann auch mal den eigenen Hörer, wenn der Patient kein Handy hat“, erzählt die Römerbergerin.
Schon vor der Pandemie sei die praktische Ausbildung ausgebaut worden, sodass nun zusätzlich eine Pflegepädagogin die Schüler in der Praxis begleite, erklärt Maier. Die Stationen seien dadurch ganz erpicht darauf, dass die Schüler nach dem Abschluss bleiben, was zumeist auch der Fall sei. Dem Wunsch, auf einer bestimmten Station bei einer Anstellung eingesetzt zu werden, könne in der Regel entsprochen werden. Dass in die Ausbildung investiert wird, begrüßt Maier sehr: „Das ist wichtig, denn der Fachkräftemangel ist das eine, das Wachstum das andere. Wenn wir die Bettenanzahl und die Schwerpunktversorgung ausbauen wollen, brauchen wir genügend Pflegekräfte, die mit uns mitwachsen.“
Teilweise ganz gut bezahlt
An die Attraktivität ihres Berufsfeldes glaubt die 30-Jährige trotz der hohen Belastungen weiterhin. „Der Beruf wird in den Medien, nach außen hin, oft schlecht dargestellt. Ich glaube, dass das intern aber zumeist ganz anders aussieht. Unsere Azubis zeigen sich zum Beispiel sehr beeindruckt von der Vielfalt des Berufes.“ Maier ist der Auffassung, dass ihr Tätigkeitsfeld oftmals pauschalisiert werde und daher Vorurteile entstünden. „Man muss die verschiedenen Pflegebereiche individuell betrachten und beurteilen“, sagt sie. „Ich glaube zum Beispiel, dass im Sektor Krankenhaus ganz gut verdient wird. In einem anderen Bereich kann das aber schon wieder anders aussehen“, so Maier.
Stichwort: Tag der Pflege
Die Leistungen und das Engagement der professionell Pflegenden werden weltweit am 12. Mai besonders gewürdigt. Am 12. Mai 1820 wurde Florence Nightingale geboren. Die britische Krankenschwester verschrieb ihr Leben der Pflege von Kranken und Senioren und gilt als Pionierin der modernen Krankenpflege. Daran erinnert in einer Pressemitteilung auch die Alloheim-Seniorenresidenz Storchenpark in Speyer. „Ein Beruf in der Pflegebranche ist mehr als nur ein Job“, wird Einrichtungsleiter Markus Regenauer darin zitiert. Das habe Nightingale vor Augen geführt. Regenauer: „Sie erkannte als Erste, dass es in der Pflege nicht nur um die rein medizinische Versorgung und die Erfüllung grundlegender Bedürfnisse geht.“ Der seit 21 Jahre in der Branche tätige Leiter nennt die Pflege einen „aktiven Dienst an der Menschlichkeit“.