Kunstradsport RHEINPFALZ Plus Artikel Pfalzmeisterschaft: RC Vorwärts Speyer sahnt Hälfte aller acht Titel ab

Aus kleinem Tief herausgearbeitet: Pfalzmeister Tim Kotter vom RC Vorwärts Speyer.
Aus kleinem Tief herausgearbeitet: Pfalzmeister Tim Kotter vom RC Vorwärts Speyer.

Der RC Vorwärts Speyer erreicht bei der Pfalzmeisterschaft eine Quote von 100 Prozent. Mit der Trainingsgruppe erreicht der Verein in der Berufsschule die Obergrenze.

Vier der acht Titel, die es am Sonntag bei den Pfalzmeisterschaften im Kunstradsport zu holen gab, blieben beim RC Vorwärts Speyer. Carlo Roller und Tim Kotter, der Jüngste und der Älteste der Trainingsgruppe, sowie Madlene Berger und Paula Flörchinger gewannen in ihren Altersklassen. Aber auch alle anderen Speyerer standen auf dem Treppchen.

„Alles bestens“, frohlockte der pfiffige Carlo nach seiner Kür. Von den 37,10 Punkten fuhr er 35,43 aus, machte also kaum einen Fehler. „Meine beste Punktzahl“, wusste der Erstklässler, der mit seinen sechs Jahren schon enorm viel drauf hat, stolz kundzutun. Alles bestens? Das konnte Tim Kotter nach seiner Kür nicht sagen. Er muss seine nächste Chance am kommenden Sonntag bei den Rheinland-Pfalz-Meisterschaften in Böhl-Iggelheim nutzen, um sein Saisonziel zu erreichen: die Teilnahme an den Junior-Masters im April. In seiner Trainingshalle lief es für den 16-Jährigen nicht ganz so rund, denn die Nervosität schlug ihm ein Schnippchen. Gleich für die erste Übung, den Steuerrohrsteiger, brauchte er drei Anläufe. 85 bis 90 Punkte wollte er ausfahren, um sich sicher für den angestrebten Wettbewerb auf nationaler Ebene zu qualifizieren, nur 70,29 Punkte wurden es, weil ihm am Ende Zeit fehlte. Denn es ist ja so: In fünf Minuten folgt eine Höchstschwierigkeit auf die andere, so dass sich ein Fehler nur schwer ausgleichen lässt. Gerade probiert sich Kotter, der vor vier Jahren Sechster bei den deutschen Schülermeisterschaften war, am Handstand auf dem Lenker und am Standsteiger-Übergang.

Berger zaubert

„Ich bin von Tims Entwicklung sehr positiv überrascht und angetan. Er hatte eine lange Durststrecke, hatte manchmal Angst vor neuen, schwereren Übungen. Aber er hat sich sehr gut in den Griff gekriegt und schafft es, seine Übungen auf die Fläche zu bringen“, sagte Sarah Seidl, die neben seiner Mutter Sandra seine Trainerin ist. Dreimal in der Woche geht der Elftklässler am Friedrich-Magnus-Schwerd-Gymnasium ins Training, dazu kommen Abstecher ins Fitnessstudio, die das Kunstradtraining aber nicht negativ beeinflussen.

Hinter Tim Kotter reihte sich Lars Berger als Zweiter ein. Er wechselte gerade in die Juniorenklasse und muss nun fünf Übungen mehr in den fünf Minuten fahren. Seine Schwester Madlene zauberte in der U13-Klasse eine nahezu fehlerlose Kür auf die Fläche. Nur knappe drei Punkte Abzug gab es für die zehnjährige Schülerin der Nikolaus-von-Weis-Realschule. „Ich bin sehr zufrieden mit meiner Übung, bin aber trotzdem ein bisschen traurig, dass der Front-Lenker-Stand nicht klappte“, sagte Madlene. Mit ihr zu den Rheinland-Pfalz-Meisterschaften im Mai in Gau-Algesheim darf auch Ellen Frickhöfer fahren, die mit 41,44 Punkte den zweiten Platz belegte.

Die Landesmeisterschaften sind das große Ziel aller Starterinnen und Starter. Für den dortigen Start muss eine jeweils festgelegte Qualifikationspunktzahl erreicht werden. In der Schülerinnen-U11-Klasse lag sie bei 25 Punkten, alle drei Starterinnen des RC Vorwärts haben sie erreicht: Paula Flörchinger mit 42,48, Charlotte Hoffmann mit 29,96 und, wenn auch nur ganz knapp, Emma Siecke mit 25,55 Punkten, die noch nicht lange trainiert. „Über Emmas Leistung habe ich mich gefreut“, sagte Sarah Seidl, „und Paula hat ihr Programm wirklich zum ersten Mal sehr gut gefahren“, lobte sie. Mit Paula darf auch Bruder Felix Flörchinger als Zweiter der U15-Klasse in Gau-Algesheim starten. Er hat die Qualifikationspunktzahl um 0,05 Punkte übertroffen.

Drei Trainerinnen

15 Sportlerinnen und Sportler gehen derzeit ins Training beim RC Vorwärts. Damit ist die Obergrenze erreicht – für die Trainerinnen Sarah Seidl, Elke Eichberger und Sandra Kotter, weil jede und jeder eine 1:1-Betreuung braucht, aber auch, weil die Halle eben nur drei Kreise zum Trainieren hat. Kunstradfahren – das ist ein stetes Lernen von neuen Übungen, um den Schwierigkeitsgrad und damit die Punktzahl zu steigern, und gleichzeitig ein Einstudieren des Vortrags. In der Regel üben Seidl und Kotter links und rechts neue Übungen und Elke Eichberger nimmt im mittleren Kreis die Übung ab.

„Alle fahren in jedem Training ihr Programm durch, sonst wären sie alle nicht so gut, und auch das dreiminütige Einfahren wird wettkampfnah simuliert“, erläutert Sarah Seidl, wie ernst und leistungsorientiert das Training beim RC Vorwärts genommen wird. Davor gibt’s ein umfassendes Aufwärmprogramm, danach ein Feedback zur Übung. Und dann ist die Trainingszeit auch schon ausgeschöpft, aber nie mit neuen Zielen im Blick: „Wir haben für alle für die Rheinland-Pfalz-Meisterschaften noch was in petto“, kündigte Sarah Seidl an.

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