Kunstradsport RHEINPFALZ Plus Artikel Pfalzmeisterschaft bei Vorwärts Speyer

Wertvollster Sieg: Madlene Berger vom RC Vorwärts Speyer.
Wertvollster Sieg: Madlene Berger vom RC Vorwärts Speyer.

Vorwärts Speyer räumt bei der Pfalzmeisterschaft ab, und schmecken tut’s aus. Hoher Besuch schaut vorbei.

Welch eine schöne Atmosphäre: Eltern und Großeltern waren da, aber auch Freunde und Sportlehrer kamen in die Sporthalle der Berufsbildenden Schule. Die selbstgebastelten Waffeln schmeckten sehr gut, das Kuchenbüffet wurde fast leergekauft. Und am Ende fuhren jede Teilnehmerin und jeder Teilnehmer mit einem Gutschein für den Speyerer Kletterwald nach Hause. Bei den Pfalzmeisterschaften im Kunstradsport ging es um mehr als um die sportlichen Leistungen. Und doch: Es ging vor allem um den Sport. Um die Kunst auf dem Rad. Es ging darum, zu zeigen, was man den Winter über im Training gelernt hat.

Der Gastgeber und Ausrichter RC Vorwärts Speyer hatte auch da allen Grund zum Jubeln. Sechs der neun vergebenen Titel blieben in Speyer, alle Starter des RC Vorwärts haben sich für die Rheinland-Pfalz-Meisterschaften qualifiziert, und das gab es noch nie. Die Landesmeisterschaften in der Juniorenklasse finden am 15. März in Klein-Winternheim statt, die in den Schülerklassen am 25. Mai in Böhl-Iggelheim.

Jombik überrascht

Liliana Jombik überraschte in der U19-Klasse am meisten, Madlene Berger feierte den knappsten, aber auch wertvollsten Sieg, weil sie sich gegen neun Konkurrentinnen in der U11 durchsetzte. Ums Gewinnen ginge es ihr eigentlich gar nicht, sagte Liliana Jombik: „Mir geht es immer vor allem um meine eigene Leistung, und natürlich bin ich auch stolz, am Ende vorne zu sein. Aber ich habe ganz oft das Problem mit meiner Nervosität. Doch heute waren so viele vom Verein da, die mich unterstützten und Trainerin Sarah Seidl hat geschaut, dass ich vor der Kür ruhig bleiben kann, und dann hat es richtig gut geklappt“, sagte die 16-Jährige, die seit sechs Jahren diesen Sport ausübt und die sich durch einige Sturzverletzungen und durch Corona zwischendurch zurückgeworfen sah.

Richtig gut durchgebissen hat sich Tim Kotter. Der 15-Jährige war von einer Skifreizeit mit der Schule krank nach Hause gekommen, lag flach, nahm Antibiotika und konnte zwei Wochen nicht trainieren. „Unter diesen Umständen hat er mich sehr positiv überrascht. Ihm hat es ein wenig an Kondition gefehlt, aber ihm sind viele Sachen gelungen“, lobte Sarah Seidl seine Fünf-Minuten-Kür. Kotter zählt zu den Vorbildern im Verein, wie auch Emily Eichberger, die aber kurzfristig ihren Start absagen musste, weil sie sich tags zuvor beim Uni-Sport am Rücken verletzte.

Starker Heiligensteiner

Zwei Geschwisterpaare starten für den RC Vorwärts: Lars Berger, der Alleinstarter in der U15-Klasse, und Madlene Berger, die sich in der U11 durchsetzte, sowie Felix und Paula Flörchinger. „Ich habe fast keinen Abzug bekommen und habe mich auf Anhieb für die Rheinland-Pfalz-Meisterschaften qualifiziert“, sagte der elfjährige Felix aus Heiligenstein, der erst seit einem knappen Jahr dabei ist. Er folgte seiner drei Jahre jüngeren Schwester Paula ins Training, denn sie übt schon ein ganzes Jahr länger auf dem Kunstrad. „Ich hatte zwar einen Sturz, bin aber sehr zufrieden, weil ich sehr gut gefahren bin“, sagte Paula, die am Ende Dritte in der U11 wurde. Auch Charlotte Hoffmann (Vierte in der U11) sowie Xenia Ivosevic und Ellen Frickhöfer, die in der U13 vorne lagen, dürfen sich bei den Rheinland-Pfalz-Meisterschaften im Mai noch einmal beweisen.

Carlo Roller ist mit fünf Jahren der Jüngste in der Trainingsgruppe und möglicherweise der Talentierteste von allen. Weil er einmal mit dem Fuß auf dem Boden auftippte, hatte er dieses Mal im Zweikampf mit dem zwei Jahre älteren Jonas Koch (RCV Böhl-Iggelheim) knapp das Nachsehen. „Aber er ist trotzdem top gefahren“, lobte Mama Sarah Seidl, die allen ein gutes Zeugnis ausstellte. „Wir Trainerinnen, also Sandra Kotter, Elke Eichberger und ich, haben wirklich viel an den Programmen unserer Schützlinge gearbeitet, bis auf Kleinigkeiten haben sie sich toll geschlagen. Wir sind sehr stolz, dass sie alle noch mal bei den Rheinland-Pfalz-Meisterschaften auftreten.“

Daum bedauert

Hohen Besuch hatten die Kunstradfahrer vom ranghöchsten Vertreter des Verbandes „German Cycling“. Kurt-Jürgen Daum (61) aus Dudenhofen, früher selbst Nationalfahrer, schaute in der Halle vorbei. Der Koordinator dieser Sportart im Verband bedauerte, dass nur noch drei Vereine in der Pfalz, neben dem RC Vorwärts sind das der RV Bolanden und der RCV Böhl-Iggelheim, Kunstradsport anbieten. „Aus meiner Sicht ist das für die Sportart einerseits bedenklich, aber andererseits finde ich das Engagement in diesen drei Vereinen großartig. Wir wissen um die Delle, die aus der Corona-Pandemie stammt und die im Juniorenbereich spürbar ist, aber ganz unten scheint sich bundesweit die Situation ein wenig zu erholen“, sagte der ehemalige Bundestrainer.

x