Speyer Pfadfinder erleben spielerisch die Natur und lernen Verantwortung
Ihr Vater hat sie mit dem Auto zum Wanderparkplatz im Dudenhofener Wald gebracht. Nach und nach treffen die Kinder ein, eingemummelt in Outdoorjacken und mit Wanderschuhen an den Füßen. Und dann geht es schon los zu Spaß und Spiel in den dunklen Kiefernwald.
„Ich gehe gerne zu den Scouts, da treffe ich viele Freunde“, sagt Ivo, der stolz das orangefarbene Pfadfinderhalstuch trägt. Bei dem christlichen Jugendverband ist Gemeinschaft auf der Basis christlicher Werte angesagt – vor 75 Jahren wurde der CVJM Pfalz im westpfälzischen Otterberg gegründet.
Körper, Geist und Seele werden angesprochen
Nach ein paar Minuten hat die Gruppe ihren Platz erreicht: Auf einem Quadrat aus Baumstämmen setzen sie sich, erzählen, wie es ihnen in der vergangenen Woche ergangen ist. „Die Woche war stressig, in der frischen Luft bekomme ich den Kopf frei“, sagt die elfjährige Marie. Vier Scoutgruppen gibt es beim CVJM Pfalz: in Speyer, Neustadt, Otterberg und im rheinhessischen Gundersheim.
Spielerisch in der Natur erlebten die Kinder und Jugendlichen Gemeinschaft und würden stark gemacht für das Leben, sagt Gruppenleiterin Melanie Krämer. Dabei sollen ganzheitlich Körper, Geist und Seele angesprochen werden, fährt die Sozialpädagogin fort, die auch Referentin für Inklusion und Bildung des Landesverbandes ist. Gerade auch Kinder aus sozial schwachen Familien, „die sonst niemand erreicht“, seien bei den CVJM-Scouts willkommen.
Die Welt besser machen
Nach einer Weile teilt sich die Pfadfindergruppe im Dudenhofener Wald auf: Einige Mädchen und Jungs schnitzen mit ihren Messern an Stöcken, andere messen sich beim Geschicklichkeitsspiel Mölkky: Neuling Lorett trifft mit dem Wurfholz mehrere Holzklötze mit den aufgemalten Punktzahlen und jubelt. Schnell hat sich das Mädchen, das im Chor der Speyerer Gedächtniskirchengemeinde singt, in die Gruppe integriert. Ihre Mutter war schon begeisterte Pfadfinderin, erzählt Lorett. Und ihr Vater hält es ohnehin für „eine Bereicherung“, dass der CVJM ein an Jesus Christus orientiertes Leben fördere.
Die Pfadfinder des CVJM Pfalz wollten mithelfen, die Welt besser zu machen, bringt es Verbandssekretär Ronald Rosenthal auf den Punkt. Rund 1200 Mitglieder zählt der Jugendverband, der sich in 18 Ortsvereinen und sechs örtlichen Gruppen organisiert. Neben der Pfadfinderarbeit bietet der CVJM Pfalz mit seinem Jugendgästehaus in Otterberg auch erlebnis- und religionspädagogische Freizeiten – etwa für Konfirmanden – sowie Bildungsseminare an.
Der Große schützt den Kleinen
„Wofür steht der Wölflingsgruß?“, fragt Gruppenleiterin Krämer in die Runde. „Der Große schützt den Kleinen“, schallt es zurück. Es geht darum, Verantwortung gegenüber Gott, den anderen Menschen und sich selbst zu übernehmen, lautet die erste Regel der Pfadfinderschaft.
Papierblumen als Symbol
Patricia Göbel aus Speyer ist von der kostenlosen Kinder- und Jugendarbeit der CVJM-Scouts begeistert. Ihr Sohn (9) und ihre Töchter (3) wuseln mit der altersmäßig gemischten Gruppe durch den Wald. Und ihre achtmonatige Tochter Ruby „wächst da auch noch rein“, ist Göbel überzeugt. Als Betreuerin ist sie regelmäßig bei den Gruppenstunden mit manchmal bis zu 40 Kindern dabei. „Sie lernen, aufeinander aufzupassen“, sagt Göbel.
Melanie Kramer setzt zum Schluss bei einem geistlichen Impuls gefaltete Papierblumen in einen gefüllten Wasserbehälter. Sie blühen auf, geben den Blick auf die Wünsche frei, die die Pfadis darauf geschrieben haben. „Jeder von Euch kann etwas“, sagt die Gruppenleiterin. „Gott will, dass ihr aufblüht, er liebt Euch.“ Lorett hat sich entschieden: „Ich komme sehr gerne wieder!“