Speyer Pest, Post und Prozess

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HANHOFEN. 1366 (vor 650 Jahren): Erstmals ist in einer Maulbronner Urkunde mit Hensel Cunzels (1366 bis 1376) namentlich ein Schultheiß (Bürgermeister) überliefert. Ihm folgte später Arnold Gerhardt. Im gleichen Jahr bestätigte Kaiser Karl V. dem Hochstift Speyer, vertreten durch Bischof Lambert von Born, die Freiheiten, Rechte und Besitzungen. Neben Burgen und einigen Dörfern um Speyer wird auch Hanhofen in dieser Urkunde als „Hainhoven“ genannt. 1466 (vor 550 Jahren): Es wird berichtet, dass der Speyerer Bischof Matthias von Rammung nach Hanhofen ritt, um dort den Arm des Speyerbachs, welcher der neuen Ratsmühle zu Altspeyer zufloss, abgraben zu lassen. Seit 1460 lag der Bischof mit der Stadt Speyer im Streit. Durch den Bau der Burg Marientraut und das bereits vorhandene Gescheide bei Hanhofen war dieser in der Lage, sich durch Wasserentzug an der Stadt Speyer zu rächen. Ein Gescheide (Wasserscheide) ist die Trennung des Bachs in zwei Rinnsale. Am Hanhofener Gescheide trennen sich oberhalb von Hanhofen der Speyerbach und der Woogbach im Verhältnis zweidrittel zu eindrittel. 1572 unter Bischof Marquard von Hattstein wurde die Wasserscheide neu errichtet. 1516 (vor 500 Jahren): In einer Urkunde wird ein Müller zu „Hainhofen“ erwähnt. Die Mühlengeschichte Hanhofens reicht bis ins frühe 13. Jahrhundert zurück und wird urkundlich erstmals für 1224 erwähnt. 1616 (vor 400 Jahren): Für das Speyerer Karmeliter-Konvent werden erstmals Besitzungen belegt. Offenbar hatten die Brüder im 17. Jahrhundert wenigstens drei Zinsverschreibungen bezüglich Hanhofen in Besitz. Dabei scheint es wohl so gewesen zu sein, dass die Mönche in der Regel ihren Besitz außerhalb des Konventbezirks von Kaufbriefen und Verschreibungen allmählich vergrößern konnten, den Grund und Boden dann von leibeigenen Bauern gegen Zinsabgaben bewirtschaften ließen. Karmeliter sind die Mitglieder des 1150 gegründeten Ordens der Brüder der allerseligsten Jungfrau Maria vom Berge Karmel. In Speyer, wohin sie um 1270 kamen, besaß dieser Bettelorden in der Nähe des Altpörtels 1294 Kirche und Konvent. Auf dem Land versahen sie ab 1623 seelsorgerliche Tätigkeiten in der Pfarrei Heiligenstein und Berghausen, während in Harthausen und Hanhofen die Franziskaner tätig waren. 1666 (vor 350 Jahren): Im Ort entstand das Sebastianusfest (20. Januar), das seinen Ursprung in einer gemeinsam erlittenen Notzeit – nämlich der Pest – hatte, die in der Pfalz ungeheure Opferzahlen verursachte. Vermutlich wurde diese Seuche von England eingeschleppt, wo sie besonders 1665 in London wütete. Die meisten Opfer gab es in den Sommermonaten des Jahres 1666. Noch heute wird das Gelöbnis, das einst die Gläubigen in Hanhofen und Harthausen ablegten, feierlich begangen. 1716 (vor 300 Jahren): Am 5. Mai kam es zum offenen Streit zwischen den Bauern aller hochstiftischen Orte und der Stadt Speyer, der als „Speyerer Bauernkrieg“ in die Chronik eingehen sollte. Den unmittelbaren Anlass gaben die Bauern von Dudenhofen, die beim Lorenzenberg auf speyerischem Boden Holz geschlagen hatten, das vom Rat aber weggefahren wurde. In jener Zeit baten einige Untertanen von Hanhofen um einen Vorschuss an Früchten mit dem Versprechen, diese nach erfolgter Ernte dankbar zurückzuzahlen. Im gleichen Jahr wurde das Oberamt Marientraut (1554 bis 1716) wieder in ein Unteramt geändert, zu dem die Dörfer Berghausen, Heiligenstein, Dudenhofen, Harthausen, Hanhofen, Waldsee und Schifferstadt (bis 1709 außerdem noch Maudach und Mundenheim) gehörten und das bis 1797 bestand. Zudem erfahren wir von einem Prozess zwischen dem alten Müller Hans Michael Tyrolff und dem Amtsdiener Koch von Marientraut wegen einer Wiese. Auch lassen die in der Kirchenrechnung des Jahres 1716 aufgeführten Ausgaben auf einen größeren Umbau der Kirche in Hanhofen schließen, denn neben den Kosten für ein neues Schloss für den Taufstein nennen die Quellen Ausgaben für einen neuen Altar und Glocken. 1766 (vor 250 Jahren): Aus einem Bericht ist zu erfahren, dass der jeweilige Mühlenbeständer zu Hanhofen drei Morgen Burgfriedäcker in Bestand hatte und von den sogenannten Schlossäckern seit geraumer Zeit kein Zins (Abgaben) gezahlt wurde. Im gleichen Jahr nennt die Chronik einen Friedrich Koch als Wirt der Gaststätte „Zum Hirsch“. Auch wurden für den Bau der heutigen Kirche (1759 bis 1763) vom alten Gotteshaus, das in der heutigen „Alten Kirchstraße“ lag, 24 Klafter Steine (83 Kubikmeter) abgebrochen und geliefert, die für den späteren Bau des Kirchturms, der 1776 vollendet wurde, verwendet wurden. 1816 (vor 200 Jahren): Mit Schreiben vom 17. September schlug der damalige Oberbürgermeister der Stadt Speyer, Franz Reichardt, eine Zusammenlegung zu einer Bürgermeisterei mit der Nachbargemeinde Harthausen vor. 1841 (vor 175 Jahren): Am Schulhaus erfolgte die Herstellung einer Remise (Geräteschuppen) zur Aufbewahrung der zur Heizung notwendigen Brennmaterialien. 1866 (vor 150 Jahren): Erweiterung und Reparatur des baufälligen Schulhauses. Zur Finanzierung der Kosten wurden Eichen im Distriktwald gefällt. Auch beschloss der Gemeinderat, die örtliche Nachtwache durch Lohnnachtwächter versehen zu lassen. Die Wache begann täglich um 22 Uhr und ging bis 3 Uhr morgens (Sommer) oder 4 Uhr (Winter). 1891 (vor 125 Jahren): Hanhofen wurde vom 1. April an die Postexpedition Dudenhofen angegliedert und von da aus werktäglich zweimal bestellt. Die Postexpeditionen würden in der heutigen Zeit einer Postagentur entsprechen. Früher wurden die Expeditionen in die Klassen I und II eingeteilt; die Vorsteher der Postexpedition I. Klasse waren kündbar angestellte Fachbeamte mit der Amtsbezeichnung Postexpeditient, die der II. Klasse nebenamtlich tätige Ortseinwohner mit der Bezeichnung Postexpediteur. Beide Klassen rechneten unmittelbar mit der Oberpostkasse ab. Der Speyerer Bildhauer Gottfried Renn renovierte in der Kirche St. Martin meisterhaft die beiden „unschönen“ Figuren „Maria und Johannes“ am Hochaltar und fertigte einen dazu passenden Christus-Corpus zum Preis von 240 Mark, der 1893 fertiggestellt wurde. Der Hochaltar ziert noch heute das Gotteshaus. 1916 (vor 100 Jahren): Vom 1. April an wurde die örtliche Postagentur dem Landwirt Heinrich Mattern übertragen. Auch beschloss die Gemeinde Hanhofen den Beitritt zur Pfälzischen Pensionskasse in Bad Dürkheim. Als gemeindliche Dienststellen wurden gemeldet: Feld- und Waldhüter (Kilian Kripp), 600 Mark Jahresgehalt, vollbeschäftigt. Gemeinde- und Polizeidiener Heinrich Koch bekam 450 Mark Jahresgehalt und war nicht vollbeschäftigt.

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