Handball RHEINPFALZ Plus Artikel Per Instagram: Kroatischer Zweitliga-Spieler kommt zum TSV Speyer

Jeder bemüht sich sehr um den anderen: Das gefällt Bosun Jajce beim TSV Speyer.
Jeder bemüht sich sehr um den anderen: Das gefällt Bosun Jajce beim TSV Speyer.

Eigentlich wollte der kroatische Zweitliga-Handballer Bosun Jajce in seiner Heimat Polizist werden. Dann änderte sich die Lage. Heute arbeitet der 25-Jährige bei einer Firma für Immobilienbetreuung in Mannheim. Und er ist beim Handball-Verbandsligisten TSV Speyer gelandet. Über Instagram. Wie ist das abgelaufen?

Die Geschichte von Bosun Jajce (25) ist schnell erzählt, steckt dafür aber voller Emotionen. In Kroatien spielte er Handball in der Zweiten Liga, wollte eine Ausbildung an der Polizeischule machen. Als seine Mutter krank wurde, musste sich Jajce neu orientieren. Dafür ließ er die Heimat hinter sich und fand in Speyer eine neue Perspektive – sportlich und persönlich.

Verwunderlich ist es im Zeitalter moderner Technik prinzipiell nicht, dass sich jemand auf einem Instagram-Kanal zu Wort meldet. Dass auf diese Weise jemand direkt nach einer Spiel- und Arbeitsmöglichkeit fragt, ist selten der Fall. Kobra-Sprecher Benni Eisensteck hat das erlebt, als er mit Handballkollege Kai Kraus beim Kaffee im Garten saß. „Ich hab erst gedacht, da will uns jemand veräppeln“, verrät Eisensteck. Die erste Reaktion ist nicht zu verdenken, denn die Anfrage Jajces war in seiner Muttersprache formuliert. „Wir haben versucht, die Nachricht mit Hilfe von Google zu übersetzen“, sagt der Pressesprecher. Zur Sicherheit wurde Vereinskollegin Olivera Simonavic, die des Kroatischen mächtig ist, zurate gezogen.

Die Kobras haben ihm imponiert

Sie stellte klar: kein Lug und Betrug. Jajce hatte sich tatsächlich die TSV-Handballer als Ziel ausgesucht. Auf diese stieß er per Zufall. „Ich habe im Internet geschaut, was für mich in Frage kommt und interessant ist“, berichtet er auf Nachfrage. Die Kobras haben ihm auf den ersten Blick hin imponiert. „Ich fand den Verein einfach gut und die Spielausschnitte, die ich mir ansah, haben mir gefallen“, begründet Jajce seine Wahl.

Die Sympathie beruhte direkt auf Gegenseitigkeit. Eisensteck wollte alle Hebel in Bewegung setzen, um dem jungen Kroaten zu helfen, aus seiner Krisensituation herauszukommen. Sportsgeist beweisen, hieß das. Der zahlte sich schneller aus, als der Kobra-Funktionär gedacht hatte. „Vor vier Wochen ist Bosun in Deutschland angekommen“, lässt er wissen. Nur wenige Tage lagen zwischen dem Instagram-Eintrag und der Einreise.

Vom Flughafen direkt ins Training

Zeugwart Linh Thai nahm Jajce zunächst spontan auf dem Campingplatz auf. Mit Hilfe von Abteilungsleiter Ralph Schröder vermittelte Eisensteck einen Job bei einer Firma für Immobilienbetreuung in Mannheim. „Er kam quasi vom Flughafen direkt ins Training“, macht Schröder die Motivation des kroatischen Neuzugangs deutlich. Zu dessen Vorzügen sagt Eisensteck: „Er ist schnell, hat Sprungkraft und ist variabel einsetzbar.“

Diese Eigenschaften sollen der Mannschaft nutzen. „Bosuns Einstellung lautet: Er spielt da, wo ihn der Trainer benötigt“, wirft Schröder ein und Eisensteck ergänzt: „Er geht mit Handball schlafen und steht damit auf.“ Allgemein Fuß zu fassen in Speyer und im Verein ist Jajces erstes Ziel, um in der Folge auch gefestigt zu sein für gute Leistungen auf dem Platz.

Premiere am 24. Oktober

„Mir gefällt generell die Einstellung in dem Verein. Jeder bemüht sich sehr um den anderen. Man ist eine Einheit – das war bei mir zu Hause nicht in der Form der Fall“, zieht der Kroate einen Vergleich. Er freut sich, ein Teil der Mannschaft sein zu dürfen. Premiere auf dem Feld wird er beim Verbandsliga-Saisonauftakt der Kobras gegen das Handball-Leistungszentrum Friesenheim/Hochdorf am Sonntag, 24. Oktober, 18 Uhr, in der Osthalle feiern.

Zur Sache: Unterstützung fürs Ahrtal

Die Handballer des TSV Speyer unterstützen zum Saisonauftakt die Flutopfer im Ahrtal. Der gesamte Einnahmeüberschuss, der nach dem ersten Spieltag in den TSV-Kassen ist, kommt den Betroffenen der Flutkatastrophe zugute. Die Heimpremiere gegen den Mitfavoriten, das Landesleistungszentrum Friesenheim/Hochdorf, findet am Sonntag, 24. Oktober, statt. Anpfiff ist um 18 Uhr. Bereits ab 10 Uhr beginnen die Spiele der Jugendmannschaft. Unter anderem sitzt erstmals der brasilianische Ex-Nationalspieler Tito Casara bei der E-Jugend auf der Trainerbank. Ralph Schröder, Abteilungsleiter der Handballer, hofft auf eine volle Osthalle, in der dann die 3G-Regel inklusive Maskenpflicht gilt. Maximal 350 Zuschauer sind in der Osthalle erlaubt.

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