Speyer
Patricks Woche: Zeit für das Besondere
Zeit des Übergangs: Speyer bewegt sich
Alles ist wie immer? Nicht in dieser Woche! Dass der Kalender von Sommer auf Herbst gesprungen ist, passt in diese Zeit des Übergangs. Tatsächlich steuert Speyer zum ersten Mal seit zwei Jahren auf einen verkaufsoffenen Sonntag zu. Es wird richtig was los sein in der Stadt, die an diesem Tag zum Beispiel auch ein Kulturbeutel-Festival und – wie ganz Deutschland – eine Bundestagswahl zu bieten hat. Lockdown ist in Zeiten von 2G und 3G definitiv nicht mehr. Normal ist aber auch noch nichts. Gewählt wird kontaktarm, wohl die Mehrzahl der Teilnehmer hat schon im Vorfeld zu Hause ihre Stimme abgegeben. Beim verkaufsoffenen Sonntag ist nicht nur auffällig, dass das Rote Kreuz parallel eine Impfaktion im Bürgerbüro anbietet. Es wird auch jeder einzelne Besucher im Geschäft oder Café seinen verantwortungsbewussten Weg definieren müssen. Abstand in der Masse sozusagen. Dicht an dicht in der Fußgängerzone wie früher geht jedenfalls nicht. Und das sonstige Treffen von Politik und Bürgern im Ratssaal am Wahlabend fällt auch aus. Ein „Alles wie immer“ macht die Pandemie unmöglich. Aber, wie gesagt: Auch in der kann es viel Bewegung geben.
Zeit zum Zuhören: Rat bespricht sich
Genau in diesem Spannungsfeld bewegt sich auch die Debatte um die Öffentlichkeit von Stadtrats- und Ausschusssitzungen in der schönsten aller Städte. Corona hat es erfordert, dass das Parlament allzu lange in Digitalsitzungen getagt hat. Jetzt ist diese Phase beendet, ohne dass Bürger in großer Zahl schon als Besucher der Sitzungen willkommen wären. Hier muss man allerdings sagen, dass das Interesse in der guten alten Zeit überwiegend sehr begrenzt war. Insofern sind die 100 bis 200 Aufrufe gar nicht schlecht, die es in den vergangenen Monaten für die Sitzungsvideos bei Youtube gab. „Ein Zeichen, dass das Interesse der Bürger da ist“, urteilt die SWG-Fraktion, die es deshalb sehr bedauert, dass mit der Rückkehr zu Präsenzsitzungen nun bei den Ausschüssen keine Übertragungen aus dem Stadtratssitzungssaal möglich sind. Zwar war schon vor der Pandemie beschlossen worden, dort Übertragungstechnik einzurichten, aber das dauert noch. Und der Offene Kanal ist vorerst nur bei den Ratssitzungen an der Uni dabei. Der Gedanke der SWG: Bis es eigene Kameras gibt, könnte doch das, was in die Ratssaal-Mikrofone gesprochen wird, quasi als Ratsradio über einen Laptop live übertragen werden. Wie gesagt, eine Zeit des Übergangs. Dafür fehle die Schnittstelle, so die Verwaltung. Sie sagte aber Investitionen und eine Prüfung zu, ob die Audios zumindest im Nachhinein veröffentlicht werden können. Eine Art Stadtrats-Podcast also – da dürfte es aber doch sehr fraglich sein, ob die Abrufzahlen wirklich in den relevanten Bereich klettern.
Zeit für Neues: Museum freut sich
Auch virtuelle Rundgänge durch Museen haben in der Corona-Zeit an Bedeutung gewonnen. Das Historische Museum der Pfalz setzt dennoch auf Präsenz, wenn es in 14 Tagen wieder mit einer großen Sonderausstellung an den Start geht. Die „Expedition Erde“ wird derzeit aufgebaut und soll alte und junge Besucher wie in einem Höhlensystem näherbringen, was in Boden lebt und was nicht. Das muss man gesehen haben, da reicht kein Podcast. Es wird ein wichtiges Lebenszeichen für den Kulturtempel, bei dem die Dauerausstellungen derzeit wegen Raumknappheit nur eingeschränkt zugänglich sind und den die Schlagzeilen über bauliche Probleme belasten. In den Wochen seit Ende der Grüffelo-Ausstellung waren die 40 Mitarbeiter des Hauses teilweise recht allein im Museum. Obwohl der Lockdown vorbei ist.
Zeit zum Fürchten: Alte erinnern sich
Die Speyererinnen und Speyerer lieben ihre Stadt. Manches historische Gemäuer ist für sie wie ein treuer Gefährte. Und so wird rege über die Farbgestaltung diskutiert, seit das „Blaue Haus“ neben dem Stadthaus in der Maximilianstraße 99 zum „Haus in venezianischem Rot“ wurde. Oder zu was auch immer. Dabei fällt auf, dass es als „Blaues Haus“ ohnehin kein Alleinstellungsmerkmal hatte, denn in der Mühlturmstraße gibt es ein weiteres dieser Art. Zweitens gab es in der wechselhaften Geschichte der Maximilianstraße 99 auch eine Phase, in der das Gebäude nach einer Farbe benannt wurde, ohne in dieser angestrichen zu sein. Ur-Speyerer berichten, es sei einst das „Braune Haus“ gewesen, weil dort in den 1930er-Jahren Einheiten der Nationalsozialisten ihr Unwesen getrieben hätten.
Zeit zum Ablegen: Gäste bedanken sich
Zwei Mäuse sitzen auf einem Dach. Fliegt eine Fledermaus vorbei. Sagt die eine Maus zur anderen: „Guck mal, ein Engel!“ Spaß beiseite: Wer sich aufmerksam durch Speyer bewegt, kann Engel sehen. Echte Engel. Die sind nicht immer an ihren Flügeln erkennbar, sondern manchmal auch an ihrer Uniform. Im konkreten Fall an der vom städtischen Ordnungsamt. Das berichtet der Redaktion ein „hochaltriges Ehepaar“ aus Luzern in der Schweiz, das mit einem Kreuzfahrtschiff in Speyer festgemacht hatte. Bei einem Ausflug in die Altstadt hatte es sich dann verlaufen. „Zwei Engel vom Ordnungsamt haben uns auf den richtigen Weg zum Rhein gebracht, und wir erreichten todmüde unser Schiff“, berichtet der Mann. Er will den zwei Frauen auf diesem Weg danken. Glück im Unglück – wobei man sich natürlich Schlimmeres vorstellen könnte, als in Speyer zurückgelassen zu werden.