Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel Patricks Woche: Speyer macht sich (ein bisschen) locker

Startschuss: Speyer übt für den Corona-Lockerungslauf.
Startschuss: Speyer übt für den Corona-Lockerungslauf.

Lockerungen: Schranken gehoben

Alle mal aufstehen. Die Arme kreisen. Die Beine schütteln. Locker machen. Bewegung für die eingerosteten Glieder. Darf Deutschland, darf Speyer tatsächlich bald raus aus dem harten Lockdown? Die Inzidenz in der Domstadt ist in dieser Woche spürbar gesunken. Sie ist unter die 165 gepurzelt, ab der alle Schüler zu Hause bleiben müssen. Unter die 150, ab der die Geschäfte ihre Türen geschlossen halten müssen. Und zuletzt sogar unter die 100, ab der die Bundesnotbremse mit Ausgangssperre nicht mehr gilt. Wenn der Trend stabil bleibt, könnten bald die Lockerungen kommen, für die die Landesregierung diese Woche Wege aufgezeigt hat. In den Schulen geht’s am Montag zumindest wieder in den Wechselunterricht. Es gilt, wie so oft seit 14 Monaten, das rechte Maß zu finden. Das Maß zwischen Vorsicht und Freiheit, zwischen Warnungen und Wiederkehr des normalen Lebens. Am besten ist, jeder Einzelne tut das auf vernünftige Weise. Bis sich wirklich alle Schranken öffnen, bitte nochmals locker machen. Beine schütteln, Arme kreisen, zwei, drei.

Impfungen: Einfach gemacht

Wer die Arme kreist, kann sie auch gleich freimachen. Natürlich zum Impfen gegen das fiese Coronavirus. Eine bemerkenswerte Aktion in diesem Zusammenhang wird am Sonntag auf den Parkplätzen von Bö Fashion und E-Center in der Auestraße geboten: Das medizinische Versorgungszentrum von Urologe Gerald Haupt geht mit gutem Beispiel voran, hat große Mengen des frei verfügbaren Astrazeneca-Impfstoffs beschafft und bietet die möglicherweise rettende Spritze allen Interessierten an. 250 solcher Dosen gab es vorige Woche einmal auf einem Pforzheimer Parkplatz, Haupt kann mit vielen Helfern in Speyer locker das Sechsfache verimpfen. Hoffentlich ist die Resonanz so gut, wie es verdient wäre. Die Initiatoren haben nicht Bedenken in den Vordergrund gestellt, sondern die Chancen gesehen. Mediziner Haupt, in dessen Versorgungszentrum schon rund 1800 Personen geimpft wurden, wie er dem schnellen Blick aufs Handy entnimmt, hat früh den richtigen Weg aus der Krise erkannt. Einzelhändler Peter Bödeker, zuletzt zunehmend verzweifelter Lockdown-Kritiker, zeigt sich ähnlich tatkräftig und hilft, wo er kann. Ein Lob für Stadt und Polizei, die in dieser Woche spontan zum Ortstermin und den entsprechenden Genehmigungen bereit gewesen seien, gibt’s von ihm gratis dazu: „Des is’ Speyer!“ In Sachen Lockerheit wird der Schuhhändler da zum Nostalgiker: „So wie’s früher war …“

Müllabfuhr: Nicht abgeholt

Corona hat die Speyerer Lockerheit schon auf eine harte Probe gestellt. Bei Problemen mit der Müllentsorgung hört es aber definitiv auf. Mehr als eine Woche hat es gedauert, bis alle gelben Säcke aus der Weststadt abgeholt waren. Und diese Woche gab es wieder ähnliche Probleme. Viele verärgerte Bewohner haben die Verzögerung der Abfuhr in der Hotline des Dienstleisters – nicht mehr die Stadtwerke – sozusagen ein zweites Mal durchlebt. Viele Ausfälle beim Personal , auch wegen Corona und Quarantäne, erschwerten derzeit die Termintreue bei der Abfuhr in der Vorderpfalz, begründet eine Firmensprecherin. Allzu termintreu war in einem anderen Fall die Speyererin, die 18 Minuten zu früh am Abfallwirtschaftshof vorfuhr und wieder weggeschickt wurde. Der RHEINPFALZ-Bericht dazu stieß auf besonders große Resonanz. Ein Leser etwa kommentiert den Vorfall verärgert, weil es das Personal aus seiner Sicht viel zu genau genommen hat. Schnell wird er aber konstruktiv und stellt das System beim Tüv in der Schweiz mit minutenscharfen Terminen als Vorbild dar, die – man ahnt es – exakt eingehalten würden. Dann folgt der Spruch, der abermals belegt, dass Speyers Lockerheit noch nicht verloren ist: „Ob man dazu allerdings die berühmten Schweizer Uhren braucht, kann ich nicht beurteilen …“

Kübelpflanzen: Muskeln gezeigt

Einfallsreich war auch der Mann von der Stadtgärtnerei, der diese Woche in entscheidender Rolle die Rückkehr der großen Kübelpflanzen in die Fußgängerzone begleitete. Die meterhohen Oleander in den massiven Töpfen, gefüllt mit bester Pflanzerde, standen auf seiner Lastwagenpritsche, als er die Aufstellung in der Maximilianstraße vorbereitete. Der Bagger, der zum Abladen benötigt wurde, war allerdings noch ein Stück weit entfernt in Richtung Dom im Einsatz. So konnte besagter Kollege die Frage eines Passanten, wie es jetzt weitergehe, locker-scherzend beantworten: „Die heb’ ich jetzt all’ selwer nunner.“

Klinikaufenthalt: Makel gefunden

Fast noch besser war der Spruch des Südpfälzers, der auch über die RHEINPFALZ seine Dankesworte für die medizinische Versorgung nach einem Aufenthalt im Diakonissen-Stiftungs-Krankenhaus weitergeben will. „Ihr seid toll“, ruft er just am „Tag der Pflege“ dem gesamten Personal zu. „Besser geht es nicht“, urteilt er wörtlich – bevor er gnadenlos-locker doch noch einen Einwand geltend machen muss: „Außer das einlagige Klopapier.“

Feuerwehreinsatz: Kräftig gepiept

15 Feuerwehr-Kräfte haben die Woche mit einem Einsatz im Theodor-Storm-Weg in Speyer-West eröffnet. „Häuslicher Rauchmelder“, lautet die Alarmierung für sie. Die Drehleiter mit Korb wird vorsichtshalber mitgenommen – könnte ja eine größere Sache werden. Vor Ort kann man dann förmlich beobachten, wie bei den Einsatzkräften die Anspannung nachlässt und sich Lockerheit breitmacht. Es war kein Rauchmelder und somit kein Löschbedarf, sondern das Warnsignal eines anderen technischen Wunderwerks, das penetrant piepte: ein Kühlschrank auf dem Balkon. Einsatz beendet. Sehen wir es als Zeichen: Der Kühlschrank ist schließlich nicht irgendein Gerät – was wäre etwa die Gastronomie ohne die Eiskästen? Und deren Betriebe warten ganz besonders auf die Lockerungen …

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