Speyer
Patricks Woche: Ostern im Lockdown
Allgemeinverfügungen: Eiersuche verboten
Bei der Ostereiersuche ist ein Mindestabstand von 1,50 Metern einzuhalten. Zugelassen sind neben dem Osterhasen nur Angehörige des eigenen Hausstandes. Nach der Suche ist die gesamte Fläche zu desinfizieren. Die Kontaktdaten aller Teilnehmenden mit Angabe der Suchzeiten und Funde sind an das Gesundheitsamt weiterzureichen. So könnte die Verschärfung der Corona-Auflagen über Ostern aussehen. Als „Geschenk“ – hoffentlich neben Eiern und anderen Gaben – gab es zuletzt mehrfach neue Allgemeinverfügungen. Sie erwähnen es nicht explizit, aber zumindest im öffentlichen Raum schränken sie die Ostereiersuche tatsächlich ein.
Das passt zu diesen Festtagen, an denen sich die Gläubigen an der christlichen Erlösungsbotschaft festklammern müssen. Bei Corona kann sie im übertragenen Sinn ihre Wirkung entfalten. Die Regeln gelten dabei für alle – und treffen doch diejenigen, die die Kirchen besuchen wollten, besonders stark. Katholische Gemeinden hatten etwa Gottesdienste in den vergangenen Wochen besonders eingeschränkt, weil sie hofften, zumindest an Ostern wieder „einigermaßen richtig“ feiern zu können. Pustekuchen: Die Inzidenz ist wieder zu hoch, und wenn überhaupt sind nur wenige Leute in den Gotteshäusern zulässig. Ein Schlaglicht auf die protestantische Auferstehungskirchengemeinde deutet an, dass es nach der Pandemie doppelt schwierig werden könnte, die Leute noch für den Glauben zu begeistern: Die bis zu 20 Plätze in der Kirche waren am Mittwoch für keinen der Ostertermine ausgebucht. Für einen Karfreitagsgottesdienst waren sechs Personen angemeldet.
ARD: Aus Speyer gesendet
Vom erneuten Shutdown und dem Weg zurück zu streng begrenztem Terminshopping in Speyer war in dieser Woche natürlich auch die „Schatztruhe“ von Cosimina Heilig in der Alten Münze betroffen. Viele erinnern sich: Das war die Ladenbesitzerin, die mit ihrem Wutvideo wegen der Corona-Auflagen („Ich bin die Frau Heilig, und ich bin stinkesauer“) im Internet beeindruckt hatte. Nach über einer Million Klicks war jetzt auch die ARD zu Gast und strahlte diese Woche im bundesweiten „Report“-Magazin einen Beitrag darüber aus. Zu Wort kam darin Oberbürgermeisterin Stefanie Seiler (SPD), gegen die sich damals Heiligs Wut primär richtete, weil ihr aus dem Rathaus die Aufstellung von Warenständern vor dem Geschäft untersagt worden war. Die OB gab sich zerknirscht („Zeitpunkt schlecht gewählt“) und betonte, dass sie aus dem Fall gelernt habe. Jetzt gelte: „Die Ständer bleiben.“ Ob es Heilig viel hilft? Es ist ja wieder Shutdown ...
Augenzeugen: Illegales beobachtet
Noch so ein Corona-Phänomen: Natürlich dürfen auch Saunaclubs nicht betrieben werden. Die Stadt hatte vorige Woche darüber berichtet, dass es jemand in Speyer trotzdem versucht hatte und dass nach der illegalen Öffnung des nicht zum Prostitutionsgewerbe zählenden Betriebs ein Strafverfahren laufe. Auf Anfrage ergänzt sie nun noch, wie die Sache aufgeflogen war: Nutzer seien ausgerechnet vor den Augen der Feuerwehr ein- und ausgegangen. Die in der Corona-Phase mit großem Einsatz auch in anderen Bereichen hilfreichen Brandschützer regten eine Kontrolle an – mit dem bekannten Ergebnis. Den Feuerwehrleuten entgeht nichts. Wer Hilfe beim Ostereiersuchen braucht, kann ja mal nachfragen. Aber vorher bitte die Corona-Regeln checken!
Ausbesserungen: Brücke beschädigt
Zwei Millionen Euro sind für die Sanierung des Viadukts ohnehin schon angesetzt. Jetzt ist allerdings klar geworden, dass die Fußgängerbrücke, die den beträchtlichen Weg von der Bahnhof- zur Burgstraße überspannt, noch stärker beschädigt ist als zunächst angenommen. Im März war sie abmontiert worden, wieder eingebaut werden sollte sie im September. Jetzt könnte das alles noch länger dauern, weil erst der zusätzliche Reparaturbedarf geprüft werden muss. Prognose: Auch die Kosten werden steigen. Vorschlag: Kann man dabei gleich einen Neubau prüfen? Zwar ist die 130 Jahre alte Verbindung denkmalgeschützt, aber irgendwo hat alles seine Grenzen. Und: Natürlich ist die alte Brücke sicher, aber so ganz geheuer war das schwankende Teil etlichen Passanten ohnehin nicht.
Änderungswunsch: Vorschlag gemacht
Woran merkt man, dass – wie schon 2020 – auch in diesem Jahr kein normales Osterfest zu erwarten ist? Da könnte jeder Speyerer sicherlich eine ganze Litanei aufzählen. Ich mache es umgekehrt. Es gibt nämlich auch Anzeichen dafür, dass der Corona-Spuk irgendwann ein Ende haben und die Menschheit osterartig davon erlöst wird. Und wenn es nur die Rechtschreibprüfung im Redaktionssystem ist, die den angesichts all der Corona-Verdachtsfälle zuletzt regelmäßig gebrauchten Begriff „Testtermin“ immer noch als Fehler erkennt. Beim Verbesserungsvorschlag muss ich es hier bei der Erwähnung belassen, auch wenn der Finger auf der Maus gerne auf „Ändern“ drücken würde: „Festtermin“.