Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel Patricks Woche: Nicht schon wieder

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Glockengeläut: Nicht mit Ludwig

Willkommen im Dezember, willkommen im neuen Kirchenjahr! Es spielt doch für viele noch eine Rolle, dass die christlichen Kirchen jeweils am ersten Advent ein neues Kapitel aufschlagen. In Speyer als Stadt der Kirchenregierungen gibt es das „Große Stadtgeläut“ am 1. Dezember – und das sogar ökumenisch. Die Pressemitteilung von evangelischer Seite, die dazu herausgegeben wurde, enthält in der Spalte der katholischen Beteiligten auch die „Konvikt-Kirche St. Ludwig“. Nur: die gibt es nicht mehr. Zwar stehen die historischen Mauern in der Korngasse noch und es hängen sogar noch die Glocken im Turm, aber das Gotteshaus ist 2016 entweiht.Weil sich just in dieser Woche die private Eigentümerin von St. Ludwig in der RHEINPFALZ erklärte und frustriert zeigte, wie viele Steine ihr bei der Suche nach einer neuen Nutzung in den Weg gelegt werden, bietet sich auch die Frage nach dem Stadtgeläut an: Ist St. Ludwig nun dabei oder nicht? Nein, sagt die Besitzerin. Es gebe dafür sogar einen ganz weltlichen Grund – und der heißt Grundbuch: In das habe das Bistum nämlich beim Verkauf eintragen lassen, dass in Zukunft das Läutwerk schweigen muss.

Postprobleme: Nicht heute kommen

Was ist nur mit der Post los? Natürlich müssen es keine Beamten mehr sein, die Briefe austragen und Pakete entgegennehmen. Dennoch hat die Personalnot in den vergangenen Wochen gleich in mehreren privatisierten Sparten des früheren Staatskonzerns zugeschlagen. Da blieb in manchen Speyerer Vierteln der Briefkasten leer, und da wurden die Schiebetüren der Postbank in der Wormser Straße gar nicht erst geöffnet. Grund hier wie da: Krankheit. Dafür gibt’s natürlich Verständnis, über den Fakt, dass wohl kein Ersatz zur Verfügung stand, darf man sich aber wundern.Postkunden berichten mit Kopfschütteln über so manche Begleiterscheinung. So ist am Aushang an der Filiale für drei Tage in der kommenden Woche eine Öffnungszeit von „00:00 bis 00:00 Uhr“ ausgewiesen. Für drei weitere Tage lautet der Eintrag „geschlossen“. „Merkwürdig“, so eine Leserin. Eine andere Frau wundert sich über die Zustellung nach tagelanger Unterbrechung. Erst sei ihr Programmheft mit einer Woche Verspätung (und dann gleich zusammen mit 18 Briefen) ins Haus geflattert. Dann habe sie das in der Verteilstelle Burgstraße vor Ort reklamiert – und dort gleich zehn weitere Briefe in die Hand gedrückt bekommen.

Gesprächsgäste: Nicht mit Jürgen

In Speyer kommt zwar nicht immer die Post an, aber mit großer Verlässlichkeit geben sich prominente Gäste ein Stelldichein – und das auch nach den Zeiten Helmut Kohls mit seinen Staatsgästen im Kaiserdom. Christoph Heusgen als früherer außenpolitischer Berater Angela Merkels war diese Woche ein Hochkaräter beim Wirtschaftsforum der VR Bank in der Stadthalle. Er stellte sich auch Fragen zur Kritik, die er für Äußerungen zur israelischen Politik geerntet hatte.Etwas anders verhielt es sich mit dem ehemaligen BASF-Chef Jürgen Hambrecht. Das Gymnasium am Kaiserdom durfte stolz sein, ihn diese Woche als Referent für eine Unterrichtsveranstaltung an Land gezogen zu haben – und lud auch stolz die Presse dazu ein. Was würde Hambrecht sagen zur heutigen Politik der russischen Regierung, mit der er einst für seinen Arbeitgeber Gas-Abkommen abgeschlossen hatte? Nun, öffentlich wurde die Frage nicht beantwortet: Als Hambrecht erfuhr, dass die RHEINPFALZ vor Ort sein sollte, bat er darum, hinter verschlossener Tür auftreten zu dürfen.

WC-Wand: Nicht schon wieder

Das neue WC-Häuschen in der Korngasse war keine Woche „eingeweiht“, da war schon der erste Vandalismus zu beobachten. Es gab Fotos mit Ekligkeiten sowie Toilettenpapier, wo es nicht hingehört, und es gab Schmierereien. Die zweifelhafte Ehre des ersten Graffitos gebührt dem Satz „Ami go home“ an einer Fliese. Warum ausgerechnet dieser Spruch aus früheren Jahrzehnten aus der Mottenkiste gekramt wurde, der sich gegen die Anwesenheit von US-Streitkräften in Westeuropa wandte, bleibt das Geheimnis eines verwirrten Hirns. Es ist allerdings durchaus symptomatisch für das gesellschaftliche Problem des schlechten Umgangs mit fremdem Eigentum. Und es ist ein Teil der Erklärung, warum die Motivation öffentlicher Verwaltungen in der Pfalz, mit öffentlichen Toiletten Komfort für Passanten zu schaffen, begrenzt ist.

Faktenfundgrube: Nicht alles zählen

Wie viele Türchen am Adventskalender schon geöffnet worden sind, bekomme ich – vor allem am 2. Dezember – gerade noch gezählt. Auch ansonsten halte ich es mir zugute, einigermaßen mit Zahlen umgehen zu können. Das Bedürfnis, alles und jeden zu zählen, habe ich jedoch nicht. Dennoch habe ich zur Kenntnis genommen, dass die letzte Stadtratssitzung die 47. in der Legislaturperiode war, dass der 48. Weihnachtsmarkt eröffnet wurde, und dass das Speyerer Landtagsmitglied Michael Wagner gerade über seine 78. Kleine Anfrage seit seinem Einzug ins Parlament informiert hat. Was sagt uns das nun? Wagner darf darin gerne einen Ausweis seines Fleißes sehen, den ihm der Landtag zumindest indirekt bestätigt – mit einer weiteren Zahl: Von den 101 Abgeordneten hat er die 17.-meisten Anfragen gestellt. Dann wüssten wir also auch das noch im Advent, sorry, am ersten Advent natürlich ...

Lassen Sie am Wochenende auch mal Fünfe gerade sein, rät Patrick Seiler

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