Speyer RHEINPFALZ Plus Artikel Patricks Woche: Neustart nach den Ferien

kondom etwas höher

Versiegelung: Freie Fläche

Na, endlich mal. Nach dem Bahnhaltepunkt Süd, der alle paar Jahre wieder auf den Prüfstand gestellt wird, gibt es ein neues Thema, das einerseits richtig kontrovers und andererseits für die Stadtentwicklung bedeutend ist: Nach der Nachbargemeinde Otterstadt diskutiert nun auch Speyer die Ausmaße des geplanten Wohn- und Gewerbegebiets „Pionier-Quartier“. Angeregt hat’s die Oberbürgermeisterin, die gerne die 275 Wohneinheiten in der „Kurzen Wingertsgewann“ in Speyer-Nord von der Potenzialliste streichen möchte. Andere sahen die Häuser vor ihrem geistigen Auge schon aus dem heutigen Kartoffelacker gestampft. Speyer braucht zusätzliche Wohnungen, aber Speyer braucht auch Landwirtschaft und Freiräume fürs Klima. Also: ein herrliches und sehr berechtigtes Thema für Grundsatzdiskussionen über die Frage, wie Speyer in die Zukunft gehen soll. Gut, dass die Oberbürgermeisterin die Debatte in Gang gesetzt hat. Gut, dass nun Argumente ausgetauscht werden. Über die grundsätzliche Frage, wie viele bisherige Äcker in der Vorderpfalz noch versiegelt werden sollen, dürfte gerne viel mehr gestritten werden. Das Wünsch-dir-was beim „Einheitlichen Regionalplan“, in dem sich zuletzt gefühlt jedes Dorf ein weiteres Baugebiet genehmigt hat, ging jedenfalls in der Summe politisch ziemlich einfach durch.

Verhütung: Grünes Gummi

Ja, die Politik. Mit der Bundestagswahl steht in drei Wochen ein demokratisches Großereignis an. Auch circa 36.000 Speyererinnen und Speyerer werden an die Urne gebeten. Zwei Frauen aus der Domstadt bewerben sich um das Direktmandat im Wahlkreis Neustadt-Speyer: Hannah Heller (Grüne) und Bianca Hofmann (FDP). Sie stecken längst im intensiven Wahlkampf. Sie lächeln nicht nur von ihren Plakaten, die übrigens kleine Schwächen aufweisen. Bei Heller ist der Name auf den Postern kaum zu finden, bei Hofmann, die angeblich die Pfalz im Herzen trägt, sind die Umrisse von Rheinland-Pfalz dargestellt. Die Zwei suchen vor allem den direkten Kontakt zu den potenziellen Wählern. Es menschelt also richtig. Eine passende Anekdote kann Hannah Heller von einer versuchten Kontaktaufnahme der Grünen beisteuern. Hier habe ein Mann nämlich das angebotene Infomaterial abgelehnt, da die Politik der Partei für ihn nichts sei. Die Wahlkämpfer hätten’s gut gemeint und ihm ein Präservativ als Werbegeschenk offeriert: „Nehmen Sie doch wenigstens das Kondom mit.“ Das habe den Mann endgültig entrüstet – es habe eine Beschwerde beim Ordnungsamt gehagelt. Der Angesprochene habe das grüne Gummi nämlich als Aufforderung interpretiert, sich wegen seiner politischen Haltung nicht fortzupflanzen.

Verkehrsberuhigung: Echter Eisberg

Zum Glück gibt’s in Speyer viele Kinder. Für sie hat in dieser Woche das neue Schuljahr begonnen. Corona-Sorgen überlagern vor allem bei den kleineren, noch Ungeimpften und ihren Eltern teilweise die Freude über den neuen Lebensabschnitt. Wesentlich ist dabei, dass sich alle um die lieben Kleinen bemühen – von den Lehrern bis zur Polizei, die natürlich gerade in den ersten Tagen besonders intensiv die Schulwege überwacht hat. Sie war am Montag exemplarisch an der Siedlungsschule und an der Zeppelinschule. „Dabei wurden zwei Verstöße gegen die Gurtpflicht geahndet, drei Mängelberichte ausgestellt und verkehrserzieherische Gespräche geführt“, berichten die Beamten. Ob das eine beruhigende oder Besorgnis erregende Bilanz ist, mag nun jeder selbst entscheiden. Klar ist: Es dürfte nur die Spitze des Eisbergs gewesen sein, denn die Polizei kann nur einen Bruchteil der täglichen Verkehrsbewegungen in der Domstadt kontrollieren. So war es zum Beispiel Zufall, als – jetzt unabhängig vom Schulbeginn – einer Streife im Juli ein Motorradfahrer mit 190 „Sachen“ entgegenkam, wo nur Tempo 70 erlaubt war. Folge: Die Maschine des Speyerers gehört nun dem Staat. Und da kommen dann doch wieder die Kinder und die anderen „schwachen“ Verkehrsteilnehmer ins Spiel: Vor allem sie müssen mit vielen Kontrollen und viel Abschreckung geschützt werden.

Verpflegung: Freundliche Friesen

Nach den Ferien ist nach dem Urlaub. Das gilt auch für mich und meine Familie. Wir waren in Ostfriesland – und auch das nicht, ohne an Speyer erinnert zu werden. Die dortige Urlaubsregion kennt nämlich schon konkret Probleme, die teilweise für die Domstadt heraufbeschworen werden. Die Einheimischen sind gastfreundlich und doch skeptisch: An mancher Stelle wird es ihnen schlicht zu viel mit dem Tourismus. Sie machen das etwa mit Bürgerbegehren gegen geplante Hotelpläne deutlich oder mit Protestplakaten am Bauzaun eines neuen Restaurants auf der Insel Spiekeroog. Die bietet Idylle pur, wird aber teilweise doch überlaufen. Auch für mich hat am Tag dort die gastronomische Kapazität nicht ausgereicht: Statt Menü gab’s nur eine Semmel vom Inselbäcker. Beim Tourismus kommt es immer aufs richtige Maß an. In Speyer kommen die Gäste aus aller Welt nach den Lockdowns langsam wieder zurück. Unter anderem die Entwicklung im neuen Welterbe Judenhof wird dabei genau beobachtet. Der Spiekeroog-Effekt droht hier dennoch eher nicht: Bisher bietet der Pfalz-Tourismus mehr Chancen als Risiken.

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